Gesundheit

Diese Hunderassen sind besonders von Qualzucht betroffen

Keine Tierart auf der Welt unterscheidet sich von Gewicht, Größe und Aussehen der erwachsenen Tiere so stark wie der Hund. Es gibt Hunde, die einem Pony in der Größe Konkurrenz machen können und solche, die in Handtaschen passen: Manche Chihuahuas wiegen nur 500g, manche Bernhardiner weit über 90kg. Es gibt immer neue Farb- und Fellvarianten, die jedoch häufig durch Genmutationen mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen entstehen.

In den letzten 50 Jahren hat der Rassenwahnsinn bei Hunden stark zugenommen: Alles was trendy ist, wird gezüchtet. Durch die sozialen Medien wird der Hype, der Hunde zur hippen Ware macht, in der letzten Zeit noch stärker befeuert. Hunde mit schicken Farben und niedlichen Formen, die das Kindchen-Schema bedienen, sind besonders gefragt. Fotos von winzigen Hunden, die in eine Teetasse passen und Kleidung tragen, finden extrem viel Beifall. Röchelnde Möpse vor einem Burger und Bilder von hechelnden Bulldoggen mit hängender Zunge werden verzückt geshared.

Aktuell besonders gefragte Hunderassen werden immer mehr zu Karikaturen ihrer selbst, man mag schon fast von einem Frankenstein-Kabinett der Hunde sprechen. Dabei hat das mit Tierliebe leider gar nichts zu tun, es ist Tierquälerei. Doch viele Menschen wissen gar nicht, dass diese vermeintlich niedlichen Hunde häufig todkrank gezüchtet sind und ihr Leben lang leiden und hohe Tierarztkosten verursachen werden.

Welche Hunderassen sind betroffen und wie erkenne ich sie?

Englische Bulldoggen zählen zu extremer Qualzucht

Typische Merkmale von Qualzuchten bei den Hunderassen

Es gibt leider immer mehr Hunderassen und auch ihre Mischlinge, die von Qualzucht betroffen sind. Wobei nicht alle Hunde einer Rasse betroffen sein müssen, aber können. Je nach qualzuchtrelevanten Merkmalen sind auch unterschiedliche Rassen betroffen. Manche Rassen vereinen gleich mehrere quälerische Merkmale auf einmal in sich. Andere Rassen haben ein übertypisiertes Merkmal oder eine genetische Erkrankung, die zu leiden führt. An diesen Merkmalen erkennst du, ob ein Hund unter extremer Züchtung leidet.

Zu Kurze Schnauzen, runde Köpfe und gedrungene Körper

Die Verkürzung der Schnauzen führt bei immer mehr Hunderassen zu ernsthafter und lebenslanger Atemnot und zu kostspieligen OPs, damit die Hunde überhaupt überleben. Unter dem Begriff Brachycephalie (BAS) sind die starken krankhaften Veränderungen und Leiden der Hunde zusammengefasst.

Besonders betroffene Hunderassen:

Tipp: Hier findest Du weitere Informationen zum Thema Brachyzephalisches Atemnotsyndrom (BAS).

Extrem kleine Hunde: Zwerghunde, Teacups, Imperials und Minis

Winzige Hunde, die in die Handtasche passen und eher an ein Meerschwein oder Spielzeug erinnern, liegen im Trend. Doch alle diese Zwerge leiden ihr Leben lang, denn sie sind krankgezüchtet. Je nach Rasse sollten die kleinen Hunde ausgewachsen nicht unter 2-4kg wiegen. Die Kleinen sind zerbrechlich und vielen Gefahren ausgesetzt, gleichzeitig sind ihre inneren Organe zu groß und sie sterben sehr früh. Schnell geht ihr Blutzucker herunter und sie fallen ins Koma oder ihre Körpertemperatur sinkt rapide. Geht zu klein noch mit runden Köpfen und kurzen Schnauzen einher, kann das arme Tier auch nicht richtig atmen.


Besonders betroffene Hunderassen:

Extrem riesige Hunde liegen im Trend

Werden Hunde zu groß gezüchtet, so werden ihre inneren Organe einfach zu klein für ihre Größe. Deshalb ist ihre Lebenszeit häufig sehr verkürzt, denn das Herz muss starke Leistungen bringen. Aber es kommt auch zu Problemen mit den Gelenken.

Besonders betroffene Hunderassen:

Extrem kurzbeinige Hunde

Kurzbeinige Hunde sehen in den Augen von vielen Menschen drollig oder niedlich aus. Doch sie leiden unter Bewegungsproblemen und häufig auch unter Bandscheibenvorfällen, die sehr schmerzhaft sind und zu Lähmungen führen kann. Auch Organe können von der Problematik betroffen sein. Die krankhafte Verkürzung der Beine nennt sich Chondrodystrophie.


Besonders betroffene Hunderassen:

Treuer Blick? Einwärts oder auswärts gerollte Augenlider sind schmerzhaft

Der leicht treu wirkende Blick beim Bernhardiner beruht leider häufig auf einer krankhaften Veränderung der Augenlider, die zu chronischen Entzündungen der Augen führen kann. Häufig müssen die Augenlider operativ korrigiert werden, damit die Hunde keine dauerhaften Schmerzen erleiden. Die einwärts gedrehten Augenlider werden Entropium, die auswärts gedrehten Augenlider werden Ektropium genannt.


Besonders betroffene Hunderassen:

  • Chow Chow (Entropium)
  • Shar Pei (Entropium)
  • Bernhardiner (Extropium)
  • Bluthunde (Extropium)

Haarlosigkeit bei Nackthunden führt zu frühem Tod

Hunderassen, die kaum Fell besitzen und fast haarlos sind, besitzen einen Gendefekt, der Semiletalfaktor genannt wird. Semiletalfaktor bedeutet, dass die reinerbigen Nachkommen zur Hälfte sehr verfrüht sterben. Es werden ebenso Anomalien der Zähne vererbt und die Haut ist der Sonne hilflos ausgesetzt, es kommt zu Sonnenbränden. Nackthunde können ihre Körpertemperatur nicht gut regulieren und erleiden leicht Verletzungen an der Haut. Viele verfügen über keine Tasthaare, die aber sehr wichtig für die Hunde sind.


Besonders betroffene Hunderassen:

  • Mexikanische Nackthunde
  • Chinesische Schopfhunde 

Hunde mit extrem langen oder dichtem Fell

Bei so mancher Hunderasse wird das Haarkleid immer dichter und länger gezüchtet, denn die Hunde sehen dann so plüschig wie ein Teddy aus. Doch dieser dichte Pelz führt dazu, dass die Haut kaum Luft bekommt und sich schmerzhaft entzündet. Die Hunde sind sehr anfällig gegenüber Hitze und können kollabieren. Ist das Fell dann bodenlang, führt es zu starken Einschränkungen in der Bewegung, was ein artgerechtes Hundeleben kaum noch möglich macht.


Besonders betroffene Hunderassen:

 

Wenn die Fell- und die Augenfarbe krank machen

Immer ausgefallenere Augenfarben, Haarfarben, Schattierungen, Scheckungen und Sprenkelungen werden nachgefragt. Sie machen die Hunde einzigartig. Dass allerdings mit den Gen-Mutationen, die zu diesen Färbungen führen, teilweise sehr starke Krankheiten einher gehen, wissen wenige. Hierzu gehören insbesondere drei Faktoren: der Merle-Defekt, der zu Taubheit und Blindheit führen kann. Die Colour Mutant Alopecia (CMA) die zu irreversiblem Haarausfall und Infektionen der Haarfollikel führen kann. Weißfärbungen und -Scheckungen insbesondere am Kopf können zu einseitiger oder beidseitiger Taubheit führen.


Besonders betroffene Hunderassen:

  • Dobermann
    (CMA: schwarz wird zu graublau, blue, blau und braun wird hellgraues lilac, Okulokutaner Albinismus mit cremefarbenen, weißen Dobermännern führt zu Sehstörungen und Hautkrebs der Hunde).
  • Labrador Retriever
    (CMA: schwarz wird zu graublau, blue, blau und braun wird hellgraues lilac, gelbes Haar wird graugelb, rötliche Farbe wird zimtfarben)
  • Französische Bulldogge
    (CMA: schwarz wird zu graublau, blue, blau und braun wird hellgraues lilac, gelbes Haar wird graugelb, rötliche Farbe wird zimtfarben)
  • Bernhardiner
    (extreme Scheckung mit weißer Farbe, Taubheit)
  • Dogo Argentino
    (reinweiße Farbe, Taubheit)
  • Bull Terrier und Miniature Bull Terrier
    (reinweiße Farbe, Taubheit)
  • Jack Russell Terrier
    (reinweiße Farbe, Taubheit)
  • Deutsche Dogge
    (reinweiße Farbe, Taubheit)
  • Dalmatiner
    (viel weiße Farbe am Kopf, Taubheit)
  • English Setter
    (viel weiße Farbe am Kopf, Taubheit)
  • Australian Cattle Dog
    (viel weiße Farbe am Kopf, Taubheit)
  • Bobtail
    (weiße Köpfe, Taubheit)
  • Australian Shepherd
    (Merle: Taubheit, Blindheit)
  • Border Collie
    (Merle: Taubheit, Blindheit)

 

Hunde mit extrem viel Haut, die Hautfalten bildet

 

 

Hunde, denen extrem viel Haut mit Falten angezüchtet wurde, leiden unter schmerzhaften, chronischen Hautentzündungen (Intertrigo, Hyaluronosis). Operative Straffungen der Haut können notwendig werden, damit die Hunde ein einigermaßen normales Leben führen können.

Besonders betroffene Hunderassen:

  • Shar Pei
  • Chow Chow

Häufige Erbkrankheiten, die nicht sichtbar sind

Es gibt viele weitere genetisch bedingte ernsthafte Erkrankungen, die ihr äußerlich nicht sehen könnt. Hier ein paar Beispiele, näheres könnt ihr in dem Gesundheitsbereich der jeweiligen Hundeprofile nachlesen:

Besonders betroffene Hunderassen:

  • Dobermann (DCM, plötzlicher Herztod)
  • Labrador Retriever (Gelenkprobleme wie HD, ED, OCD, aber auch Augenerkrankungen und Epilepsie)
  • Deutsche Dogge (Tumore)
  • Nova Scotia Duck Tolling Retriever (starke Inzucht)
  • Rhodesian Ridgeback (Rückenerkrankungen aufgrund des Ridges)
  • Collie (Collie-Eye-Anomalie, MDR1-Defekt)
  • Sheltie (Collie-Eye-Anomalie, MDR1-Defekt)
  • Border Collie (Collie-Eye-Anomalie, MDR1-Defekt, Epilepsie)

Beschwerden der Gelenke

Immer mehr Hunderassen haben früher oder später Probleme mit der natürlichen Bewegung und zeigen Schmerzen. Ursache sind oft Zucht auf bestimmtes Aussehen oder eine bestimmte Art der Bewegung. Prominentes Beispiel ist der Deutsche Schäferhund. Insbesondere in der Showlinie findet sich häufig eine deformierte Hinterhand mit abfallender Linie. Dies führt zu schmerzhaften Veränderungen und Leiden der Hüften als auch der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Auf Ausstellungen ist die abfallende Rückenlinie immer noch zu sehen.

Besonders betroffene Hunderassen:

Das könnt ihr tun, um Qualzucht nicht zu unterstützen

  1. Lasst euch nicht von rein äußerlichen Merkmalen zum Spontankauf verleiten. Besonders kleine Hunde mit dem Kindchen-Schema haben viele Leiden.
  2. Kauft nicht im Internet oder auf Internetportalen – hier ist die Gefahr sehr groß, dass ihr den qualvollen illegalen Welpenhandel unterstützt.
  3. Kauft keinen Hund aus dem Kofferraum, auf Flohmärkten oder aus Mitleid. Jeder so gekaufte Hund wird sofort nachproduziert.
  4. Kauft Hunde besser nicht in Zoohandlungen und entsprechenden Geschäften. Hier gibt es unseriöse Tierlieferanten und auch die Haltung der Tiere ist sehr fragwürdig in den Handlungen.
  5. Wenn ihr beim Züchter kaufen wollt: erkundigt euch genau über Gesundheitsprüfungen und Qualzuchten. Schaut, in welchem Verband der Züchter tätig ist.
  6. Kauft nicht bei Massenzüchtern: wer mehrere Welpenwürfe gleichzeitig hat, kann sich nicht artgerecht um die Aufzucht der Welpen kümmern.
  7. Es muss nicht sofort sein: Nehmt euch die Zeit und wartet auf den nächsten Welpenwurf eines seriösen Züchters.
  8. Prüft euch: muss es wirklich eine Trendrasse sein? Welche Hunderasse passt wirklich zu euch? In den Tierheimen gibt es viele Mischlinge und auch Rassehunde und ihr könnt die Hunde in Ruhe kennenlernen.
  9. Wenn ihr von einem Züchter kaufen möchtet: Sucht euch einen seriösen Züchter, der die Elterntiere auf rassetypische Krankheiten getestet hat und fragt ihn nach Gesundheit und seinen Aktionen gegen Qualzucht aus. Lasst euch die Testergebnisse und Gesundheitszeugnisse zeigen. 

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