Gesundheit

Es ist nicht leicht, gutes Hundefutter zu erkennen

Die Herausforderung ein gutes Futter für Hunde zu erkennen, besteht darin, dass die gesetzlichen Regelungen für die Deklaration von Tierfutter den Herstellern einen sehr großen Handlungsspielraum lassen.

Viele der Bezeichnungen dürfen schwammig und ungenau sein und sind rechtlich leider oft nicht definiert. Die Hersteller müssen leider nicht genau angeben, welche Zutaten in welcher Menge im Futter enthalten sind. Doch genau das ist notwendig, um qualitativ hochwertiges Futter zu erkennen.

Die Hersteller sind verpflichtet, die analytischen Bestandteile oder die Inhaltsstoffe anzugeben.

Analytische Bestandteile – eigentlich eine gute Idee

Mithilfe eines Standardverfahrens aus dem 19. Jahrhundert sollte es möglich gemacht werden, die Inhaltsstoffe im Futter zu beurteilen. Die einzelnen Stoffe wie Rohproteine, Rohasche, Rohfett, Rohfaser und Feuchtigkeit werden in der Trockensubstanz ermittelt und können so verglichen werden.

Leider liefern diese analytischen Bestandteile aber keinerlei Aussage über die Qualität und Verwertbarkeit der einzelnen Rohstoffe für unsere Hunde. Außerdem ist die richtige Zusammensetzung für uns Hundehalter schwer zu beurteilen.

Geschlossene (intransparente) Deklaration: Unklare Inhalte

Bei einer geschlossenen bzw. intransparenten Deklaration findet ihr lediglich Gruppenbezeichnungen der Inhaltsstoffe wie beispielsweise:

  • tierische Nebenerzeugnisse
  • Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
  • pflanzliche Nebenerzeugnisse
  • Öle und Fette

Nähere Informationen wie Angaben über die genaue Zusammensetzung und Menge oder über die in dem Futter verarbeitete Tier- oder Pflanzenart fehlen.

Lediglich die Reihenfolge der Zutatenangaben gibt Aufschluss über deren Menge, da sie je nach Menge in absteigender Reihenfolge genannt werden müssen.

 

Transparente (offene) Deklaration: Qualität erkennbar

Eine genaue und transparente Zutatenliste ist leider keine gesetzliche Vorgabe für Hundefutter.

Dabei könnte man über eine sogenannte "transparente Deklaration" des Futters sowohl den Anteil als auch die Qualität der einzelnen Zutaten gut erkennen.

Bei einer vom Hersteller freiwillig gewählten transparenten Deklaration findet ihr dagegen die pflanzlichen und tierischen Inhaltsstoffe mit genauer Bezeichnung und mit ihrem prozentualen Anteil im Futter.

Ihr werdet informiert, welche Tierart im Futter steckt, welche Teile dieses Tieres verarbeitet wurden und wie groß der jeweilige Anteil im Futter ist. Alle tierischen und pflanzlichen Inhaltsstoffe werden genau bezeichnet.

Doch viele Hundefutter-Hersteller bevorzugen eine intransparente Deklaration, die leider keine Rückschlüsse auf die genauen Zutaten, ihre Menge und ihre Qualität zulassen.

Zum Glück nehmen verantwortungsvolle Hersteller von Hundefutter eine transparente Deklaration freiwillig vor.

Hochwertige Zutaten im Futter erkennen

In der EU dürfen alle Abfälle aus der Lebensmittelherstellung zu Tierfutter verarbeitet werden.

Darunter können sehr gute Zutaten für das Hundefutter sein, doch leider sind bei weitem nicht alle dieser Abfälle für eine gesunde und hochwertige Ernährung des Hundes geeignet.

Erlaubte Zutaten tierischen Ursprungs

Erlaubt sind Schlachtabfälle der Kategorie 3. Sie können hochwertiges Fleisch, Fett, Blut oder Eierschalen enthalten, doch genauso gut werden Häute, Hufe, Hörner, Klauen, Geflügelköpfe, Federn, Haare oder Schweineborsten verarbeitet. Die genaue Zusammensetzung muss auf dem Futter nicht angegeben werden.

Woran erkenne ich hochwertige tierische Zutaten?

Fleisch, Tierart, prozentualer Anteil im Futter

Fleisch und die Tierart, von der es stammt, sollten in der Zutatenliste an erster Stelle explizit erwähnt werden. Denn wenn sie an erster Stelle erwähnt werden, ist Fleisch auch der größte Anteil im Futter. Ebenso sollte der genaue Prozentanteil im Futter angegeben sein.

Ein gutes Beispiel für eine transparente Beschreibung der Zutaten sind "Frisches Hühnerfleisch (40%)", "frisches Rindfleisch (41%)" oder "Frisches Pferdefleisch, -herz, -lunge, -magen, -leber (70%)".  

Im Trockenfutter können auch getrocknetes Fleisch oder getrockneter Fisch bei entsprechend schonender Herstellung hochwertige Proteine für unsere Hunde enthalten.

Zutatenbeschreibungen wie "getrocknetes Hühner- & Putenfleisch (26%)" oder Bezeichnungen wie "Hühnertrockenfleisch", "Rindfleischmehl" oder "Geflügelfleischmehl" können immer noch ein guter Indikator für hochwertiges Fleisch sein.

"Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" können minderwertig sein

Hinter schwammigen Zutatenbeschreibungen wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse", "tierische Nebenerzeugnisse", "Geflügelmehl" oder „Rindermehl“ können sich sehr leicht minderwertige Proteine verbergen. Sie können beispielsweise nur aus Federmehl bestehen, was zwar reich an Proteinen ist, aber leider sind diese für unsere Hunde nur ausgesprochen schlecht zu verwerten. Deshalb solltet ihr schwammige Beschreibungen besser meiden, wenn ihr auf hochwertige Proteine im Hundefutter Wert legt.

Fette und Öle

Im Futter sollten Fette und Öle explizit gekennzeichnet werden, da sich hinter der allgemeinen Bezeichnung „Fette und Öle“ leider sehr minderwertige Fette verstecken können.

Transparent ist beispielsweise die Angabe "Hühner- & Putenfett (3%)" , alternativ könnten auch beispielsweise "Lachsöl", "Krillöl" oder "Algenöl" explizit und mit Prozentzahl angegeben werden.

Erlaubte Zutaten pflanzlichen Ursprungs

Im Hundefutter sind alle Zutaten erlaubt, die bei der Lebensmittelproduktion an pflanzlichen Abfällen entstehen können.

So können beispielsweise auch viele pflanzliche Zutaten darunterfallen, die für die Ernährung des Hundes nicht sinnvoll sind. 

Es sind viele Abfälle aus der Getreide-, Gemüse-, Hülsenfrüchteverarbeitung oder aus der Öl-Gewinnung. Auch Stroh, Pressrückstände aus der Öl-, Bier- oder Weinherstellung, Erdnussschalen, Rübentrockenschnitzel und Zucker.

Hunde-Trockenfutter dürfte theoretisch zum größten Teil nur aus Getreide bestehen.

Woran erkenne ich hochwertige Zutaten pflanzlichen Ursprungs?

Die enthaltenen Obst- und Gemüsesorten sollten als Zutat explizit mit ihrem prozentualen Anteil im Futter benannt werden. Beispiel: Zucchini (2%), Karotten (2%), Apfel (0,5%).

Pflanzliche Nebenerzeugnisse können ungesund sein

Zu unklar ist dagegen die Bezeichnung "pflanzliche Nebenerzeugnisse", da sich hierunter pflanzliche Abfälle verbergen können, die für den Hund gar nicht verwertbar sind oder einen zu hohen Anteil an Zucker und Stärke besitzen.

Pflanzliche Öle

Enthaltene pflanzliche Öle sollten explizit und mit ihrem Anteil an der Gesamtmenge benannt werden. So beispielsweise "Leinöl (0,5%)".

Erlaubte Zusatzstoffe – weniger ist mehr

Es sollten so wenige Zusatzstoffe wie möglich in dem Hundefutter enthalten sein. Manche der zu deklarierenden Zusatzstoffe sind für die gesunde Ernährung des Hundes absolut überflüssig und stehen im Verdacht, Allergien und Krankheiten auslösen zu können. Einige natürliche Zusatzstoffe können dagegen vollkommen in Ordnung im Hundefutter sein.

Es gibt die folgenden vier Gruppen an Zusatzstoffen:

1. Vitamine, Mengen- und Spurenelemente & Aminosäuren

Alleinfuttermittel müssen gesetzlich bestimme Werte an Vitaminen, Spuren- und Mengenelementen einhalten. Wird das Futter nicht schonend verarbeitet, so werden diese sogenannten „ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe“ meist in künstlicher Form zugegeben, um die erforderlichen Werte zu erreichen. Synthetische Vitamine stehen jedoch im Verdacht, vom Körper nicht so gut aufgenommen und verwertet werden zu können.

2. Farbstoffe, Aromastoffe und Geschmacksverstärker

Zu den sogenannten „sensorischen Zusatzstoffen“ gehören Farb- und Aromastoffe, die das Futter für Mensch und Hund attraktiver machen sollen und eigentlich nicht im Futter notwendig wären.  

Farbstoffe werden meist zugegeben, um das Futter für den Menschen attraktiver zu machen. Sie sind im Hundefutter nicht notwendig.

Aromastoffe sind meist Geschmacksverstärker für eine bessere Akzeptanz des Futters. Zu ihnen gehören häufig Zucker, Karamell, Inulin, Glutamat oder auch Hefeextrakt.

3. Verdaulichkeitsförderer wie Enzyme

Verdaulichkeitsförderer wie Enzyme gehören zu den sogenannten „zootechnischen Zusatzstoffen“. Sie sind für gesunde Hunde nicht notwendig. Sie stehen im Verdacht, den Appetit zu fördern und können ein Hinweis darauf sein, dass das Futter ohne sie für den Hund nicht gut verdaulich sein könnte.

4. Konservierungsstoffe und Antioxidantien

Da gesetzlich eine Haltbarkeit von 2 Jahren gefordert ist, werden dem Futter oft Zusatzstoffe zur Verlängerung der Haltbarkeit zugesetzt. Einige dieser Stoffe konservieren auf natürliche Art und Weise, während andere im Verdacht stehen, Allergien und Krankheiten zu fördern.

Zu diesen sogenannten „technologischen Zusatzstoffen“ zählen Konservierungsmittel (E330, E338, E200, E252), die besser nicht enthalten sein sollten.

Auch Antioxidantien werden zur Verlängerung der Haltbarkeit eingesetzt. Es gibt sowohl synthetische als auch natürliche Antioxidantien (Rosmarinöl), wobei natürliche Antioxidantien vorzuziehen sind.

Auf eine schonende Verarbeitung achten

Doch was helfen uns qualitativ hochwertige Zutaten, wenn deren Nährstoffe beispielsweise durch Überhitzung während der Verarbeitung verloren gehen? Deshalb ist eine schonende Verarbeitung der Zutaten so wichtig.

Am besten Lebensmittelqualität

Die Qualität von Futtermitteln und Lebensmitteln unterscheiden sich stark und folgen unterschiedlichen Gesetzen.

Während beispielsweise Fleisch von Nutztieren, das für die Lebensmittelproduktion eingesetzt wird, frei von potenziell gesundheitsschädlichen Erzeugnissen wie Infektionen sein muss, ist dies bei Fleisch von Tieren für die Futtermittel-Produktion nicht zwingend der Fall.

Deshalb ist es wünschenswert, dass das Futter Zutaten in Lebensmittelqualität enthält.

Das sollte in der Zutatenliste stehen

Die Zutatenliste sollte wenige und hochwertige Zutaten enthalten, die transparent und gut verständlich beschrieben sind:

Zutat Nr. 1 aus tierischen Quellen: Fleisch und Innereien

  • Größter Anteil des Futters aus tierischen Quellen (bis zu 80%)
  • Fleisch bzw. Muskelfleisch (bis zu ca. 40%) an erster Stelle
  • Angaben enthalten: Tierart, welche Teile von dem Tier, prozentualen Anteil
  • Tierfleischmehle im Trockenfutter sollten mit Tierart und als Fleischmehl bezeichnet sein (z.B.: „Rindfleischmehl“ oder „Geflügelfleischmehl“)
  • Leber und möglichst auch Nieren sollten mit Angabe der Tierart enthalten sein
  • Tierfette sollten mit Tierart
  • Ausgewogenes Calcium- und Phosphorverhältnis (ca. 1,3:1)
  • Bei Knochenmehlen sollte die Tierart angegeben sein, alternativ können Eierschalen, Algenkalk, Mineralstoffe oder andere kalziumhaltige Zusatzstoffe

Zutat Nr. 2 aus pflanzlichen Quellen: Obst und Gemüse

  • Obst und Gemüse (bis zu 20%)
  • Angabe der Obst- und Gemüsesorten explizit mit prozentualem Anteil
  • Auf Getreide kann ganz verzichtet werden (Gehalt max. bei ca. 15%)

Zusatzstoffe: Je weniger, desto besser

  • So wenig wie möglich Zusatzstoffe
  • Natürliche Antioxidantien zur Konservierung sind ok

Generelle Punkte der Herstellung

  • Herstellung des Futters innerhalb der EU unterliegen entsprechend schützenden Gesetzen
  • Lebensmittelqualität der Zutaten
  • Eine schonende Verarbeitung (keine Überhitzung)
  • Möglichst regionale Zutaten, die keine langen Transportwege haben

Das sollte besser nicht in der Zutatenliste stehen

Die Zutatenliste sollte auf schwammige und unverständliche Zutaten ohne genaue Angabe der Tier- oder Pflanzenart oder des prozentualen Anteils am Futter verzichten. Ebenso kann auf die meisten Zusatzstoffe verzichtet werden. Deshalb sollten diese Zutaten-Beschreibungen besser in einem hochwertigen Futter fehlen:

  • „Tierische Nebenerzeugnisse“ oder „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“
  • „Tiermehl“, „Geflügelmehl“ oder „Rindermehl“
  • „Pflanzliche Nebenerzeugnisse“
  • „Sensorische Zusatzstoffe“
  • „Farbstoffe“, „ohne künstliche Farbstoffe“, „natürliche oder naturidentische Farbstoffe“
  • „Aromastoffe“, „künstliche Aromastoffe“
  • „Geschmacksverstärker“
  • „Zootechnische Zusatzstoffe“ (Verdaulichkeitsförderer wie Enzyme)
  • „Technologische Zusatzstoffe“ (außer natürliche Antioxidantien)
  • „Öle & Fette“
  • Künstliche Konservierungsstoffe (oft nur als E-Nummern angegeben)
  • Zusatz von Zucker in jeder Form (Dextrose, Fruktose, Glukose, Laktose, Melasse, Maltodexin, Farin, Fondant, Galactose, Glykogen, Hexose, Isoglucose, Kanisfarin, Karamell u.w.)

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