Gesundheit

Darf mein Hund Kartoffeln fressen?

Die bei uns Deutschen so beliebte Erdknolle (botanischer Name: Solanum tuberosum), auch Erdapfel genannt, gehört zu einem sehr häufigen Lebensmittel, das auf vielerlei Arten zubereitet wird. Mit ca. 73 kcal/100g sind sie Lieferanten von Kohlehydraten und vielen Nährstoffen. Aufgrund ihres hohen Stärkegehalts sättigen sie schnell, weshalb sie auch zu den "Sättigungsbeilagen" gehören - ein doch sehr genussfeindlicher Begriff. Es gibt viele Fertigfuttersorten für Hunde, die Kartoffeln enthalten.

Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen wie Tomaten, Paprika und Aubergine. Sie sind aber auch mit so giftigen Pflanzen wie StechapfelSchwarzer NachtschattenTollkirscheDuftende Engelstrompeteund der  Tabakpflanze verwandt. 

Sind Kartoffeln für Hunde gesund und wenn ja, wie viel Kartoffel ist gut für den Hund?

Ja oder Nein? 

Ja, Hunde dürfen Kartoffeln gegart und in recht geringen Mengen fressen. Es gibt jedoch für Hunde deutlich besser geeignete Gemüsesorten als Kartoffeln. Für manche Hunde sind die Erdknollen als Futtermittel gar nicht geeignet.

Was sind die Vor- und Nachteile von der Fütterung von Kartoffeln für Hunde und wie werden sie am besten gefüttert?

Nachteile

6 Gründe, warum ihr Kartoffeln nur in geringen Mengen oder gar nicht verfüttern solltet

 

  1. Kartoffeln enthalten für Hunde giftige Alkaloide wie Solanin

    Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen. In rohem Zustand enthalten sie recht hohe Mengen von dem für Hunde giftigen Solanin. Deshalb solltet ihr niemals rohe Kartoffeln an euren Hund verfüttern! In Wasser gegart sinkt der Solaningehalt, was Kartoffeln dann für die meisten Hunde genießbar macht. Durch das Kochen wird der Solaningehalt gemindert, sofern ihr das Kochwasser abgießt und nicht an den Hund verfüttert.

  2. Zu viele Kartoffeln können schnell zu Übergewicht führen

    Kartoffeln enthalten viel Stärke, die wiederum bei zu wenig Bewegung in Fett abgelagert wird. Ist euer Hund sehr aktiv, kann Kartoffel ihm schnell Energie geben, aber bei zu vielen Kartoffeln wird die Energie als Fett gespeichert. Übergewicht ist jedoch bei Hunden wie bei Menschen nicht gut für die Gesundheit und insbesondere Gift für die Gelenke. Deshalb achtet darauf, dass eure Hunde kein Übergewicht haben.

  3. Kartoffeln sollten von Hunden mit Diabetes gemieden werden

    Die Kohlehydrate, näher gesagt die Stärke in den Kartoffeln lässt den Blutzuckerspiegel deines Hundes schnell ansteigen. Dies kann gerade bei Hunden, die unter Diabetes leiden, gefährlich werden. Deshalb solltet ihr Kartoffeln bei der Ernährung von an Diabetes erkrankten Hunden meiden!

  4. Vorsicht bei Kartoffel-Pflanzen im Garten

    Kartoffeln gehören zu den Nachtschatten-Gewächsen. Alle Teile der Kartoffelpflanzen enthalten Solanin, das giftig für Hunde ist. Solltet ihr also Kartoffeln im Garten haben, lasst eure Welpen und Junghunde besser nicht an die Pflanzen oder euch bei der Ernte zusehen. So neugierig wie sie sind, werden sie an den Pflanzenteilen interessiert sein und sie mit Pech ins Maul nehmen und anfressen.

  5. Kartoffeln enthalten viel Phosphat aber wenig Calcium

    Das Calcium-Phosphat-Verhältnis ist bei Kartoffeln ungünstig mit einem Verhältnis von sechs Mal so viel Phosphor wie Calcium. Besser wäre etwas mehr Calcium als Phosphor. Bei geringen Mengen und einer ausgewogenen Ernährung ist dies komplett zu vernachlässigen, nicht aber bei Fertigfutter, das zu einem hohen Anteil aus Kartoffeln besteht.

  6. Zu viele Kartoffeln können ungesund sein

    Einige Hunde reagieren mit Hautausschlägen auf zu viele Kohlenhydrate außerdem kann eine Ernährung mit zu hohem Kartoffelanteil zu teilweise gefährlichen Mangelerscheinungen bei Hunden führen.

Beim Verzehr von rohen Kartoffeln sind Vergiftungserscheinungen möglich

Wenn dein Hund unreife rohe Kartoffeln oder grüne Teile der Kartoffelpflanze frisst, so kann er sich vergiften. Bei den folgenden Vergiftungserscheinungen solltest du mit deinem Hund einen Tierarzt aufsuchen:

Erste Vergiftungserscheinungen: 

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • ggf. blutiger Durchfall
  • Magenschmerzen
  • Zittern und Muskelkrämpfe

Starke Vergiftungserscheinungen: 

  • Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen
  • Blutiger Urin, Nierenreizungen
  • Blasses Zahnfleisch
  • Atembeschwerden
  • Auflösen der roten Blutkörperchen

Vorteile

4 Vorteile von Kartoffeln für eure Hunde 

 

  1. Kartoffeln sind Basenbildner und gut für Herz und Nerven

    Die Mineralstoffe Kalium und Natrium sind in größeren Mengen in Kartoffeln enthalten. Sie regulieren den Wassergehalt der Zellen und sind als Basenbildner gut für den Säure-Basen-Haushalt. Gleichzeitig sind sie wichtig für die Stoffwechselprozesse in den Zellen für Herz und Nerven. B-Vitamine wie B1, B2 und B6 sind ebenfalls in kleinen Mengen enthalten und unterstützen Nerven- und Herz, sowie die Zellfunktion. 
  1. Kartoffeln enthalten wichtige Spurenelemente

    In Kartoffeln sind Zink und Eisen enthalten. Während Zink ein wichtiges Antioxidans für ein funktionierendes Immunsystem ist, versorgt Eisen die roten Blutkörperchen, die für den Sauerstofftransport der Zellen zuständig sind. 
  1. Kartoffeln sind gut für entspannte Muskeln

    Kartoffeln enthalten rund 15mg Magnesium pro 100g. Magnesium ist gut für die Energieproduktion des Körpers und für gesunde und entspannte Muskeln und Nerven. Auch das Herz ist ein großer Muskel. 
  1. Kartoffeln enthalten Vitamin C, aber…

    Vitamin C ist ein wichtiges Antioxidans und wichtig für den Aufbau von Kollagen im Körper. Kartoffeln enthalten mit rund 10mg pro 100g erstaunlich viel Vitamin C. Doch Hunde können im Gegensatz zu Menschen Vitamin C selbst in Leber und Niere produzieren und sind daher nicht so stark auf eine Zufuhr angewiesen. Außerdem ist Vitamin C sehr hitzeempfindlich. Ihr ahnt es: Da Kartoffeln nur gegart von Hunden genossen werden sollten, wird viel des Vitamins bei der Zubereitung zerstört. 

Fütterung

Wie verfüttert ihr Kartoffeln und wie viele sind noch gesund für euren Hund?

 

Kartoffeln niemals roh verfüttern, sondern vorher in Wasser garen

Roh sind Kartoffeln für Hunde giftig. Daher müssen sie zuvor in Wasser gegart werden und das Wasser abgegossen werden.

Sollten Kartoffeln für Hunde geschält werden?

Sofern ihr Kartoffeln in Wasser gart, müssen sie nicht geschält werden. In der Kartoffelschale stecken viele wichtige Vitamine, Spurenelemente und Ballaststoffe. Allerdings auch die giftigen Alkaloide wie das Solanin, die jedoch wasserlöslich sind. Kocht ihr die Kartoffeln mit Schale in Wasser, so werden die Giftstoffe in das Kochwasser gelöst. Obendrein bleiben mehr gesunde Nährstoffe in der Kartoffel enthalten. Daher bei Bio-Qualität und wenn ihr die Kartoffeln in Wasser gart: eindeutig mit Schale verfüttern.

Kartoffeln nicht würzen oder mit Butter verfüttern

Während die Kartoffel für uns mit Salz, Gewürzen und etwas Butter besonders schmackhaft ist, solltet ihr sie an eure Hunde ohne Gewürze und Butter verfüttern, da diese ungesund für Hunde sind.

Darf mein Hund Kartoffel-Chips oder Pommes frites fressen?

Chips und Pommes sind stark gewürzt und enthalten obendrein noch viele Fette. Deshalb sollten sie nicht an Hunde verfüttert werden. Kartoffeln sollten gegart und ungewürzt an Hunde in geringen Mengen verfüttert werden.

Am besten Bio

Am besten verwendet ihr Kartoffeln aus biologisch-organischem Anbau, da sie nicht gespritzt und gedüngt sind und damit keine Schadstoffe und ein Optimum an Vitaminen und Nährstoffen enthalten. Falls ihr keine Bio-Kartoffeln verfüttern könnt, solltet ihr die Kartoffeln unbedingt erst gut abspülen und vor der weiteren Verarbeitung schälen.

Wie viele Kartoffeln darf ich meinem Hund füttern?

Um euch jedoch eine Idee davon zu geben, wie viel Gemüse euer Hund am Tag fressen sollte, nehmen wir durchschnittliche BARF-Berechnungen: 

  • Die Tagesportion eines Hundes beträgt ca. 3% des Körpergewichts.
  • Bei der BARF-Fütterung sollte der pflanzliche Anteil der Fütterung ca. 20% der Gesamtmenge ausmachen. Dieser kann je nach Alter und Auslastung auch steigen.
  • Davon macht das Gemüse zwei Drittel aus, der Rest ist Obst. Das entspricht dann ca. 13% der Tages-Portion.
  • Beispiel: Ein erwachsener Hund von 10kg würde also eine Gemüse-Portion am Tag von ca. 40g Gemüse erhalten. Gegarte Kartoffeln können hiervon sehr gut täglich ein Teil sein. Doch solltet ihr für Abwechslung sorgen und auch weitere Gemüsesorten einplanen.
  • Wir sprechen hier also von vielleicht 15-20g Kartoffeln täglich bei einem Hund von 10kg Gewicht.

Wichtiger Hinweis: die BARF-Rationen sollten für eure Hunde individuell nach Alter, Rasse, Bewegung, Gesundheitszustand und Verträglichkeit berechnet werden. Diese grobe Berechnung der Kartoffel-Ration soll euch ein Gefühl dafür geben, wie hoch der Gemüse-Anteil bei einer durchschnittlichen BARF-Ration für euren Hund wäre.

Achtung bei Fertigfutter mit hohem Kartoffel-Anteil

Es gibt erstaunlich viele fertige Hundefuttersorten, die einen hohen Anteil an Kartoffeln von bis zu 50% haben. Dies muss nicht unbedingt schlecht sein, aber es kann zu einseitig sein und es können auf Dauer Nährstoffe fehlen.

Ernährungsbedingte Herzerkrankungen bei Hunden durch zu viele Kartoffeln im Futter?

Eine Studie der UC Davis School of Veterinary Medicine erforscht einen Zusammenhang zwischen Ernährung und der Herzerkrankung DCM (Dilatative Cardiomyopathie) bei Hunden. Eine Vermutung ist, dass Taurinmangel die Ursache sein kann. Taurin kann von Hunden aus der Nahrung im Körper hergestellt werden. Taurin ist primär in tierischen Lebensmitteln z.B. in rohen Hühnerherzen und in wenigen Pflanzen vorhanden. Die Nährstoffe müssen im Futter aber so vorhanden sein, dass der Hund sie auch verwerten kann. Nur wenigen Fertigfutterarten für Hunde wird bisher Taurin zugesetzt, aber viele haben einen hohen Pflanzenanteil. Bei einem hohen Kartoffel-Anteil oder besser gesagt zu geringem gut verwertbaren Fleischanteil kann dem Hund auf Dauer zu wenig Taurin zugeführt werden.

Vorsicht Allergien - langsam austesten

Gegarte Kartoffeln werden in der Regel von Hunden vertragen. Bei empfindlichen Hunden solltet ihr euren Tierarzt am besten vorher fragen, ob ihr eurem Hund Kartoffeln füttern dürft. Er kennt euren Hund und seine individuellen Bedürfnisse und Schwächen am besten. Wie bei fast jedem Futtermittel besteht auch bei Kartoffeln die Gefahr, dass dein Hund allergisch auf sie reagieren kann. Einige Hunde reagieren auf zu viele Kohlenhydrate mit allergischen Hautreaktionen. Es ist daher ratsam, sie zu Beginn in sehr kleiner Menge zu testen. Sollte dein Hund allergische Reaktionen wie Schwellungen, Atemprobleme, Ausschläge, Jucken, Husten oder andere Allergie-Symptome zeigen, solltest du ihm natürlich keine weiteren Kartoffeln geben und einen Tierarzt kontaktieren. 

Wissenswertes rund um die Kartoffeln

Wie bewahre ich Kartoffeln am besten auf und was haben sie mit Trüffeln gemein?

Kartoffeln haben eine gute Klimabilanz

Kartoffeln werden zum größten Teil in Deutschland lokal angebaut und haben damit eine bessere Klimabilanz als lang transportiertes Gemüse. 

Kartoffeln kommen gar nicht ursprünglich aus Deutschland

Die braunen Knollen sind aus Deutschland gar nicht mehr wegzudenken. Aber sie kamen ursprünglich aus den Anden und kamen erst mit den spanischen Seefahrern nach Europa. Ähnlich wie die Tomaten wurden sie aber zunächst als exotische Zierpflanzen gehalten, da man sie für giftig hielt, was sie roh ja auch sind!

Der "alte Fritz" befahl den Anbau gegen Hungersnöte

Friedrich II. förderte 1756 den Anbau der Kartoffeln in Deutschland, um Hungersnöte zu mindern. Die Kartoffel wächst unkompliziert, enthält viele wichtige Spurenelemente und Vitamine und ist sättigt sehr gut. 

Wichtiges Grundnahrungsmittel wird weltweit stark produziert

Weltweit gehört die Kartoffel zu einem der wichtigsten Grundnahrungsmittel. 2018 lag Deutschland allerdings bei der Kartoffelproduktion von 8,9 Mio. Tonnen nur auf Platz 7. Allerdings hinter Ländern, die eine wesentlich größere Fläche als Deutschland haben wie China, Indien, Ukraine, Russland, USA und Bangladesch. 

Kartoffeln dunkel, kühl, trocken und luftig aufbewahren

Kartoffeln sollten luftig aufbewahrt werden, z.B. in einem Beutel aus Jute oder Leinen oder in einer Holzkiste oder einem Weidenkorb. Kartoffeln lieben zwar ein kühles Plätzchen, da sie bei über 10 Grad zu keimen beginnen, aber der Kühlschrank ist aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit eigentlich nicht ganz optimal. Bei 4-8 Grad ist die Temperatur der Lagerung perfekt. Die Erdäpfel lieben es trocken. Bei zu hoher Feuchtigkeit (wie im Kühlschrank) beginnen sie schnell zu schimmeln.  Erhalten Kartoffeln zu viel Licht, bilden sich grüne Stellen, die ein Zeichen für Solanin-Bildung sind. Ein kühler Kellerplatz ist also ideal, alternativ tut es auch der Kühlschrank, aber da solltet ihr dann nur geringe Mengen lagern.

Herkunft des Namens oder was haben Kartoffeln mit Trüffeln gemein?

Im Lateinischen nannte man Kartoffeln Erdknollen, also „terrae tuber“. Die Italiener gaben den Kartoffeln zunächst den Namen „tartufolo“, was die Verkleinerungsform von Knollen bzw. in Italien die Bezeichnung für Trüffel ist. Auch Trüffel sind Knollen, die unter der Erde wachsen.

In Deutschland übernahm man diesen Namen und änderte ihn in „Tartuffel“, woraus dann mit der Zeit "Kartoffel" wurde.  

"Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln"

Diese Redewendung ist sicherlich vielen bekannt. Sie möchte zum Ausdruck bringen, dass vieles Grübeln und Nachdenken nicht immer zum besten Ergebnis führen. Glück und Tatendrang gehören ebenso dazu.

 Diese Variante der Redewendung brachte mich zum Schmunzeln: "Der Umfang der subterritorialen Knollengewächse steht in reziprokem Verhältnis zum Intellekt des Agrarökonoms".

Mein Onkel hat übrigens mit wenig Aufwand sehr große Kartoffeln geerntet: er hat einfach die Schalen wieder in den Boden geworfen und im nächsten Jahr erneut dicke Kartoffeln aus der Erde geholt.

Fazit zur Fütterung von Kartoffeln beim Hund

Hunde können Kartoffeln in Maßen gekocht fressen, wenn ihr das Kochwasser abgießt.  Aber es gibt wesentlich geeignetere Nahrungsmittel für Hunde als Kartoffeln. Übergewichtige Hunde oder Hunde mit Diabetes sollten komplett auf Kartoffeln verzichten.

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