Gesundheit

Dilatative Cardiomyopathie (DCM) – der plötzliche Herztod beim Hund

DCM ist eine sehr ernsthafte, genetisch vererbte Erkrankung des Herzens, die in fast allen Fällen zu einem frühzeitigen Tod führt. Die Symptome können durch Medikamente und Schonung häufig gelindert werden, doch kann die Erkrankung nicht geheilt, sondern nur aufgehalten werden. Viele betroffene Hunde versterben frühzeitig am sogenannten plötzlichen Herztod oder müssen eingeschläfert werden. Wie äußert sich DCM beim Hund und worauf muss ich achten?

Sehr viele Dobermänner sind von DCM betroffen

Beschreibung, Definition

Das ist Dilatative Cardiomyopathie beim Hund (DCM)

DCM ist die Abkürzung für "Dilatative Cardiomyopathie", wobei Cardiomyopathie für eine Erkrankung des Herzmuskelgewebes und "Dilatative" für eine Erweiterung stehen. Bei jeder Form der Cardiomyopathie wird das Herz stärker beansprucht, um die Blutversorgung und die Blutzirkulation der Organe aufrecht zu erhalten. Ist die Erkrankung zu stark, kann die Blutzirkulation unterbrochen werden. Dies kann zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, zu Herzversagen (Plötzlicher Herztod) oder zu Herzrhythmus-Störungen mit Todesfolge führen.

Welche Formen der DCM gibt es?

Rein medizinisch gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Arten der Erkrankung des Herzmuskelgewebes, wobei aber die DCM am häufigsten vorkommt:

  1. Dilatative Cardiomyophathie

    Dies ist mit Abstand die häufigste Form der Cardiomyopathie bei Hunden. "Dilatativ" steht für Erweiterung. Bei der Dilatativen Cardiomyopathie kommt durch eine angeborene Herzmuskelschwäche zu einer Erweiterung der Herzkammern. Dadurch vergrößert sich das Herz, so dass es nicht mehr sauber pumpen kann und dies führt schließlich zu schweren Beeinträchtigungen der Durchblutung.

Die beiden weiteren bekannten Formen der Cardiomyopathie kommen entweder sehr selten oder gar nicht bei Hunden, sondern bei Katzen vor:

  1. Hypertonische Cardiomyopathie

    Bei dieser Art der Cardomyopathie kommt es zu einer abnormen Zunahme der Masse des Herzmuskelgewebes, die zu einer Verkleinerung der Herzkammer führt. Diese Form kommt häufiger bei Katzen und nur sehr selten bei Hunden vor.
  2. Restriktive Cardiomyopathie

    Bei dieser Art der Cardomyopathie erscheint das Herz normal, doch das Herzmuskelgewebe ist zu unbeweglich, so dass sich das Herz nicht ausreichend mit Blut füllen kann. Diese Form der Cardiomyopathie wurde bisher gelegentlich bei Katzen aber bisher noch nie bei Hunden festgestellt. (Stand August 2020). 

Symptome

Wie äußert sich eine Dilatative Cardiomyopathie (DCM) beim Hund? Wann treten die ersten Symptome auf?

DCM ist eine sehr ernsthafte, schwere und schwächende Erkrankung des Hundes. Trotz der Schwere der Erkrankung ist sie für den Hund in der Regel selbst nicht schmerzhaft. Das tückische an der Erkrankung ist, dass sie bei betroffenen Hunden häufig in den ersten Jahren für die Hundebesitzer scheinbar ohne Symptome verläuft. Treten die ersten Symptome auf, kann es jedoch leider schon sehr bald zu einem tödlichen Verlauf kommen.

Typische Symptome von DCM sehen meist wie folgt aus:

  • Probleme der Atemwege bis hin zu starker Atemlosigkeit und Schnappen nach Luft
  • Appetitlosigkeit
  • Plötzliche Unlust auf Bewegung und Arbeit
  • Schwäche
  • Kollabieren
  • Aufgeblähter Bauch
  • Herzrhythmusstörungen

Nach Auftreten der ersten Symptome werden die Herzmedikamente für die meisten Hunde überlebenswichtig.

Bei einigen Hunden fallen jedoch gar keine Symptome vorher auf und es kommt zum sogenannten "Plötzlichen Herztod", der besonders erschreckend und tragisch ist.

Beim Auftreten der oben genannten Symptome und beim Verdacht einer DCM ist es aufgrund der Schwere der Krankheit besonders wichtig, so schnell wie möglich den Hund auf DCM untersuchen zu lassen.

Diagnose

Wie wird eine Dilatative Cardiomyopathie (DCM) beim Hund diagnostiziert?

Beim Auftreten von Symptomen sollte eine DCM-Untersuchung von einem Veterinär-Kardiologen, also einem Spezialisten, erfolgen. Dieser kann mithilfe eines Herzultraschalls (auch Herzsonographie oder Echokardiographie genannt), das Herz sehr genau untersuchen und ggf. eine DCM diagnostizieren oder ausschließen. Da die Unterschiede zwischen einem gesunden Herzen und einer leichten DCM nur marginal erscheinen, ist eine sehr genaue Untersuchung bei einem Spezialisten erforderlich.

Der sogenannte Herzultraschall ist für den Patienten eine Untersuchung, die schmerz- und strahlenfrei ist und bei der kein Eingriff erfolgen muss. Das Herz kann bildhaft in Aktion dargestellt werden. Die Echokardiographie ist die genaueste Untersuchung des Herzens während seiner Tätigkeit, die eine Vermessung und Diagnose des Herzens ermöglicht.

Ob im Falle einer diagnostizierten DCM eine Behandlung nötig ist, ist immer von dem Grad und dem Stadium der Erkrankung abhängig. Dies wird der Kardiologe von Fall zu Fall individuell entscheiden.

Weitere Untersuchungen nach einem Herzultraschall bei Verdacht auf DCM

Auch das Röntgen des Brustkorbs ist häufig bei einem DCM-Verdacht sinnvoll. Denn bei einem vergrößerten Herz kann es zu Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge des Hundes kommen.  Auch ein EKG (Elektrokardiogramm) kann eine sinnvolle Untersuchung sein, wenn z.B. irreguläre Herzschläge beim Abhören mit einem Stethoskop festgestellt wurden. Häufig kann auch ein 24-Stunden-EKG Aufschluss geben, wenn ein DCM-Verdacht besteht, aber keine Auffälligkeiten in den anderen Tests bestehen. Dabei trägt dein Hund im Alltag das EKG-Messgerät.

Wird eine DCM bei dem Hund festgestellt, erfolgen vor dem Einstellen der Medikamente meist routinemäßig auch Blut- und Urintests, um eine Basis der Werte für zukünftige Vergleiche nach der Medikamentengabe zu erhalten und weitere Erkrankungen auszuschließen.

Therapie & Behandlung

Wie wird eine DCM beim Hund therapiert?

Eine DCM kann nicht durch operative Eingriffe behandelt oder geheilt werden. Die Symptome können mit  Medikamentengaben bei vielen Hunden über eine leider meist eher kurze Zeit verbessert werden. Die Medikamente schlagen bei den meisten Hunden nach wenigen Tagen an. Die Medikamente können je nach Schwere der Erkrankung zur ersten Einstellung in der Tierklinik auch als Injektionen gegeben werden.

Bei DCM unbedingt vermeiden:

  • Anstrengende Aktivitäten sind mit an DCM erkrankten Hunden unbedingt zu vermeiden.
  • Ebenso sollte salzige Nahrung vollkommen gemieden werden.
  • Unregelmäßigkeiten in der Medikamentengabe

Verschlechtern sich die Symptome erneut, ist es sinnvoll den Hund untersuchen zu lassen, damit ggf. die Medikamente neu eingestellt werden. Ein regelmäßiger Check beim Kardiologen wird je nach Schwere der Erkrankung vom behandelnden Tierarzt empfohlen.

Welche Medikamente werden bei einer DCM meinem Hund gegeben?

Leider handelt es sich häufig um einen Cocktail aus unterschiedlichen Medikamenten, weshalb eine regelmäßige Untersuchung und Neueinstellung der Medikamente so wichtig ist. Die Medikamente schlagen bei den meisten Hunden innerhalb kurzer Zeit (wenige Tage oder 1-2 Wochen) an und führen oft zu einer sehr erheblichen Verbesserung der typischen Symptome wie Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit. 

Folgende Medikamente werden häufig – je nach Grad und Diagnose - bei DCM eingesetzt:

  1. Entwässernde Medikamente
  2. Gefäßerweiternde Medikamente
  3. Medikamente, die Digitalis zur Herzstärkung enthalten
  4. Substanzen, die die Kontraktionskraft des Herzens steigern

Diese Herz-Medikamente sind leider häufig kostspielig und gerade bei größeren Rassen sind höhere Dosen erforderlich. Auch die kardiologischen Untersuchungen sind kostspielig.

Prognose

Wie ist die Prognose bei einer DCM beim Hund? Wird mein Hund wieder gesund?

Die Prognose ist bei DCM leider immer sehr schlecht. Auch wenn der Hund die ersten Jahre scheinbar gesund und ohne Symptome mit der Erkrankung leben kann, so ist die Prognose nach Auftreten der ersten Symptome trotz Diagnose und Gabe von Medikamenten häufig deprimierend.

Eine Studie der "University of Prince Edward Island" ergab bei Dobermännern nach auftretenden Symptomen, dass ca. 33% der Hunde bereits nach wenigen Tagen versterben, bei weiteren 33% verbessern sich die Symptome, die Hunde fühlen sich noch für einige Wochen gut, bevor eine Verschlechterung eintritt, die zum Tod oder zur Einschläferung führen. Weitere 33% fühlen sich über Monate oder mit Glück sogar länger als ein Jahr gut, bevor sich die Symptome verschlechtern und der Tod eintritt oder eine Einschläferung nötig wird. 

Ursachen & Vorbeugung

Was sind die Ursachen einer Dilatativen Cardiomyopathie beim Hund? Kann ich einer DCM beim Hund vorbeugen?

DCM ist eine Erbkrankheit, sie wird genetisch von den Elterntieren auf die Welpen vererbt. So gesehen lässt sich nur durch Zuchtauswahl und durch Zuchtkontrolle die Erkrankung in der Rasse eingrenzen und ausschließen. Dabei sind bestimmte und gerade größere Hunderassen wie z.B. der Dobermann wesentlich häufiger betroffen als andere Hunderassen. Die genetische Vererbung ist bisher nicht detailliert erforscht, doch wurde beobachtet, dass Rüden häufiger als Hündinnen betroffen sind.

Da DCM häufig in den ersten Jahren keine für Züchter als auch für Besitzer offensichtliche Symptome zeigt, wird sie häufig erst spät entdeckt. Deshalb wird mit erkrankten Hunden gezüchtet, denn sie zeigen keine Symptome, übertragen die Erkrankung aber und sterben selbst meist ebenfalls viel zu jung. Bei vielen Dobermännern reicht ein Blick auf das erreichte Alter der Elterntiere, Großeltern und Geschwister, um DCM in der Linie zu erkennen. Viele Dobermänner sterben viel zu früh daran. 

Mit betroffenen Hunden sollte daher in keinem Fall mehr gezüchtet werden. Geschwister von betroffenen Tieren sollten sehr genau untersucht werden, bevor mit ihnen gezüchtet wird. Kardiologen können die Erkrankung sehr genau feststellen.

Gerade bei Hunderassen, die häufig betroffen sind wie der Dobermann, wurde DCM in der Zucht jahrelang ignoriert. Dabei könnte eine vorgeschriebene Untersuchung der Zuchthunde durch den Zuchtverband so viel Leid ersparen. Derzeit wird immer noch mit erkrankten Hunden weiter gezüchtet. Auf den Seiten der Züchter findet man allzu oft Hunde, die viel zu jung verstorben sind.

Ernährungsbedingte Herzerkrankungen bei Hunden?

Eine Studie der UC Davis School of Veterinary Medicine erforschte einen Zusammenhang zwischen der Ernährung des Hundes und der Herzerkrankung Dilatative Cardiomyopathie (DCM). Eine Vermutung der Studie ist, dass Taurinmangel DCM fördern könnte. Taurin kann jedoch von Hunden im Gegensatz zu Katzen aus der Nahrung im Körper hergestellt werden. Taurin ist primär in tierischen Lebensmitteln z.B. in rohen Hühnerherzen und nur in wenigen Pflanzen vorhanden. Taurin muss im Futter aber so vorhanden sein, dass der Hund es auch verwerten kann. Fertigfutter für Hunde wird bisher selten Taurin zugesetzt, aber sehr viele haben einen hohen Pflanzenanteil. Bei einem zu geringen gut verwertbaren Fleischanteil kann dem Hund auf Dauer zu wenig Taurin zugeführt werden. Doch die Studien zu Herzerkrankungen, die ernährungsbedingt beim Hund ausbrechen, stehen erst am Anfang. 

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunderassen

Bei welchen Hunderassen tritt DCM häufig auf? Welche Hunderassen sind besonders gefährdet?

Bei den folgenden Hunderassen tritt die Herzerkrankung leider häufiger als bei anderen Hunderassen auf:

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