Gesundheit

Die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Hund

Es gibt einige lebenswichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen, mit denen ihr in Notfällen - die hoffentlich niemals eintreten werden - das Leben eures Hundes retten könnt. Diese stellen wir in diesem Artikel kurz vor, damit ihr sie kennt, doch werdet ihr sie nicht durch diese Anleitung sicher beherrschen.

Um im Notfall einem Hund sicher helfen zu können, empfehlen wir euch deshalb, einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde zu besuchen. Ihr werdet viel über euren Hund lernen und könnt – sofern es sich nicht um einen Online-Kurs handelt – auch gleich praktisch üben. 

Stabile Seitenlage beim Hund

Die Stabile Seitenlage soll einen verletzten oder bewusstlosen Hund in die optimale Lage bringen, damit sich der Kreislauf erholen kann und damit ein Ersticken des bewusstlosen Hundes verhindert wird. Die Atemwege werden in der stabilen Seitenlage freigehalten und eine Reanimation kann aus der stabilen Seitenlage am besten erfolgen.

Befindet sich der Hund im Schock oder muss er wiederbelebt werden, so muss der Hund auf die rechte Seite gelegt werden, damit das Herz oben liegt. Ist die rechte Seite verletzt und der Hund muss nicht reanimiert werden, so ist es natürlich besser, ihn auf die linke Seite zu legen, um seinen Kreislauf zu stabilisieren.

So bringst du einen stehenden Hund am besten in die stabile Seitenlage:

  • An die Seite des Hundes stellen oder hocken (je nach Größe des Hundes), auf die er gelegt werden soll.
  • Über den Rücken des Hundes beugen und Vorder- und Hinterbein auf deiner Seite greifen
  • Pfoten vorsichtig anheben und die Beine von deinem Körper weg ziehen
  • Jetzt den Hundekörper mit dem Rücken zu dir nach unten auf die richtige Seite langsam gleiten lassen.

So liegt der Hund richtig in der stabilen Seitenlage

  • Kopf und Wirbelsäule sollen gerade liegen
  • beim ohnmächtigen Hund den Kopf überstrecken und das Maul öffnen, die Zunge aus dem Maul ziehen, damit sie nicht die Atmung versperrt
  • befindet sich der Hund im Schockzustand, ist es sinnvoll, den hinteren Körperteil samt Po und Beinen höher als den vorderen Körperteil zu lagern. Ihr könnt z.B eine Decke oder Jacken unter den Hund schieben.

Wenn der Hund leblos ist, ist schnelles Handeln erforderlich

Wenn der Hund nicht mehr auf Ansprache reagiert und bewusstlos ist, prüft zunächst den wichtigsten Vitalwert, den Herzschlag.

Herzschlag kontrollieren

Schlägt das Herz des Hundes noch, ist ein Puls vorhanden?

  • Den Herzschlag könnt ihr an der linken Brustwandseite direkt hinter dem vorderen Ellenbogen des Hundes erfühlen.
  • Alternativ könnt ihr den Puls an der Innenseite der Lenden an der Hauptschlagader fühlen.

Wenn der Herzschlag aussetzt: Kardiopulmonale Reanimation (CPR)

Wenn der Hund nach Prüfung keinen Herzschlag oder Puls mehr hat, muss das Herz so schnell wie möglich reanimiert werden. Hier ist in vielen Fällen Hilfe noch möglich, wenn schnell gehandelt wird.

Du legst den Hund in die stabile Seitenlage und hast zuvor getestet, dass nichts die Atemwege blockiert. Jetzt kannst du den präkardialen Faustschlag einmal testen, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen oder auch gleich zu der Herzdruckmassage übergehen.

Präkardialer Faustschlag (einmalig! Ein Schlag!)

Mit dem präkordialen oder auch präkardialen Faustschlag wird versucht, bei einem Kreislaufstillstand, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung zu erreichen. Dieser Faustschlag sollte nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Dabei wird die geballte Faust mit den kleinen Fingern nach unten einmalig aus einer Höhe von ca. 20 cm sehr kraftvoll auf den Brustkorb auf Höhe des Herzens (linke Seite des Hundes, Höhe und Verlängerung des Ellenbogengelenks) geschlagen. Ist dieser erfolglos, erfolgt eine Herzmassage.

Die Wirksamkeit dieses Faustschlages ist jedoch unseres Wissen nach bisher nicht in Studien bei Hunden untersucht worden. Bei Menschen ergaben Studien, dass sich zwar ein zunächst positiver Effekt bei wenigen einstellt, doch verschlechterte sich die Situation laut ÄrzteZeitung danach häufig, so dass eine weitere Behandlung nötig wurde. Deshalb ist diese Methode eher umstritten und es wird empfohlen lieber sofort mit der kardiopulmonalen Reanimation mittels Maul-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage zu beginnen.

Herzdruckmassage anwenden (Kardiale Reanimation, Thoraxkompression)

Eventuell hast du zuerst einmalig den präkardialen Faustschlag ausprobiert. Wenn dieser keine Wirkung gezeigt hat oder nicht angewendet wurde, dann sollte so schnell wie möglich mit der Herzmassage begonnen werden.

  • Hund liegt in stabiler Seitenlage auf der rechten Seite
  • Du hockst dich am besten direkt von der Rückenseite hinter den Hund, damit du viel Kraft mit beiden Händen auf den Brustkorb ausüben kannst, wenn es ein großer Hund ist.
  • Mit beiden Händen direkt hinter dem Ellenbogen des linken Vorderbeines mit der Herzdruckmassage beginnen.
  • Bei einem großen Hund legst du beide Hände ausgestreckt über Kreuz auf seinen Brustkorb direkt hinter dem Ellenbogen. Hier gibst du 80-100 Kompressionen pro Minute.
  • Bei einem kleinen Hund wendest du etwas weniger Kraft auf und kannst bei besonders kleinen Hunden, sie auf den Rücken legen und den Brustkorb mit einer Hand umfassen. Hier gibst du 100-120 Kompressionen pro Minute.
  • Jetzt kräftig, schnell und dabei regelmäßig auf den Brustkorb mit beiden Händen drücken. Es ist ein schneller Rhythmus, denn ihr sollt bis zu 120 Mal pro Minute erreichen.
  • Der Brustkorb des Hundes sollte dabei zu einem Drittel eingedrückt werden.

Atmet der Hund noch?

Jetzt solltet ihr schnell prüfen, ob der Hund noch atmet:

  • Beobachte den Brustkorb oder lege die Hand auf den Brustkorb.
  • Siehst oder fühlst du die Bewegungen des Brustkorbs?
  • Alternativ die Hand vor die Nase halten und fühlen, ob ein Atemzug vorhanden ist.

Wenn keine Atmung vorhanden ist, solltest du am besten parallel zur Herzdruckmassage mit der Mund-zu-Nase-Beatmung beginnen. Zuvor ist es aber wichtig zu testen, dass kein Fremdkörper die Atmung blockiert. In der stabilen Seitenlage sollte dein Hund bereits optimal liegen, dass die Atemwege frei sind.

Testen, ob Fremdköper die Atmung blockieren

Wenn dein Hund nicht atmet und bewusstlos ist, solltest du dringend schauen, ob ein Fremdkörper die Atmung blockiert.

  • Das Maul öffnen
  • Die Zunge so weit wie möglich herausziehen
  • Sekrete und Erbrochenes sollten sofort entfernt werden. Falls nicht schon geschehen, könnt ihr dazu auch noch einmal auf den Brustkorb drücken. Sollte der Hund beim Ertrinken viel Wasser geschluckt haben, so kann es sinnvoll sein, ihn kurz an den Hinterbeinen auf den Kopf zu stellen und kurz hin- und her zu schwingen, damit das Wasser aus dem Körper kommt.
  • Tief in das Maul schauen und beherzt auch tief in den Rachen des Hundes greifen. Fremdkörper wie Stöcke, Korken, Ball oder ähnliches kann die Atmung blockieren. Diese dann versuchen, ohne Kraftanwendung zu entfernen. Bei einem Ball, der im oberen Hals stecken geblieben ist, den ihr über das Maul nicht erreichen könnt, könnt ihr versuchen, ihn durch sanfte Aufwärts-Massage am äußeren Hals nach oben zu massieren, um sie dann greifen zu können. 

Wenn die Atmung aussetzt: Mund-zu-Nase-Beatmung des Hundes (Pulmonale Reanimation)

Wenn euer Hund nicht mehr atmet, dürft ihr keine Zeit verlieren und müsst euren Hund reanimieren, bevor ihr zum Tierarzt fahrt. Eine Reanimation besteht fast immer aus einer Kombination aus Beatmung und Herzmassage (Kardiopulmonale Wiederbelebung).

Und gibt bei der Reanimation nicht zu früh auf! Laut der Tierklinik Hannover kann auch nach 30 Minuten ein Wiederbelebungsversuch noch erfolgreich sein!

So gehst Du bei der Beatmung vor:

  • Der Hund sollte in der stabilen Seitenlage liegen und du solltest zuvor getestet haben, ob nicht ein Fremdkörper die Atmung blockiert.
  • Das Maul sollte geschlossen sein, damit du die Luft durch die Nase beatmen kannst. Am besten hältst Du das Maul während der Beatmung mit einer Hand sanft geschlossen.
  • Die Nase solltest du jetzt mit den eigenen Lippen abdichten. Hier kannst du ein Taschentuch oder etwas ähnlich luftdurchlässiges über die Nase legen, wenn du mit deinen Lippen nicht die Nase direkt berühren möchtest.
  • Mit den Händen kannst du auch einen Ring um das vordere Maul machen und damit das Maul verschließen.
  • Jetzt beginnst du mit der Beatmung, indem du tief einatmest und Luft von deinem Mund durch die Nase des Hundes schnell und kräftig atmest. Nach einer Beatmung solltest du dem Hund immer Zeit zum Ausatmen lassen. Starte mit fünf bis sechs Atemzügen im Abstand von 5-6 Sekunden. Ein grober Richtwert für die Abstände der Atemzüge ist 5-6 Sekunden. Damit gebt ihr in der Minute ca. 10-12 Beatmungen.
  • Hunde haben ein kleineres Atemvolumen: Dein Atemvolumen ist größer als das des Hundes und du solltest darauf achten, nicht zu viel Luft auf einmal in den Hund zu atmen. Der Brustkorb des Hundes sollte sich nicht mehr als ein Drittel heben, wenn du ihn beatmest. Ein kleiner Hund hat ein entsprechend kleineres Lungenvolumen, während es bei einem mittelgroßen Hund ca. dem Volumen von 300ml entspricht.

Herzmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung parallel oder abwechselnd?

Am besten wäre es, wenn ihr zu zweit seid und einer den Hund beatmet, während der andere die Herzmassage parallel durchführt. Prüft in regelmäßigen Abständen, ob das Herz wieder schlägt und die Atmung wieder einsetzt und hört dann mit der Reanimation auf, damit der Hund selbständig weiter atmen kann.

Wenn du allein bist, musst du abwechselnd Herzmassage und Mund-zu-Nase-Beatmung durchführen:

  • 30 x Herzdruckmassage
  • 2x Mund-zu-Nase-Beatmung

Druckverband bei stark blutenden Verletzungen

Wenn dein Hund eine Verletzung hat, die sehr stark blutet, dann ist es wichtig, die Blutung mit einem Druckverband zu stoppen, bevor du zum Tierarzt fährst. Dazu benötigst du:               

  • sterilen Vlies oder eine sterile Kompresse
  • 2 Rollen Mullbinden (am besten selbstklebend)

Den sterilen Vlies oder die sterile Kompresse auf die Wunde legen, darauf dann eine noch aufgerollte Mullbinde legen. Mit der zweiten Mullbinde jetzt sehr eng und mit Druck die Wunde verbinden. Auf keinen Fall solltet ihr ein Körperteil abbinden!

Knochenbrüche

Kommt es zu einem Knochenbruch unterwegs, so lahmt der Hund und entlastet das gebrochene Bein. Er hat offensichtlich Schmerzen und häufig schwillt das Bein an, es kommt zu Blutergüssen. Es gibt sowohl offene Brüche mit sichtbaren Wunden, als auch geschlossene Brüche ohne äußerliche Wunden. Bei Bewegung kann es knacken oder ihr seht auch, dass ein Teil des Knochens in einer unnormalen Form liegt.

Ein Knochenbruch ist natürlich immer ein Fall für den Tierarzt, aber vielleicht seid ihr unterwegs oder kommt nicht so schnell zum Tierarzt. Dann solltet ihr wie folgt vorgehen:

  • Versucht, das gebrochene Bein zu schienen. Vielleicht habt ihr einen passenden Stock oder eine Stange parat, die ihr mit einem Tuch oder einer Mullbinde an dem gebrochenen Bein festbinden könnt.
  • Eine offene Stelle sollte verbunden werden oder zumindest mit feuchten, sauberen Tüchern abgedeckt werden. 

Anaphylaktischer Schock

Ein anaphylaktischer Schock ist eine lebensgefährliche Notsituation, bei der ihr immer so schnell wie möglich einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen solltet.

Es handelt sich um eine Überreaktion des Immunsystems, die durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden kann, so z.B.:

  • Insektenstiche (Bienen, Hornissen, Wespen etc.)
  • Nahrungsmittel
  • Medikamente
  • Teile in der Atemluft, auf die der Körper reagiert
  • Chemische Stoffe, die der Hund aufnimmt

Die Symptome eines anaphylaktischen Schocks können schnell dramatisch werden:

  • Anschwellen der Atemwege und der Schleimhäute die zu Atemnot und Ersticken führen können
  • Schockzustand und Bewusstlosigkeit
  • Panik
  • Kreislaufprobleme bis hin zu Versagen des Blutdrucks
  • Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Durchfall

Das könnt ihr tun:

  • Tierarzt oder Tierklinik informieren und sicherstellen, dass jemand anwesend ist.
  • Insektenstiche können behandelt werden: Stachel ziehen, kühlen, wenn möglich das Gift mit einem Insektengiftentferner aus der Apotheke herausziehen, ggf. sonst Apfelessig oder Zwiebel auf die Stichstelle geben
  • Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit oder Leblosigkeit
  • Schwellungen kühlen
  • Schwellungen der Atemwege versuchen, durch Eis zu mindern
  • So schnell wie möglich zum Tierarzt fahren

Bissverletzungen durch andere Hunde

Bei jeder Bissverletzung solltet ihr auf jeden Fall den Tierarzt aufsuchen. Der Speichel des anderen Hundes ist mit Keimen belastet, so dass sich Wunden sehr schnell stark infizieren können. Deshalb ist es wichtig, den Tierarzt aufzusuchen. 

Erstickungsanfall durch Fremdkörper im Maul oder Rachen (Luft-/Speiseröhre)

Da unsere Hunde gern sehr viele Dinge in ihr Maul aufnehmen, kann es dazu kommen, dass Fremdkörper im Maul oder im Rachen steckenbleiben. Diese solltet ihr fast immer versuchen, zu entfernen.

Symptome:

  • Starkes Speicheln,
  • Würgen und Husten des Hundes
  • Kaubewegungen
  • Die Schnauze wird mit den Pfoten gerieben oder auf dem Teppich oder an Gegenständen gerieben
  • Atemnot

Das könnt ihr tun:

  • Kontrolliert, ob z.B. Holz- oder Knochenstücke zwischen den Zähnen eingeklemmt sind. Das ist meiner großen Hündin sehr oft passiert und ich musste ihr diese Teile zwischen den Zähnen entfernen.
  • Im Rachen können Bälle, Knochen oder bei manchen Hunden sogar Steine, Kastanien oder Eicheln stecken bleiben. Diese könnt ihr versuchen durch das Maul mit einem beherzten Griff in den Rachen zu entfernen. Falls das nicht gelingt, lassen sich runde Gegenstände häufig noch gut mit aufwärts bewegender Massage wieder aus der Luftröhre oder aus der Speiseröhre in das Maul bewegen.
  • Bei Hunden kommt es zwar seltener als bei Katzen vor, doch auch manche Hunde verschlucken eine Nadel mit Faden. Das kann zu starken Verletzungen führen und ihr solltet nicht versuchen, die Nadel durch Ziehen an dem Faden herauszuziehen. Das ist ein Fall für den Tierarzt.
  • So schnell wie möglich zum Tierarzt fahren und ggf. Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit und Leblosigkeit anwenden.

Erste-Hilfe-Kurs für Hunde besuchen und Notfall-Apotheke parat haben

Wir alle hoffen sehr, dass uns nie so ein Notfall passiert und Hunde lange gesund und munter leben. Unsere Erste-Hilfe-Maßnahmen können euch nur Anregungen geben, die euch im Notfall vielleicht sogar helfen können.

Ihr könnt diese Erste-Hilfe-Maßnahmen mit dieser Anleitung im Notfall aber nicht durch diese Anleitung sicher beherrschen. Deshalb möchten wir anregen, dass ihr einen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde besucht, um die Maßnahmen zu vertiefen und auch in der Praxis kennenzulernen.

Diese Kurse werden von Tierärzten, Heilpraktikern, Tierkliniken und auch von anderen Organisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund angeboten. Sucht euch einfach den Kurs in eurer Nähe heraus und lernt die vorgestellten Maßnahmen in der Praxis kennen. Dann könnt ihr eurem oder einem fremden Hund im Notfall richtig und sicher helfen.

Es ist sinnvoll, zuhause, auf Reisen oder auch für unterwegs, eine kleine Notfall-Apotheke für den Hund zu haben.

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