Gesundheit

Was du wissen solltest, wenn dein Hund erbricht (Vomitus)

Die meisten Hunde erbrechen früher oder später einmal ihr Futter. Kommt dies einmalig und ohne weitere Symptome vor, so ist es meist harmlos. Doch wenn euer Hund häufiger erbricht oder weitere Symptome zeigt, solltet ihr genauer hinsehen.

Erbrechen kann sehr unterschiedliche Ursachen haben: Es kann aufgrund einer leichten Magen- oder Darmverstimmung auftreten, es können aber auch ernsthafte Erkrankungen, Vergiftungen oder Darmverschlüsse dahinterstecken. Worauf ihr achten und wann ihr zum Tierarzt gehen solltet ist deshalb sehr wichtig zu wissen. In leichteren Fällen könnt ihr euren Hund mit natürlichen Mittel und einfachen Tipps sehr gut selbst unterstützen.

Nach dem Erbrechen brauchen Hunde erst einmal Ruhe

Erbrechen (lateinisch=Vomitus, griechisch=Emesis) ist ein ganz natürlicher Abwehrmechanismus des Hundes, der vom Gehirn gesteuert wird. Denn das sogenannte Brechzentrum liegt im Gehirn und versucht durch das Auslösen des Erbrechens, den Körper vor der Verwertung von gefährlichen und ungesunden Substanzen zu schützen.

Übelkeit und Erbrechen laufen fast immer in den folgenden drei Phasen ab:

  • Übelkeit
    Diese äußert sich häufig in Unruhe, vermehrtem Speicheln, häufigem Schlucken und vermehrtem Schlecken. Der Hund kann müde und abgeschlagen wirken.
  • Würgen
    Kurz vor dem Erbrechen setzt die zweite Phase ein, in der der Hund häufig lange und ausgiebig würgt. Dabei kommt es zu starken Kontraktionen des Bauches, bei denen man die starken Bewegungen am Bauch und die typisch gekrümmte Haltung des Hundes sieht.
  • Erbrechen
    Und schließlich kommt es zum Erbrechen des Mageninhaltes.

Ursachen

Warum erbricht der Hund?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Ursachen für das Erbrechen von Hunden. Es kann sich um eine harmlose Reizung des Verdauungstraktes Handeln oder es liegen schwerwiegende Erkrankungen dahinter: 

Mögliche Ursachen ohne Erkrankung

  • Aufnahme sehr großer Futtermengen oder Aufquellen der Nahrung (Trockenfutter)
  • Verdorbene Futtermittel
  • Reise-Übelkeit
  • Psychische Belastung und Stress
  • Aufnahme eines Fremdkörpers - Achtung: Darmverschluss
  • Vergiftungen: Aufnahme von Gift oder ungenießbaren Substanzen
  • Medikamente

Mögliche Erkrankungen als Ursache 

  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis) beispielsweise auch Reflux-Gastritis bei nüchternem Erbrechen oder eine Schnee-Gastritis nach dem Fressen von Schnee.
  • Futtermittelunverträglichkeit
  • Magen- und Darminfekte (Bakterien)
  • Infektionen Viren oder Parasiten
  • Lebererkrankungen
  • Pankreatitits (Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Nierenerkrankungen
  • Diabetes Mellitus
  • Morbus Addison (Nebennierenunterfunktion)
  • Krebs, Tumore (beispielsweise im Magen-Darmtrakt)
  • Inflammatory Bowel Disease
  • Gehirnentzündung
  • Mittel- und Innenohrentzündungen können das Gleichgewicht stören und damit auch zu Erbrechen führen
  • Magendrehung (sehr selten mit Erbrechen, aber häufig mit Würgen und Übelkeit)

Das Erbrochene kann Aufschluss geben

Hier heißt es – auch wenn es nicht so schön ist – einmal genau hinzusehen, wie das Erbrochene aussieht. Denn dies kann dir Aufschluss darüber geben, ob du schnell den Tierarzt aufsuchen solltest:

  • Bei einfachem Erbrechen des Futters und ggf. weißem Schaum handelt es sich in den meisten Fällen um ein akutes Erbrechen wie beispielsweise bei einer akuten Magenschleimhautentzündung.
  • Bei gelb-grünlicher Verfärbung des Erbrochenen werden Gallensekrete mit erbrochen. Dies liegt meist daran, dass heftige Kontraktionen auch dafür sorgen, dass Inhalte des Dünndarms (hier fließt die Galle hinein) mit erbrochen werden.
  • Wenn das Erbrochene leicht rosa verfärbt ist, so kann dies daran liegen, dass durch das Pressen beim Erbrechen kleine Blutgefäße der Magenschleimhaut reißen, so dass ein wenig frisches Blut einfließt. In sehr kleinen Mengen ist dies daher noch nicht bedenklich.
  • Sollte sich verdautes Blut im Erbrochenen befinden – es sieht nicht wie frisches Blut rötlich aus, sondern eher bräunlich - dann kann dies auf eine schwere Erkrankung hinweisen. Ihr solltet unbedingt zum Tierarzt fahren.
  • Wenn euer Hund plötzlich sehr große Mengen an Flüssigkeit erbricht, kann dies ein Hinweis auf einen Darmverschluss sein. Ihr solltet so schnell wie möglich zu einem Tierarzt fahren und dies abklären lassen.
  • Kotähnlicher Geruch des Erbrochenen kann ebenfalls aufgrund eines Darmverschlusses vorkommen. Dies ist ein Notfall für den Tierarzt.

Dann solltet ihr auf jeden Fall zum Tierarzt gehen

Es gibt leider einige Notfälle wie Magendrehung, Darmverschluss oder Vergiftungen, bei denen ihr sofort zum Tierarzt fahren solltet. Leider können auch sie mit Erbrechen beginnen. Deshalb solltet ihr die weiteren Symptome dieser Krankheiten kennen, damit ihr euch in dem Fall sofort zum Tierarzt aufmachen könnt. 

Ihr solltet in den folgenden Fällen in jedem Fall zum Tierarzt fahren, um die Ursache des Erbrechens abzuklären: 

  • Wenn das Erbrochene einen kotähnlichen Geruch hat (Verdacht auf Darmverschluss)
  • Wenn sehr viel Flüssigkeit erbrochen wird (Verdacht auf Darmverschluss). 
  • Wenn das Erbrochene eine braun-rötliche Färbung aufgrund von verdautem Blut hat (Verdacht auf schwerwiegende Erkrankung).
  • Wenn weitere Symptome neben dem Erbrechen wie Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden, Schwäche, starke Bauchschmerzen, Durchfall auftreten. Da akute Notfälle wie Magendrehung, Vergiftung oder Darmverschluss weitere Symptome neben dem Erbrechen zeigen, solltet ihr diese vom Tierarzt abklären lassen. 
  • Bei dem Verdacht auf eine Magendrehung beginnt die Uhr zu ticken, denn sie ist immer ein akuter Notfall. Bei einer Magendrehung ist Hunden meist übel und sie versuchen sich (oft erfolglos) zu erbrechen. Sie sind unruhig und ihr Bauch ist hart und meist auch aufgebläht. Hier findet ihr die näheren Symptome der Magendrehung des Hundes.
  • Wenn ihr vermutet, dass euer Hund Gift aufgenommen haben kann.
  • Wenn ihr vermutet, dass euer Hund einen Fremdkörper aufgenommen haben kann.
  • Wenn das Erbrechen trotz Fasten und Schonkost ein paar Tage anhält (Dehydrierung, Verdacht auf Futtermittelunverträglichkeit, Bakterien, Parasiten u.s.w.)

Akutes und chronisches Erbrechen

Von einem chronischen Erbrechen spricht man, wenn der Hund über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen immer wieder erbricht. Akutes Erbrechen kommt dagegen eher plötzlich und nur in kurzen Phasen vor. Bei chronischem Erbrechen, solltet ihr die Ursache abklären lassen und ggf. die Hilfe eines Ernährungsberaters suchen.  

Diagnose

Der Tierarzt wird euch mit Sicherheit viele Fragen stellen, beispielsweise, ob ihr etwas in der Fütterung geändert habt oder was ihr füttert, wie häufig der Hund erbricht und wie genau das Erbrochene aussieht. Danach wird er den allgemeinen Gesundheitszustand deines Hundes testen. 

Weitere unterstützende Diagnose-Maßnahmen des Tierarztes können sein:

  • Blutuntersuchung können Infektionen zeigen
  • Kotuntersuchung (beispielsweise auf Parasiten, Zusammensetzung der Darmbakterien, Hinweise auf Bauchspeicheldrüsenerkrankungen etc.)
  • Röntgenuntersuchung (beispielsweise auf Fremdkörper)
  • Ultraschalluntersuchung
  • Endoskopie des Magens (Magenspiegelung) oder des Darms bei chronischem Erbrechen

Therapie & Behandlung

Therapien, hilfreiche Hausmittel und Schonkost wenn der Hund erbricht

Grundsätzlich ist eine Therapie immer von der Ursache des Erbrechens und von den weiteren Symptomen abhängig. Liegt eine andere Erkrankung als Ursache vor, so muss diese entsprechend behandelt werden. Ebenso können die weiteren Symptome behandelt werden.

Ein nicht chronisches Erbrechen deines Hundes ohne weitere Symptome erfordert meistens keinen Tierarztbesuch und du kannst deinen Hund mit natürlichen Hausmitteln, Ruhe und Schonkost sehr gut unterstützen und wieder auf die Beine bringen.

  1. Kurze Fastenzeit beruhigt den Magen

    Hunde können sehr gut fasten, erhält doch der Wolf als Jäger von großen Beutetieren auch nicht jeden Tag Futter. Für die meisten Hundehalter wirkt es hart, doch es tut einem gereizten Magen oder Darm wirklich gut. Für 12-24 Stunden ist es deshalb immer sinnvoll, dem Magen-Darmtrakt Ruhe zu gönnen. Natürlich solltet ihr eurem Hund immer genügend Wasser zur Verfügung zu stellen.
  2. Ruhe und Vermeidung von Stress

    Wichtig ist für den Hund sehr viel Ruhe. Ihr solltet jeden Stress vermeiden und insbesondere vor und nach dem Fressen dem Hund sehr viel Ruhe gönnen. 
  3. Schonkost

    Sollte es eurem Hund noch nicht wieder besser gehen oder wenn er ohnehin einen empfindlichen Magen hat, so ist es sinnvoll, deinem Hund einige Tage eine magenfreundlich Schonkost anzubieten. Diese sollte möglichst flüssig sein und am besten in mehreren kleinen Portionen am Tag gegeben werden. Fett, Ballaststoffe, Knochen und Innereien sollten ausgelassen werden, stattdessen gibt es mageres Fleisch beispielsweise vom Hühnchen oder vom Rind. Damit es besser verträglich ist, solltet ihr das Fleisch in einer leichten Brühe (Huhn, Rind) garen und am besten noch gegarte Möhren dazu nehmen. Das Ganze könnt ihr auch gut im Mixer pürieren. Die Brühe macht das flüssige Futter nicht nur für den Hund attraktiver, sondern sie liefert auch fehlende Salze. Wenn euer Hund gern Hüttenkäse frisst, könnt ihr auch den dazu geben.

    Alternativ kann auch die schnell selbst zubereitete Moro\'sche Möhrensuppe, die insbesondere bei bakteriellen Darminfektionen und Durchfall eingesetzt wird, sehr gute Hilfe leisten.
  4. Wohltuende Hausmittel gegen Übelkeit und Schmerzen

    1. Ingwer hilft bei Übelkeit
      Frisch gepresster Ingwer ist ein sehr bewährtes und natürliches Hausmittel gegen Übelkeit. Je nach Größe des Hundes gebt ihr ca. 1TL-1EL pro Tag in das Futter.
    2. Kamillentee: Sanft und beruhigend
      Warmer Kamillentee wirkt beruhigend auf Magen und Darm. Am besten kauft ihr lose Kamille aus der Apotheke. Da Hunde nicht gern Kamillentee trinken, könnt ihr ihn am besten warm unter die Schonkost mischen oder mit etwas Hüttenkäse geben.
    3. Bitterkräuter geben
      Bitterkräuter beruhigen den Magen. Hier könnt ihr beispielsweise die folgenden geben:
      • Löwenzahnsaft
      • Iberogast
        Iberogast sind Bitterkräuter für den menschlichen Gebrauch. Sie sind auch für Hunde geeignet, enthalten aber eine geringe Menge Ethanol (Alkohol), der für Hunde nicht förderlich ist.Ihr könnt eurem Hund je nach Größe 5-10 Tropfen morgens und abends geben.
      • Amara pur (Bitterkräuter-Tropfen ohne Alkohol) 

Chronisches Erbrechen therapieren

Sollte sich euer Hund häufiger erbrechen, ohne dass eine andere Grunderkrankung beim Tierarzt festgestellt werden kann, solltet ihr über eine Nahrungsumstellung nachdenken. Zum einen kann euer Hund eine Futtermittelunverträglichkeit haben, zum anderen kann sein bisheriges Futter für ihn einfach nicht gut geeignet sein.

Bei einer Futtermittelunverträglichkeit ist eine Ausschlussdiät sinnvoll, bei der dich beispielsweise ein guter Ernährungsberater unterstützen kann. Er kann dir auch einen geeigneten Futterplan bei bestehenden Erkrankungen für deinen Hund aufzustellen, der die Genesung auf eine natürliche Weise unterstützt.

Insbesondere Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts können mit der geeigneten Ernährung und mit Zusatzstoffen, die die natürliche Heilung von Magen und Darm unterstützen, häufig gut unterstützt werden und oft sogar ganz ausgeheilt werden. 

Klassische Therapie bei Übelkeit und Erbrechen

Der Tierarzt kann gegen die Übelkeit und gegen das Erbrechen Medikamente verschreiben. Medikamente gegen Brechreiz werden Antiemetika genannt. Darunter fallen Medikamente, die Wirkstoffe wie Metoclopramid oder Maropitantum enthalten. Allerdings sind diese nicht immer frei von Nebenwirkungen.  

So kannst du vorbeugen

Es gibt einige Dinge, die du vorbeugend tun kannst, um ein Erbrechen deines Hundes zu vermeiden.

Bei vielen Hunden schlägt Stress auf den Magen und lässt sie erbrechen. Wenn du ohnehin einen nervösen oder unsicheren Hund hast, ist es wichtig, ihm Ruhe beizubringen und zu gönnen. Insbesondere sollte die Zeit vor und nach dem Fressen mit sehr viel Ruhe verbunden sein. Bei den Gierlappen unter den Hunden solltet ihr darauf achten, dass sie ihr Futter nicht zu schnell schlingen. Hier kann beispielsweise ein Anti-Schlingnapf helfen. 

Auch hilft es immer, deinem Hund das Fressen und Trinken im Freien zu untersagen. Schneefressen und Pfützentrinken sind häufige Ursachen für Erbrechen und akute Magenschleimhautentzündungen. Im Sommer sind einige Hunde so unvernünftig, dass sie am Meer viel Salzwasser trinken. Auch dies kann zu Durchfällen oder Erbrechen führen.  

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