Gesundheit
Tierarztkosten steigen ab Herbst 2022
Welche Kosten Tierärzte für ihre Leistungen berechnen dürfen, wird gesetzlich in der Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) geregelt. Eine Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vorgelegt und vom Bundesrat beschlossen. Sie ist am 22.11.2022 in Kraft getreten. Dies hat zu steigenden Preisen bei den meisten Leistungen der Tierärzte geführt. Wir zeigen euch, wie die Preise gestiegen sind und geben euch Tipps, was ihr tun könnt, um höhere Kosten abzufedern.
Eine Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte war notwendig, da letzte große Änderungen der GOT 1999 stattfanden. Doch gerade in den letzten 20 Jahren haben sich viele diagnostische und therapeutische Behandlungsmethoden von Tierärzten und Tierkliniken aufgrund von technischen und wissenschaftlichen Weiterentwicklungen stark verändert. Diagnosen mit teuren Geräten wie modernen Bildgebungsverfahren werden beispielsweise immer häufiger angewendet.
Der Deutsche Tierschutzbund erkennt zwar an, dass aufgrund veränderter Standards auch die Gebühren angepasst werden mussten, doch sorgt er sich verständlicherweise gleichzeitig um steigende Kosten für Tierheime und Tierschutzvereine. Da es sich um teilweise erhebliche Erhöhungen handelt, befürchtet der Deutsche Tierschutzbund auch, dass die Tierhaltung für sozial schlechter gestellte Tierhalter*innen erschwert werden und notwendige Behandlungen vielleicht nicht durchgeführt werden können oder aber mehr Tiere zukünftig im Tierheim landen könnten.
Vergleicht man die Gebühren der einzelnen Leistungen, so fällt auf, dass rund 85% der Leistungen erheblich teurer werden, während nur einige wenige (ca. 15%) günstiger werden.
Gebühren der GOT regeln nur den Kostenrahmen
Die Kosten für eine tierärztliche Behandlung können trotz der Gebührenordnung für Tierärzte stark variieren, da die GOT nur einen sehr groben Rahmen für die Gebühren der jeweiligen Behandlungsschritte vorgibt. Die Gebühren sollten mindestens den einfachen Satz der GOT betragen, aber maximal den dreifachen Satz. Tierärzte können folglich die Gebühren nach dem einfachen, zweifachen oder dreifachen Satz der in der GOT geregelten Gebühren abrechnen. In Notfällen dürfen Tierärzte sogar die vierfache Gebühr nehmen.
Wovon hängt es ab, welchen Satz der Tierarzt verwendet?
Welchen Satz der Tierarzt abrechnet hängt von vielen Faktoren ab. So kommt es natürlich auf den Zeitaufwand für die jeweilige Behandlung an und ob unerwartete Komplikationen während der Behandlung auftreten. Sonderzeiten außerhalb der Sprechzeiten wie beispielsweise nächtliche Einsätze oder am Wochenende, werden höher abgerechnet. Bei Hausbesuchen wird auch der Anfahrtsweg berechnet. Ist eine Tierarztpraxis mit teuren Geräten ausgestattet oder hat sie eine hohe Miete? Dann können entsprechend mehr Gebühren fällig werden.
Tierarztkosten werden oft unterschätzt
Leider werden die Tierarztkosten von Haltern oft unterschätzt. Doch viele Hunde leiden immer häufiger unter rassespezifischen Erkrankungen, wie beispielsweise Hunde von Rassen, die zu den sogenannten Qualzuchten gehören. Bei kurzköpfigen und kompakten Hunderassen wie Französischen oder Englischen Bulldoggen und Möpsen werden kostspielige Operationen für eine verbesserte Atmung immer häufiger. Bei vielen meist größeren Hunderassen machen sich Gelenkserkrankungen breit, die besonders teure Operationen und dauerhafte Medikamentengaben erfordern können. Leider machen typische Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Magen- und Darmprobleme, Allergien oder auch eine Zunahme von Krebserkrankungen nicht vor unseren Hunden halt.
Zukünftige Kosten für Leistungen beim Tierarzt
Wir vergleichen die Gebühren von 2020 mit der neuen Gebührenverordnung, die am 22.November 2022 in Kraft getreten ist anhand von Beispielen für einzelne Leistungen, die in der GOT aufgeführt werden.
Dazu sei angemerkt, dass beispielsweise zur Kastration immer noch weitere Leistungen wie Beratung, Narkose und Nachbehandlungen gehören, die in dieser Auflistung dann nicht mit aufgezeigt werden:
- Eine Allgemeine Untersuchung von Hunden mit Beratung hat bisher 13,45 EUR gekostet und wird ab Oktober 2022 auf 23,62 EUR angehoben. Das ist eine satte Steigerung von 76%.
- Eine einfache Beratung, ggf. auch ohne Untersuchung (auch schriftlich oder fernmündlich): steigt von 7,04 EUR auf 11,26 EUR. Das ist eine Steigerung von 60%.
- Eine eingehende Anamneseerhebung oder Beratung steigt von 19,24 EUR auf 30,78 EUR und somit um 60%.
- Eine Impfbescheinigung kostet demnächst statt 3,85 EUR satte 6,16 EUR, was eine Steigerung von 60% bedeutet.
- Eine einfache Röntgenuntersuchung wird von 25,65 EUR auf 36,57 EUR und somit 43% steigen.
- Ultraschalldiagnostik (außer Trächtigkeit) steigt von 42,34 EUR auf 58,92 EUR und damit um 39%.
- Die Kastration von Rüden steigt von 51,31 EUR auf 70,60 EUR.
- Eine Kastration der Hündin (Ovariektomie) wird dagegen um knapp 20% günstiger von 160,34 EUR auf 128,27 EUR.
Wie kann ich höhere Tierarztkosten abfedern?
Was kann ich als Tierhalter also tun, damit mich hohe Tierarztkosten nicht plötzlich aus der Bahn werfen? Es ist in jedem Fall empfehlenswert, regelmäßig Geld zu sparen oder eine Krankenversicherung für den Hund abzuschließen. Dies gilt insbesondere dann, wenn ihr Geld für hohe OP-Kosten beim Tierarzt nicht frei verfügbar habt.
Freie und ungebundene Tierärzte und Kliniken wählen
Die Kosten unterscheiden sich bei den Tierärzten je nach Lage und Ausstattung ihrer Praxis erheblich. Aber auch die Zugehörigkeit zu großen Konzernen kann Kliniken und Tierarztpraxen kostspieliger machen. Denn viele Tierarztpraxen und Tierkliniken werden immer häufiger von Großkonzernen als Investment aufgekauft und dann zu Profitzentren umgebaut, wie es leider auch bei der Privatisierung von Krankenhäusern der Fall ist.
Mars und Nestlé gehören viele Tierkliniken
Immer mehr Tierarztpraxen und Tierkliniken gehören zu den Ketten AniCura und Evidensia. Was wenige aber wissen: AniCura ist von Mars aufgekauft worden und Evidensia gehört zum Nestlé-Konzern. Beide Konzerne sind gleichzeitig die größten Produzenten von Hundefutter. Zu Mars gehören beispielsweise Pedigree, Royal Canin, Frolic und Chappi. Nestlé gehören Hundefuttermarken wie Purina, Terra Canis und diverse weitere. Ein sehr schöner Artikel zu diesem Thema stammt von dem Tierarzt Ralph Rückert. Deshalb kann es Kosten sparen und sinnvoll sein, die freien und ungebundenen Tierpraxen aufzusuchen und zu unterstützen.
Tierkrankenversicherung kann vor hohen Kosten schützen
Bei meinen früheren Hunden habe ich nie über eine Tierkrankenversicherung nachgedacht und sie hätte sich bei ihnen auch nicht gelohnt, da die Hunde im Verhältnis zu ihrem Alter kaum krank gewesen sind. Doch bei meiner jetzigen Hündin sieht es anders aus, da sie sich sehr früh einen Bänderriss zugezogen hat, bei dem die Untersuchungen und die spätere Operation ausgesprochen kostspielig gewesen sind. Da kommen schnell mehrere tausend Euro zusammen, die sich wirklich nicht jeder leisten kann.
Ob sich für euren Hund eine Tierkrankenversicherung lohnt, ist von vielen Faktoren abhängig. Sie kann in jedem Fall aber eine Absicherung gegen hohe Tierarztkosten sein, die ihr vielleicht gar nicht bezahlen könnt.
Es ist meistens sinnvoll, eine Tierkrankenversicherung gleich zu Beginn des Hundelebens abzuschließen, bevor Krankheiten auftreten. Denn Versicherungen können Krankheiten, die das Tier schon bei Abschluss der Versicherung hatte, einfach ausschließen. Die Anbieter von Versicherungen können je nach Vertrag auch nach einem Leistungsfall einfach kündigen. Manche Versicherungen übernehmen nur die Kosten von Unfällen, nicht aber von medizinischen Notfällen.
Die monatlichen Kosten und die übernommenen Leistungen variieren sehr stark bei den Hundekrankenversicherungen. Nicht jede Versicherung muss deinen Hund überhaupt annehmen. Zu alte Hunde, Hunde mit Vorerkrankungen oder aber Hunde von Rassen, die für bestimmte Krankheiten besonders anfällig sind wie beispielsweise Mops, Dackel oder Französische Bulldoggen können abgelehnt werden oder monatlich extrem teuer werden. Auch gibt es unterschiedliche Arten von Versicherungen wie beispielsweise Hunde-OP-Versicherungen oder Hundekrankenvollversicherungen.
Seht euch die Konditionen der Hundekrankenversicherungen sehr genau an und schließt eine Versicherung am besten so früh wie möglich ab, bevor sich Krankheiten bei eurem Hund entwickeln.
Lese-Tipp: Hundekrankenversicherung: Der beste Schutz.
Geld für Notfälle zurücklegen
Statt eine Versicherung abzuschließen könnt ihr natürlich auch einfach monatlich Geld für einen tierärztlichen Notfall zurücklegen, sparen oder anlegen. Allerdings dauert es natürlich eine Weile, bis ihr eine entsprechende Summe zusammenhabt und solltet etwas Geld für einen Notfall verfügbar haben.
Auf Gesundheit des Hundes achten
Nun, dies ist natürlich ein Selbstgänger, denn jeder verantwortungsvolle Hundehalter wird versuchen, die Gesundheit seines Hundes zu erhalten. Doch insbesondere eine gesunde Ernährung kann euren Hund vor so mancher Krankheit bewahren, wenn natürlich nicht vor Unfällen oder vor Erbkrankheiten. Doch wird eine möglichst natürliche und artgerechte Ernährung die Gesundheit eures Hundes in jedem Fall verbessern. Ebenso förderlich für die Gesundheit eures Hundes sind Bewegung und ein gesundes Gewicht (Lese-Tipp: Abnehmen: Mit diesen 8 Tipps klappt es).
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