Gesundheit

Ellenbogengelenkdysplasie (ED) beim Hund – eine häufige Lahmheitsursache der Vorderbeine

In den letzten Jahrzehnten sind immer häufiger Lahmheiten an den Vorderbeinen bereits auch schon bei jungen Hunden von großen Hunderassen aufgetreten, die aufgrund von wachstumsbedingten, krankhaften und entzündlichen Veränderungen an den Ellenbogengelenken entstanden sind. Was ist die Ursache der Erkrankungen und wie können sie erkannt und behandelt werden?

Beschreibung, Definition

Was ist eine Ellenbogengelenkdysplasie (ED) beim Hund?

Das Ellenbogengelenk besteht aus drei Knochen, die perfekt zusammenspielen müssen: Dem Oberarm (Humerus), der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna).

Die Ellenbogengelenkdysplasie (ED) ist im Grunde eine Art Sammelbegriff für mehrere Erkrankungsformen des Ellenbogengelenks bei insbesondere schnellwüchsigen und schweren Hunderassen. Die ED ist eine in erster Linie genetisch bedingte Entwicklungsstörung, die jedoch auch durch weitere Faktoren wie Übergewicht, zu viel und falsche Bewegung sowie Fehler in der Fütterung begünstigt werden kann. Sie beginnt meist im Alter von vier bis acht Monaten.

Folgende Arten der Ellenbogengelenksdysplasie sind am geläufigsten:

  • Osteochondrosis dissecans (OCD)


    OCD ist eine Entwicklungsstörung der Knorpelschicht, die sich verdickt und bei der die Nährstoffversorgung der tieferen Knorpelschichten gestört sein kann. Sterben die Knorpelschichten ab, spricht man von einer Osteochondrose. Knorpelschuppen lösen sich hier vom Knochen und eine Entzündung des Gelenkes entsteht. Dies nennt sich Osteochondrosis dissecans. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Arthrose und Gelenkszerstörung. Es ist ein genetisch vererbter Effekt. Allerdings können auch hier Ernährung, Aktivität und Traumata Auswirkungen auf eine Entwicklung der Erkrankung haben.
  • Inkongruenz des Ellenbogengelenks (IPA)


    Fehlbildungen der Gelenkflächen: die Knochen, die das Ellenbogengelenk formen, wachsen in unterschiedlicher Geschwindigkeit und passen nicht sauber zusammen. Es bildet sich eine Stufe zwischen Speiche und Elle, die wiederum Knorpel und Knochen dauerhaft schädigen. Dadurch werden Entzündungen, Schmerzen und Arthrose ausgelöst.

  • Fragmentierter Processus Coronoideus (FCP)

    Bei dieser Erkrankung passen Elle und Speiche nicht optimal zueinander, die Elle kann z.B. überstehen. Ein Fortsatz der Elle (Processus Coronoideus) wird überlastet. In der Spitze des Ellen-Fortsatzes werden Knorpel und Knochen geschädigt und es kommt zur Bildung von kleinen Fragmenten. Diese lösen Entzündungen, Schmerzen und im weiteren Verlauf Arthrosen aus.
  • Isolierter Processus Anconeus (FÖA)

    Bei dieser Erkrankung ist ein Knochenfortsatz der Elle (Processus Anconaeus) nicht sauber angewachsen. Es kommt zu Reizungen und Arthrose-Bildung.

Es können parallel mehrere Formen der Erkrankung an einem oder häufiger an beiden Vorderbeinen gleichzeitig.  Betroffene Hunde zeigen Lahmheiten und Schmerzen im Ellenbogengelenk.

Symptome

Wie äußert sich eine Ellenbogengelenkdysplasie beim Hund? Wann treten die ersten Symptome auf?

Erste Lahmheiten beginnen häufig mit 4-10 Monaten, können aber je nach Rasse und Stärke der Erkrankung, sowie nach individuellem Schmerzempfinden des Hundes auch früher oder später auftreten.

Die Lahmheiten treten täglich auf und sind am stärksten zu beobachten, wenn der Hund nach einer Ruhephase aufsteht oder zu gehen bzw.  zu laufen beginnt. Sie kann auf einem oder auf beiden Vorderbeinen auftreten. Meist sind zwar beide Vorderbeine betroffen, aber es kann entweder sein, dass ein Bein stärker betroffen ist als das andere, so dass die Lahmheit scheinbar nur auf einem Bein vorkommt. Sind beide Ellenbogengelenke gleichermaßen betroffen, fällt die Lahmheit zunächst vielleicht gar nicht so stark auf. Typisch kann auch ein paddelnder oder auch rudernder Gang sein, bei dem die Vorderbeine nach außen beim Laufen rudern.

Diagnose

Wie wird eine Ellenbogengelenkdysplasie (ED) diagnostiziert?

Eine Ellenbogendysplasie wird zunächst durch Lahmheiten an den Vorderbeinen offensichtlich.

Eine Diagnose erfolgt durch den Tierarzt, der bei einem jungen, schnell wachsenden Hund einer großen Rasse (siehe unten) mit auftretenden Lahmheiten an den Vorderbeinen entsprechende Untersuchungen auf ED vornehmen wird.  

Folgende Untersuchungen vom Tierarzt sind zur Diagnose einer ED sinnvoll: Eingehende körperliche Untersuchung des Hundes inkl. der Gelenke auf Schmerzempfindlichkeiten und Beweglichkeit, eine detaillierte Laufanalayse, um festzustellen, welches Gelenk die Schmerzen auslöst. 

Mithilfe einer Röntgenaufnahme am besten beider Ellenbogengelenke kann der Verdacht bestätigt werden. Ein CT kann Knochen- und Knorpelfragmente bei bestehendem Verdacht wesentlich besser darstellen, als eine Röntgenaufnahme. Ist jedoch auch wesentlich kostspieliger und der Hund muss in jedem Fall in eine Kurznarkose gelegt werden.

Es gibt unterschiedliche Schweregrade der ED:

  • Grad 0 = Normal (keine Osteophyten/Knorpelfragmente)
  • Grad 1 = Milde Arthrose (Osteophyten/Knorpelfragmente kleiner als 2mm)
  • Grad 2 = Moderate Arthrose (Ostephyten/Knorpelfragmente 2-5mm)
  • Grad 3 = Schwere Arthrose (Osteophyten/Knorpelfragmente über 5mm)

Therapie & Behandlung

Wie wird eine Ellenbogendysplasie (ED) beim Hund therapiert und behandelt?

Die Ellengelenksdysplasie ist nicht heilbar und eine Arthrose-Bildung kann in dem Gelenk langfristig nicht verhindert werden, aber es kann durch unterschiedliche Therapien eine Schmerzfreiheit und damit ein gutes Gangbild für eine lange Zeit in vielen Fällen erreicht werden. Ebenso kann die Bildung der Arthrose verlangsamt werden.

Leichte OCD-Erkrankungen ohne eine Knorpelschuppenbildung können bei einer Futterumstellung und bei Ruhe ausheilen. 

Wann kann eine operative Therapie bei Ellenbogengelenksdysplasie sinnvoll sein?

Eine OP wird aber dann empfehlenswert, wenn z.B. bereits entstandene Defekte wie Knorpelschuppen entfernt werden müssen. Dies entscheidet der Tierarzt gemeinsam mit dir.

Welche unterstützenden Maßnahmen kann ich bei einer Ellenbogengelenksdysplasie geben?

  1. Wie kann die Ernährung bei einer Ellenbogengelenksdysplasie (ED) helfen?

    Inwieweit die Fütterung einen Einfluss auf die Entstehung von ED hat, ist bisher nicht in Studien belegt und gilt durchaus als umstritten. In jedem Fall sollte die Ernährung insbesondere bei schnell-wachsenden großen Hunderassen immer darauf abzielen, eine zu schnelle Gewichtszunahme und ein sehr schnelles Wachstum (z.B. durch zu Protein- und energiereiche Nahrung) zu verhindern. Übergewicht, das bei jungen Hunden in schnelles Wachstum übergeht, sollte grundsätzlich zur Schonung der Gelenke vermieden werden.

    Je nach Endgewicht des Hundes gibt es individuelle Wachstumskurven, die du als Hundebesitzer für deinen Hund kennen und befolgen solltest. 
  1. Worauf sollte ich bei der Bewegung meines Hundes bei Ellenbogengelenksdysplasie achten?

    Weniger ist mehr: Wird eine ED diagnostiziert, sollte insbesondere in der Wachstumsphase auf verstärkte Ruhe geachtet werden. Besonders stark belastende Bewegungen wie Treppensteigen, aus dem Auto springen, ausgiebiges Toben mit anderen Hunden, Bällchenwerfen, Sprünge etc. sollten vermieden werden. Gerade bei sich noch im Wachstum befindlichen Hunden wird die Belastbarkeit häufig überschätzt, da der Welpe oder der Junghund scheinbar keine Müdigkeit zeigt.

    Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Hund gar nicht bewegt werden soll, denn die Muskeln sollen sich nach und nach langsam aufbauen, um die Gelenke zu unterstützen.  Pro Lebensmonat reichen aber 5 Minuten Spaziergang am Stück aus. 
  1. Schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente bei Ellenbogengelenksdysplasie

    Ebenso können schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente (wie z.B. Traumeel, Rimadyl, Onsior u.w.) helfen, damit die Gelenke wieder schmerzfrei vom Hund belastet werden. Denn, belastet der Hund sein Bein nicht, werden Muskeln, die das Gewebe und die Gelenke stützen, schnell abgebaut, was natürlich ebenfalls negative Auswirkungen hat. Allerdings haben die meisten schmerz- und entzündungshemmenden Medikamente, die bei Gelenkschmerzen wirken, Nebenwirkungen (z.B. auf Leber und Nieren), so dass sie entweder nicht dauerhaft gegeben werden können oder zumindest die Werte regelmäßig überprüft werden müssen. 

Diese Nahrungsergänzungsmittel können für Gelenke hilfreich sein

Es kann sehr sinnvoll sein, dem Hund Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente zur Knorpelregeneration zu geben. Allerdings haben Nahrungsergänzungsmittel keinen Arzneimittelstatus, was bedeutet, dass ihre Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden muss und meist keine bis wenige Studien vorliegen. Die folgenden Inhaltsstoffe werden zur Knorpelregeneration empfohlen:

Glucosamin

Ein natürlicher, in Gelenken vorkommender Aminozucker, der eine entzündungshemmende und knorpelaufbauende Wirkung nach 2-6 Monaten der Einnahme haben soll.

Chondroitin

Ein natürlicher, in den Gelenken vorkommender Stoff, soll entzündungshemmende und knorpelaufbauende Wirkungen haben, nach ca. 2-6 Monaten der Einnahme.

Omega-3 Fettsäuren

Hochwertige Omega-3 Fettsäuren aus Fischöl sollen den Körper bei der Hemmung von Entzündungen in den Gelenken unterstützen. Hierzu gibt es einige Studien bei Arthrose und Arthritis.

MSM (Methylsulfonylmethan)

MSM soll eine schmerzlindernde und entgiftende Wirkung haben. MSN enthält Schwefel, der wiederum Teil des Knorpels ist, so dass ein knorpelaufbauender Effekt vermutet wird. Dieser ist jedoch bisher nicht nachgewiesen worden.

Kollagen

Natives, nicht-denaturiertes Kollagen Typ 2 ist ein natürlicher Grundbaustein des Knorpels, der das Gelenk widerstandsfähiger macht. Dieses ist enthalten in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten. Es ist aber auch in der Nahrung enthalten, z.B. in Rinderkopfhautschwarten (diese am besten aus einem seriösen Futtergeschäft beziehen, damit nicht belastete Haut verwendet wird).

Hyaloronsäure

Hyaloronsäure ist ein wichtiger Bestandteil des Gelenkknorpels und der Gelenkflüssigkeit – sie ist ein wichtiger Bestandteil des Schmierstoffes für die Gelenke. Sie hat die Fähigkeit Wasser zu binden und besteht aus einer zuckerähnlichen Verbindung von D-Glucoronsäure und N-Acetyl-D-Glucosamin. Hyaloronsäure kann injektziert werden oder auch in Form von Tabletten verabreicht werden. Während es Studien zur Injektion in die Gelenke gibt, ist die Wirkung bei oraler Aufnahme bisher nicht belegt.

Vitamine & Spurenelemente

Für eine Versorgung der Gelenke mit Nährstoffen für die Knochen und den Knorpel gibt es einige besonders wichtige Vitamine und Spurenelemente. So ist Vitamin C für die Kollagenbildung im Körper wichtig, Kalzium benötigen die Knochen. Ebenso sind die Vitamine D und K, sowie die Spurenelemente Zink und Selen wichtig für den Aufbau und für den Erhalt der Knochen.

Prognose

Wie ist die Prognose bei einer Ellenbogengelenksdysplasie (ED) beim Hund? Wird mein Hund wieder gesund?

Die Prognose bei einer Ellenbogengelenksdysplasie ist abhängig davon, wie weit die Erkrankung bei Therapiebeginn fortgeschritten ist.

Gute Behandlungsresultate, wie Schmerzfreiheit des Hundes sind zu erwarten, wenn die Behandlung frühzeitig begonnen wird, noch bevor sich eine Osteoarthritis (eine degenerative Veränderungen im Gelenk) gebildet haben.

Bleibt die Ellenbogengelenksdysplasie unbehandelt, werden die Lahmheiten zunehmen.


Ursachen & Vorbeugung

Was sind die Ursachen einer Ellenbogengelenkdysplasie (ED) beim Hund? Kann ich vorbeugen?

Alle drei Formen der Ellenbogendysplasie (IPA, FCP und OCD) sind genetisch bedingt und damit erblich. Deshalb sind entsprechende Tests in vielen Zuchtverordnungen vorgesehen, damit betroffene Hunde von der Zucht ausgeschlossen werden können.

Allerdings kann der Schweregrad oder sogar das Ausbrechen der Ellenbogengelenkdysplasie insbesondere durch Fütterung und Bewegung des Hundes beeinflusst werden.

Wie kann die Fütterung die Ellenbogendysplasie beim Hund beeinflussen?

Junge Hunde, insbesondere wenn sie zu schweren, großen Rassen zählen, sollten nicht überfüttert werden.  Damit ist gemeint, dass die zu hohe Zufuhr von Energie, Mineralstoffen und Vitaminen ein zu schnelles Wachstum fördern kann, was zu typischen Wachstumserkrankungen führen kann. Daher ist es sinnvoll, gerade bei großen, schweren, schnell-wachsenden Hunderassen auf ein langsames Wachstum zu achten.

Hilfreich ist das regelmäßige Abgleichen des Gewichtes des Hundes mit der für die Rasse bzw. für das Endgewicht optimalen Wachstumskurve. Hiermit kann schnell eingegriffen werden, wenn das Gewicht über oder unter der optimalen Wachstumskurve liegt.

Es spielen auch viele weitere Faktoren wie z.B. das Kalzium-Phosphor-Verhältnis aber natürlich auch alle Nähr- und Aufbaustoffe für Gelenke und Knochen eine wichtige Rolle in der Ernährung. Wenn ihr euren Welpen Barfen möchtet, ist ein sehr durchdachter Plan wichtig. Auch bei der Wahl des fertigen Trocken- oder Nassfutters solltet ihr euch vorher genau informieren. Bei Fertigfutter stimmen oft die angegebenen Futtermengen nicht und die Zusammensetzungen und Inhalte unterscheiden sich stark. 

Wie kann Bewegung die Ellenbogengelenksdysplasie beim Hund beeinflussen?

Weniger ist mehr: In der Wachstumsphase sollte  verstärkt auf Ruhe geachtet werden. Weniger Bewegung bedeutet mehr Ruhe für die Gelenke gesund zu wachsen. Besonders stark belastende Bewegungen wie Treppensteigen, aus dem Auto springen, ausgiebiges Toben mit anderen Hunden, Sprünge etc. sollten in der Welpenzeit vermieden werden. Gerade bei noch im Wachstum befindlichen Hunden, wird die Belastbarkeit häufig überschätzt, da der Welpe oder der Junghund scheinbar keine Müdigkeit zeigt. Die noch weichen Knochen und Knorpel sollten aber nicht überbelastet werden.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass der Hund gar nicht bewegt werden soll, denn die Muskeln sollen sich nach und nach langsam aufbauen, um die Gelenke zu unterstützen.

Tipp: Pro Lebensmonat darf der Welpe bzw. der Junghund 5 Minuten am Stück Spazieren gehen. Macht lieber mehrere Spaziergänge pro Tag, dafür aber kürzere. Ein Junghund von 7 Monaten sollte nicht mehr als 35 Minuten am Stück gehen und dabei absolut nicht durchgehend mit anderen Hunden toben und spielen, was besonders belastend für die Gelenke ist. 

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunderassen

Bei welchen Hunderassen tritt eine Ellenbogen Dysplasie (ED) häufig auf? 

Krankhafte Veränderungen des Ellenbogengelenks finden verstärkt bei großen, schweren, schnellwachsenden Hunderassen auf. Sie können bei allen Hunderassen aufteten. Die folgenden Hunderassen sind jedoch verstärkt von der ED (Ellenbogengelenksdysplasie) betroffen:

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