Gesundheit

Hüftgelenksdysplasie (HD) – eine häufige Lahmheitsursache der Hinterbeine

Hüftgelenksdysplasie oder auch Hüftdysplasie (Kurzform: HD) ist eine gefürchtete und leider häufig vorkommende Gelenk-Erkrankung des Hundes. Es handelt sich um eine genetisch bedingte Fehlentwicklung des Hüftgelenks, die zu Schmerzen, Arthrosen und Lahmheit der Hinterbeine führen kann. Wie wird HD erkannt und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Was kann ich tun, wenn mein Hund HD hat?

HD ist durch das häufige Auftreten bei Deutschen Schäferhunden bekannt geworden, deren Rücken abfallend gezüchtet wurde

Beschreibung, Definition

Was ist eine Hüftdysplasie (HD) beim Hund?

Das Wort "Dysplasie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie schlechte (dys) Form (plasia). Bei einer HD liegt der Oberschenkelkopf nicht ausreichend tief und fest genug in der Hüftpfanne. Daran können unterschiedliche Fehlentwicklungen beteiligt sein: so kann die Hüftgelenkpfanne zu flach sein oder z.B. kann der Oberschenkelkopf deformiert sein oder auch im falschen Winkel liegen. Hierdurch kann sich das Hüftgelenk teilweise (Subluxation) oder auch komplett ausrenken (Luxation).

Ist ein Gelenklager zu locker, wird es auf Dauer ausgeschlagen. Durch die krankhafte Reibung des in sich lockeren Kugelgelenks kommt es zu einer Degeneration des Knorpels und letztendlich auch des Knochens. Es bilden sich schmerzhafte und entzündliche Verschleißerscheinungen, Arthrosen entstehen. Dabei gibt es HD gibt in unterschiedlichen Schweregraden und sie schreitet mit der Zeit immer weiter voran.

Bei jungen Hunden finden bei einer Lockerung im Gelenk zunächst Veränderungen an der Gelenkspfanne statt, die sich weitet. Wenn der Oberschenkelkopf nicht mehr in der Pfanne sauber geführt wird, entwickelt sich die schmerzhafte Arthrose. Bei einem fest liegenden Gelenk entwickelt sich dagegen keine HD.

Symptome

Wie äußert sich eine Hüftgelenkdysplasie? 

Die Symptome einer HD können unterschiedlich je nach Alter des Hundes, nach Schweregrad und Stadium der Erkrankung, sowie nach Schmerzempfinden deines Hundes ausfallen.

Folgende Symptome werden dir aber wahrscheinlich zuerst auffallen:

  • Akute Schübe von Lahmheit besonders nach stärkerer Belastung
  • Lahmheit kann sowohl nur an einem oder auch an beiden Hinterläufen auftreten
  • Bewegungsunlust des Hundes
  • Schwierigkeiten nach längerem Liegen beim Aufstehen
  • Der Gang des Hundes ist verändert (instabil, Wanken)
  • Schmerzen bei Spaziergängen, der Hund mag nicht weit laufen und Spielen
  • Bei länger bestehenden Lahmheiten baut sich die Muskulatur des Beckens und des Oberschenkels ab, die die Hüfte aber stabilisieren könnten

Wann treten erste Symptome bei einer bestehenden HD auf?

Hierfür gibt es keine generelle Antwort. Aber erste HD-Symptome in Form von Lahmheit können bereits beim Welpen oder Junghund auftreten. Je nach Grad und Schmerzempfinden können sie aber auch erst später beim älteren Hund auftreten.

Bei jungen Hunden können bereits in der Wachstumsphase (ca. 6. bis 12. Monat, gelegentlich auch früher) erste Schmerzen auftreten, wenn der Oberschenkelknochen-Kopf in der Hüftgelenkspfanne zu wenig Halt findet und die Nerven der Knochenhaut gereizt werden.

Daher ist es bei Lahmheiten im Welpen- und Junghundalter immer wichtig, diese vom Tierarzt abklären zu lassen.

Bei älteren Hunden entstehen die Schmerzen häufig aufgrund der gebildeten Arthrosen und der damit einhergehenden krankhaften Veränderungen des Knorpels und der Knochen.

Diagnose

Wie wird eine HD beim Hund diagnostiziert?

Eine HD kann mittlerweile durch einen Tierarzt bereits sehr früh festgestellt werden. Früher, und in vielen Zuchtverbänden auch heute noch, werden Hunde erst mit 12-18 Monaten durch eine Röntgenaufnahme der Hüfte auf Zuchttauglichkeit untersucht. Es gibt jedoch Tests und Analysen, die eine Instabilität der Hüfte, die später eine Arthrose ausbilden kann, schon früher feststellen können.

Diese medizinischen Tests gibt es zur Feststellung einer HD 

Zunächst wird dein Tierarzt sich das Gangbild deines Hundes ansehen (Gangbildanalyse), den Hund abtasten und manuelle Tests durchführen. Danach kann er gemeinsam mit dir entscheiden, ob auch eine weiterführende bildgebende Diagnostik sinnvoll ist.

Manuelle HD-Tests bereits beim Welpen möglich

Es gibt z.B. folgende manuelle Möglichkeiten, bei der die Stabilität des Hüftgelenkes des Hundes bereits sehr früh getestet werden kann. Hierbei untersucht der Tierarzt manuell den Hund in einer Kurznarkose, da die Oberschenkelmuskulatur dabei entspannt sein muss:  

  • Ortolani-Test

    Eine manuelle Untersuchung zur Feststellung von HD ab der 07.-08. Lebenswoche.
  • Bardens-Test

    Eine manuelle Untersuchung zur Feststellung von HD ab der 07.-08. Lebenswoche.

Bildgebende Diagnostik zur Feststellung von HD

Mithilfe von Röntgenbildern kann auch bereits früh eine HD beim Hund erkannt werden. Beim Röntgen kommt es auf die Methode und den möglichst frühen Zeitpunkt an, um eine Lockerung der Hüfte, die einer Arthrose fast immer vorangeht, zu beurteilen. Für ein aussagefähiges Röntgenbild müssen in jedem Fall die Muskeln entspannt sein und der Hund in eine Kurznarkose gelegt werden. Hier zwei Beispiele:

  • HD-Röntgen zur Zuchtzulassung nach VDH


    Im Alter von 12-18 Monaten wird ein sog. "gestrecktes" Röntgenbild der Hüfte angefertigt. Kritiker bemängeln, dass sich in dieser Position eine Lockerheit der Hüfte meist gar nicht erkennen lässt. Daher gebe es keine zuverlässige Beurteilung über eine HD. Außerdem könnte bei einer früheren Erkennung der HD auch wesentlich früher behandelt werden.
  • PennHIP-Verfahren (Pennsylvania Hip Improvement Programm)

    Dieses Röntgen-Verfahren aus den USA ermöglicht eine sehr genaue HD-Früherkennung und wird sehr langsam aber doch zunehmend auch offiziell zur Zuchtwertbestimmung bei Rassehunden in Europa eingesetzt. 
  • Lumbosakrale Übergangswirbel

    Mit dem Röntgen der Hüfte können gleichzeitig lumbosakrale Übergangswirbel festgestellt werden. Dies ist sinnvoll, da diese Übergangswirbel eine Verkippung des Beckens zur Folge haben können, was eine einseitige Hüftgelenksdysplasie (HD) zur Folge haben kann. Bei einigen Zuchtvereinen wird daher immer der Hund auf lumbosakrale Übergangswirbel untersucht. 

Klassifizierung der HD

Es gibt innerhalb der FCI folgende fünf Klassifizierungen der HD, die von den HD-Kommissionen eingesetzt wurden und auch im VDH Anwendung finden: 

                A (A1, A2)            =             HD-frei

                B (B1, B2)            =             HD-Verdacht, Übergangsform

                C (C1, C2)            =             leichtgradige HD

                D (D1, D2)           =             mittelgradige HD

                E                         =             hochgradige HD

Therapie & Behandlung

Wie wird eine Hüftgelenksdysplasie beim Hund therapiert und behandelt?

Je nach Alter, Schweregrad, Einschränkung und Schmerzempfinden des Hundes gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten für eine HD bei deinem Hund. So gibt es viele operative Ansätze, als auch konservative oder alternative Methoden.

Auch gibt es mittlerweile präventive Untersuchungen und Möglichkeiten, eine HD frühzeitig festzustellen und zu behandeln.

Denn generell gilt: Je früher eine HD erkannt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen auf ein schmerzfreies und möglichst wenig eingeschränktes Hundeleben. Ist das Gelenk aufgrund von Arthrose bereits geschädigt, kann es im Grunde nur durch Schmerzlinderung oder durch ein künstliches Hüftgelenk behandelt werden.

Aber der HD-Grad sagt nicht immer etwas über den Schmerz aus, den der Hund empfindet. Einige Hunde mit sehr schlechten Hüften im Röntgenbefund haben weniger Schmerzen als andere, deren Röntgenbilder nur leichte HD bescheinigen.

Auch wenn es keine Heilung für Hüftgelenksdysplasie beim Hund gibt, so gibt es doch Wege, zu behandeln und/oder den Schmerz erfolgreich einzudämmen. Für jeden Hund muss individuell die geeignete Therapie gemeinsam mit dem Tierarzt gefunden werden.

1. Schmerztherapie und Schmerz-Behandlungsmöglichkeiten der HD

Die Schmerztherapie behandelt zwar nicht die Fehlstellung des Hüftgelenks und der damit verbundenen Degenerationen, aber sie kann den Schmerz je nach Fall über einen langen Zeitraum soweit eindämmen, dass ein weitgehend normales Hundeleben möglich wird.

  • Medikamentöse Schmerztherapie

    Tierärzte verschreiben häufig die Gabe von herkömmlichen synthetischen schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten (z.B. Antiphlogistika), damit dein Hund vorerst normal und schmerzfrei gehen kann. Dies ist bei starken und insbesondere bei akuten Schmerzen natürlich auch sinnvoll. Ohne Schmerzen kann dein Hund wieder die für die Stabilität des Gelenkes wichtigen Muskeln aufbauen und natürlich soll kein Hund unnötig unter Schmerzen leiden müssen. Allerdings können diese Medikamente, obgleich sie auf eine langfristige Gabe angelegt sind, zu unerwünschten Nebenwirkungen führen und Leber und Nieren auf Dauer stark belasten. Deshalb ist es sinnvoller, zunächst pflanzliche Schmerz- und Entzündungshemmer auszuprobieren, die diese belastenden Nebenwirkungen kaum haben. 
  • Natürliche Schmerz- und Entzündungshemmer bevorzugen

    In der Natur gibt es viele Heilpflanzen wie Mädesüß, Weidenrinde, Weihrauch oder auch CBD-Öle aus Hanfpflanzen, die Hunde bei schmerzenden Gelenken hilfreich unterstützen können. Heilpflanzen können insbesondere Schmerzen lindern und Entzündungen hemmen und haben den Vorteil gegenüber herkömmlichen Schmerz- und Entzündungshemmern, dass sie selbst bei langfristiger Anwendung  weniger Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es insbesondere bei chronischen Gelenkerkrankungen immer ratsam, zunächst die Kraft der Natur wirken zu lassen, bevor ihr zu synthetischen Medikamente greift. Es gibt viele Produkte auf dem Markt, die mit diesen pflanzlichen Heilmitteln werben, doch nicht alle sind qualitativ gut und somit wirksam. 

    Unser Lese-Tipp: Arthrose & Gelenke: Wirksame Heilmittel der Natur.
  • Physiotherapie

    Mithilfe der Physiotherapie können die für das Hüftgelenk stabilisierenden Muskeln systematisch aufgebaut werden. Auch können schmerzlindernde Behandlungen erfolgen, um z.B. die angespannten Muskeln zu entspannen. 
  • Regenerative Therapien: Stammzellen, ACP & Co.

    Diese Therapien sollen durch Stimulation der eigenen Heilkräfte degenerative Gelenksentzündungen, wie sie bei HD entstehen, zurückdrängen. Beispiele hierfür sind:


    Stammzellentherapie
    Stammzellen haben den Vorteil gegenüber anderen Zellen, dass sie sich teilen und entwickeln. Die Knorpel- und knochenheilende Wirkung z.B. von Stammzellen, die aus Fettgewebe entnommen werden, ist in der Humanmedizin bereits untersucht. Allerdings ist diese Therapie recht kostspielig.

    Weitere Therapien, die ähnlich wie die Stammzellentherapie darauf basieren, körpereigene Stoffe zur Anregung der Regeneration zu verwenden sind z.B. ACP (Autologes Konditioniertes Plasma), Injektionen mit Hyaluronsäure (die allerdings nur körpereigenen Stoffen ähnlich ist) u.v.m.

 

2. Alternative Medizin bei HD - Goldakupunktur und Goldimplantate

Auch in der Alternativmedizin gibt es Therapien gegen die Schmerzen, auf die so mancher Tierarzt und Hundehalter schwören. Dabei sollte nicht verschwiegen werden, dass die Wirkung nicht wissenschaftlich bewiesen ist, wohl aber gute Erfahrungen damit gemacht wurden.

Gold wird seit Ende der 1970er Jahre bei Dysplasien und Arthrosen der Gelenke bei Hunden eingesetzt. Gold wird eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Diese Therapien sollten von erfahrenen Tierärzten durchgeführt werden. Sie sind leider kostspielig. 

  • Goldakupunktur bei Hüftgelenkdysplasie 

    Akupunktur kommt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ausgewählte Akupunktur-Punkte werden dabei stimuliert, um Schmerzen zu lindern. Die Goldakupunktur ist eine Dauer-Akupunktur, bei der Feinstgold-Stifte auf ausgewählte Akupunktur-Punkte tief ins Gewebe als Implantat gesetzt werden. Sie verbleiben dort und stimulieren dauerhaft die Akupunktur-Punkte. Gerade bei Arthrosen sind sehr gute Ergebnisse in der Schmerzminderung als auch im besten Fall im Fortschreiten der Arthrosen festgestellt worden. Bei der Durchführung einer Goldakupunktur muss der Hund in Kurznarkose gelegt werden, da er die Implantate absolut genau gesetzt werden müssen. Danach entstehen keinerlei Wunden. Sie kann auch zur Vermeidung von Arthrose bei jungen Hunden früh eingesetzt werden.

  • Goldimplantation bei Hüftgelenksdysplasie 

    Bei der Goldimplantation wird ähnlich vorgegangen wie bei der Goldakupunktur, allerdings werden die feinen Goldstifte nicht auf die Akupunktur-Punkte, sondern rund um das betroffene und schmerzhafte Gelenk implantiert.

3. Ergänzende Hilfsmöglichkeiten bei einer HD beim Hund 

  • Orthopädische Hundebetten

    Natürlich kann ein orthopädisches Hundebett die Hüfte deines Hundes nicht heilen. Aber es kann für den Hund sehr angenehm sein, auf einem für ihn optimal ausgestatteten Hundebett mit schmerzhaften Hüften über Nacht zu liegen. Zumal auch Wärme und Trockenheit den Schmerz lindern.
  • Wirksame Nahrungsergänzungsmittel bei Gelenkproblemen

    Es gibt Nahrungsergänzungsmittel für Hunde, die bei Gelenkerkrankungen unterstützend eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Medikamenten muss bei Nahrungsergänzungsmitteln die Wirksamkeit nicht nachgewiesen werden. Aufgrund der derzeitigen Studienlage und basierend auf Erfahrungen werden einige Wirkstoffe von Experten empfohlen. Sie sollen Entzündungen und die damit verbundenen Schmerzen in den Gelenken hemmen und die Gelenke besser schmieren können. Im besten Fall können sie auch den Abbau des Knorpels bremsen und den Körper beim Aufbau von Knorpel unterstützen. Zu diesen Wirkstoffen gehören Glukosaminoglykane wie Chondroitinsulfat und Glukosamin, MSM und Kollagen. Oft werden diese in Verbindung mit Vitamin C und Omega-3-Fettsäuren wirkungsvoller. Die Wirkung dieser Mittel ist nicht wissenschaftlich erwiesen, wird aber von vielen Tierärzten, die auf Orthopädie spezialisiert sind, empfohlen.

    Lese-Tipp: Arthrose & Gelenke: Wirksame Nahrungsergänzung für den Hund.
  • Kontrollierte Bewegung und gezielte Bewegung bei HD

    Nicht nur beim sich noch im Wachstum befindenden Hund ist kontrollierte Bewegung (egal, ob eine Disposition für eine Gelenkerkrankung besteht oder nicht) immer sinnvoll. Hat dein Hund für ihn schmerzhafte HD, hilfst du ihm am besten, wenn er keine großen Sprünge machen muss und z.B. keine Treppen steigt, nicht aus oder in das Auto springen muss, nicht zu viel spielt oder läuft. Was zu viel ist, bestimmt der Hund? Mitnichten, denn wenn dein Hund nicht starke Schmerzen hat, wird er sich immer mehr bewegen wollen, als seinen Gelenken vermutlich gut tun wird.

    Zuviel Ruhe ist auch nicht der beste Weg: Damit das Hüftgelenk so gut wie möglich stabilisiert wird, sind starke Muskeln in der Hinterhand hilfreich. Hier können sowohl Physiotherapie als auch gezielte Bewegung sehr hilfreich sein.
  • Gewichtskontrolle: Übergewicht schadet den erkrankten Gelenken

    Es ist nicht überraschend und auch keine neue Erkenntnis, dass Übergewicht Hunden schadet. Es verkürzt laut Studien nicht nur das Leben um bis zu 20%, sondern schadet auch erheblich den Gelenken, die das Zusatzgewicht täglich stemmen müssen. Wenn ihr eurem Hund etwas Gutes tun möchtet, achtet auf sein Gewicht. Gerade bei großen Rassen ist Übergewicht in Kombination mit Bewegung einfach schädlich. 

    Lese-Tipp: Abnehmen: Mit diesen 8 Tipps klappt es.

4. Operationsmethoden bei einer Hüftgelenksdysplasie (HD) 

Es gibt viele unterschiedliche Operationsmethoden bei einer HD. Welche davon die Richtige für deinen Hund ist, muss von dem Tierarzt deines Vertrauens individuell je nach Alter, Stadium, Art und Grad der Fehlstellung und nach Schmerzempfinden deines Hundes entschieden werden und nicht zuletzt muss leider wohl auch der Kostenpunkt beachtet werden. Hier stellen wir die bekanntesten Methoden einmal vor:

  • Frühe OP-Korrektur einer Fehlentwicklung der Hüften bei Welpen (Symphysiodese)

    Wird bei deinem Welpen in einem frühen Stadium bereits per Röntgen eine zu steil gestellte Hüftpfanne diagnostiziert, gibt es eine Behandlungsmethode, die eine HD-Entstehung eindämmen oder gar verhindern kann. Bei der Symphysiodese wird eine Wachstumsfuge des Beckens bei 16-20 Wochen alten Welpen chirurgisch inaktiviert, so dass die Entwicklung der Hüftgelenke in der Hauptwachstumsphase optimiert werden soll. Ziel ist es, die Hüfte so zu stabilisieren, dass eine Arthrose und HD gar nicht erst weiter entsteht. 
  • Pfannendachschwenkung: Osteotomie des Beckens

    Liegen noch keine arthritischen Veränderungen des Hüftgelenks vor, kann diese sehr aufwändige OP-Methode, mit der die Biomechanik des Hüftgelenks verändert wird, helfen. Sie wird daher meist nur bei Junghunden, die noch jünger als ein Jahr sind durchgeführt.

    a) Dreifache Beckenosteotomie (TPO= Triple Pelvic Osteotomy)

    Bei der dreifachen Beckenosteotomie werden an drei Stellen Beckenknochen durchgesägt: Darmbein, Schambein und Sitzbein. Die Hüftpfanne wird nun so gedreht, dass der Oberschenkelkopf optimal überdacht wird. Die durchgesägten Stellen werden mittels Stahlplatten in der gewünschten Position befestigt. Die neue Position stabilisiert das Hüftgelenk und soll weitgehend einem arthrotischem Verschleiß vorbeugen.

    b) Zweifache Beckenosteotomie (DPO=Double Pelvic Osteotomy)

    Bei der zweifachen Beckenosteotomie wird der Beckenknochen im Gegensatz zur TPO nur an zwei Stellen durchgesägt.

 

  • Kapselraffung zur Stabilisierung des Hüftgelenks bei Junghunden

    Die Gelenkkapsel des Hüftgelenks wird operativ gestrafft, wodurch ein Fortschreiten der HD und eines Gelenkverschleißes verhindert werden soll. Auch diese OP ist daher nur bei Jungtieren sinnvoll, bei denen die Arthrose im Gelenk noch nicht fortgeschritten ist. 
  • Schmerzfreiheit durch Nervendurchtrennung im Hüftgelenk (Denervation)

    Mit diesem Eingriff wird zwar die Fehlstellung des Hüftgelenkes nicht behandelt, aber der Schmerz in der Hüfte wird genommen. Dies hat den Vorteil, dass der Hund wieder Muskeln in der Hüfte aufbaut, die wiederum das Hüftgelenk stabilisieren. Auch kann eine Entstehung degenerativer arthritischer Gelenksveränderungen vermindert werden.

    Die Gelenkkapsel des Hüftgelenks ist von vielen feinen Nerven umgeben, die das Schmerzempfinden aus der Hüfte an die großen Nerven weiterleiten. Werden diese feinen Nerven mittels eines chirurgischen Einsatzes durchtrennt, verspürt der Hund meist keine Schmerzen mehr im Hüftgelenk. Die Denervation kann in einer OP an beiden Hüftgelenken durchgeführt werden. Meist müssen sie danach ca. 10 Tage an der Leine gehen. Es gibt bereits sehr schonende Eingriffe mittels Laser.

    Kritisiert wird an dieser Methode, dass sich nach Jahren neue feine Nerven bilden und die Schmerzen können dann erneut kommen. Allerdings ist dies auch abhängig von der Art, wie die OP durchgeführt wird. Kritisch gesehen wird auch, dass die Schmerzfreiheit zu einer Überbelastung führen kann, die wiederum das Gelenk überbelastet und die Arthrose schneller vorantreibt. Die Denervation wird oft auch mit der PIN-OP kombiniert. 
  • Muskeldurchtrennung zur Stabilisierung des Hüftgelenks: PIN-OP (Pectineus-Myektomie)

    Bei dieser OP wird ein Muskel an der Innenseite des Oberschenkels, der ihn nach innen zieht, durchtrennt oder ganz entnommen. Damit soll die Zugkraft nach innen vermindert und die Muskeln an der Außenseite gestärkt werden, damit der Oberschenkelkopf wieder tiefer in die Gelenkpfanne gedrückt wird. Das Hüftgelenk soll damit stabilisiert werden.

    Diese Methode wird zwar seit Jahren praktiziert, aber gerade beim jungen Hund auch oft kritisiert. Der Muskel sei gerade auch für eine Stabilität der Hüfte wichtig und damit führe die Muskeldurchtrennung genau zum gewünschten Gegenteil, nämlich zu einer Destabilisierung.   
  • Zugstabilisierung

    In dieser OP soll der Oberschenkelkopf in der Hüftgelenkspfanne durch Kunststoffbänder stabilisiert werden. Diese Kunststoffbänder werden am Oberschenkel und am Becken befestigt. Diese OP kann bei Hunden sinnvoll sein, bei denen andere OP-Methoden wie die TPO nicht mehr durchführbar sind.
  • Entfernung des Oberschenkelkopfes per OP zur Schmerzreduktion (Femurkopfresektion)

    Bei dieser OP wird der Gelenkkopf inkl. des Halses des Oberschenkelknochens abgesägt und entfernt. Damit können keine Schmerzen im kranken Gelenk entstehen. Während eines Zeitraums von ca. 2 Monaten soll sich die entstandene Lücke mit Bindegewebe füllen, die den Oberschenkelkopf ersetzt und den Hund wieder normal laufen lassen soll. Durch gezielte Bewegung am besten durch Physiotherapie soll sich das Bindegewebe schnell bilden.

  • Beckenspanplastik

    Bei dieser OP wird an der Hüftgelenkspfanne ein Knochenstück aus dem Becken befestigt, damit der Oberschenkelkopf nicht mehr aus der Gelenkpfanne herausrutschen kann. 
  • Künstliches Hüftgelenk (Hüftgelenkersatz, Hüft-Totalendoprothese, H-TEP)

    Häufig ist diese OP der letzte Ausweg. Sie ist leider recht teuer und birgt auch die Gefahr von Komplikationen. Ist die Hüfte des Hundes bereits durch Arthrose stark degeneriert und der Hund leidet an Schmerzen und alle anderen Möglichkeiten sind ausprobiert worden, kann ein künstliches Hüftgelenk das Mittel der Wahl werden.

    Diese OP würde in der Regel beim älteren Hund stattfinden, doch können erhebliche Komplikationen wie Infektionen, Brüche oder ungewünschte Ergebnisse vorkommen. Die schmerzhaften und krankhaft veränderten Teile des Hüftgelenks werden hierbei durch eine Prothese ersetzt.

    Auch hier gibt es unterschiedliche OP-Verfahren, die sich ständig weiterentwickeln. Das künstliche Hüftgelenk ist sicher eine der teuersten OPs, kann aber bei einer bereits schweren Schädigung der einzige Weg zu einem normalen Hundeleben sein. 

Wie teuer ist eine HD-OP beim Hund?

Die Frage ist sehr verständlich, denn es ist zum Verzweifeln, wenn du deinem Hund aus Kostengründen nicht helfen kannst. Allerdings variieren die Kosten sehr stark je nach OP-Variante und Tierklinik, so dass sie nicht pauschal zu beantworten ist. Doch können OPs schnell auch 1.000 EUR übersteigen, zumal bildgebende Diagnostik häufig vorausgeht, womit Röntgen oder MRT oder auch CT gemeint sind. Auch sind Nachbehandlungen und Physiotherapien danach nicht kostenfrei. Eine neue Hüfte kann auch über 3.000 EUR kosten.

Da HD-OPs sehr teuer sind, ist das Abschließen einer Tierkrankenversicherung sicherlich der beste Weg, um hohe Tierarzt- oder OP-Kosten bei deinem Hund später ersetzt zu bekommen. Seitdem ich einen Bänderriss und eine OCD bei meinem Junghund Lilly operieren lassen musste, würde ich in Zukunft immer eine Tierkrankenversicherung sofort beim Welpen abschließen. Welche Operationen die Krankenversicherung tatsächlich trägt, ist jedoch von dem jeweiligen Vertrag abhängig.

Falls dies aber nicht der bei dir der Fall ist, könntest du einen Kredit oder auch Ratenzahlung in Erwägung ziehen und solltest dies auch immer mit der Klinik oder dem Tierarzt vorher besprechen. Einige Kliniken und Tierärzte bieten dieses im Notfall auch an. 

Prognose

Wie ist die Prognose bei einer Hüftdysplasie beim Hund? Wird mein Hund wieder gesund laufen können?

Eine einmal aufgetretene HD wird beim Hund nicht mehr von allein ausheilen, sondern mit der Zeit weiter fortschreiten, da es sich leider um eine degenerative Erkrankung handelt.

Allerdings gibt es unterschiedliche Schweregrade und es ist nicht zuletzt auch vom Schmerzempfinden des Hundes abhängig, ob überhaupt Einschränkungen im Gang und damit im Alltag deines Hundes sichtbar werden.

Und es gibt Hoffnung, denn je früher eine HD erkannt wird - und es gibt mittlerweile viele Methoden, diese frühzeitig festzustellen - desto höher sind die Chancen, die Erkrankung durch unterschiedliche Maßnahmen so einzudämmen, dass dein Hund auch mit HD über einen langen Zeitraum ein glückliches Leben führen kann.

Ich kenne eine Picard-Hündin, die von der Zucht ausgeschlossen wurde, da bei ihr hochgradige HD diagnostiziert wurde. Sie zeigte aber Zeit ihres Lebens nie Schmerzen oder Lahmheit und ist mit ihrem Herrchen fröhlich durch den Wald gejoggt. Sie wurde 13 Jahre alt. Ebenso kann leider aber auch eine schwache HD bei einem anderen Hund bereits zu Einschränkungen und Schmerzempfinden führen.

Ursachen & Vorbeugung

Was sind die Ursachen einer Hüftgelenk-Dysplasie beim Hund? Kann ich vorbeugen?

Die HD ist genetisch bedingt und wird bereits von den Elterntieren vererbt. So gesehen hast du nur bei der Auswahl deines Welpen und der genauen Betrachtung valider HD-Tests der Elterntiere eine Chance, auf einen HD-freien Hund. Aber auf welche Tests kann ich mich verlassen?

Warum wird diese so häufig vorkommende Gelenk-Erkrankung nicht besser eingedämmt?

Verbände wie der VDH (Verband für das deutsche Hundewesen) und die GRSK (Gesellschaft zur Röntgendiagnostik erblich bedingter Skeletterkrankungen) haben in den vergangenen Jahren versucht, HD bei deutschen Rassehunden einzudämmen. Dies wurde mittels eines HD-Röntgenverfahrens versucht, dass Züchter bei ihren Hunden im Alter von 18 Monaten anwenden können und dessen Ergebnisse auch festgehalten werden.

Kritisiert wird an diesen Maßnahmen jedoch, dass das Röntgen viel zu spät im Alter des Hundes und auch mit einem Röntgenbild in der vorgeschriebenen Hüfthaltung zu ungenau und auch zu subjektiv erfolgt. Eine lockere Hüfte, die zu einer Arthrose führen kann, wird hier nicht gut genug erkannt und dadurch werden Hunde mit einer lockeren Hüfte und Fehlstellungen zur Zucht zugelassen und HD zu wenig eingegrenzt. Außerdem werden Hunde von einigen Zuchtverbänden auch mit unterschiedlichen HD-Graden noch ganz offiziell zugelassen.

Gibt es genetische Tests, die eindeutig eine HD-Disposition der Elterntiere zeigen könnten?

Genetische Tests könnten eindeutig eine Prädisposition bei Zuchthunden bestimmen. Die Vererbung von HD liegt auf mehreren Genen (sie ist polygenetisch) und die Wissenschaft weiß bisher noch nicht, welche Gene genau involviert sind. Daher gibt es keine eindeutigen Gentests, sondern nur tierärztliche Untersuchungen.

Um HD einzudämmen ist es deshalb besonders wichtig, dass mit HD-freien Hunden gezüchtet wird. Viele Zuchtverbände verlangen zwar HD-Tests zur Zuchtzulassung, aber leider absolut nicht alle. Abgesehen davon sind die HD-Tests sehr unterschiedlich in ihrer Qualität und Aussage. 

Je früher eine HD erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden 

Viele Tierärzte bieten orthopädische Vorsorgeuntersuchungen an. Ob dein Hund diese benötigt, kannst du mit deinem Tierarzt am besten entscheiden. Diese sollte zwischen 4-12 Monaten stattfinden. Ziel ist es, Fehlstellungen und Fehlentwicklungen frühzeitig über Röntgen zu erkennen und in die richtigen Bahnen zu lenken.  In dieser Zeit sind noch keine Arthrosen im Gelenk und es können gegebenfalls noch nötige Korrekturen vorgenommen werden. 

Diese Faktoren können eine Fehlentwicklung der Gelenke und HD fördern 

Folgende Faktoren können eine Fehlentwicklung der Gelenke bei einer genetischen Disposition für HD begünstigen:

  • Zu schnelle Gewichtszunahme in den ersten 12 Lebensmonaten

    Nimmt der Junghund durch die Ernährung zu schnell an Gewicht zu, wird die degenerative Entwicklung der Gelenke gefördert, sofern der Hund aufgrund seiner genetischen Veranlagung zu HD neigt. Ein Hund, der keine genetische Disposition für HD hat, wird durch falsche Fütterung allerdings auch aller Wahrscheinlichkeit nach keine HD entwickeln.

    Es gibt optimale Wachstumskurven für die Hunderassen, die abhängig von ihrem jeweiligen Endgewicht und damit natürlich auch von ihrer Hunderasse sind. Daher ist es sinnvoll, das Gewicht des Welpen und Junghundes wöchentlich zu kontrollieren und mit der optimalen Wachstumskurve abzugleichen. Dann kann die Futterration entsprechend so angepasst werden, so dass der Junghund nicht zu schnell wächst und an Gewicht zunimmt.

    Hunde, die langsam wachsen, erkranken weniger stark an HD. Somit kann ein Hund mit einer genetischen Disposition für HD durchaus durch eine ausgewogene Fütterung vor einem zu starken Ausbruch der Erkrankung geschützt werden. Trotzdem sollten alle Nährstoffe in einem guten Verhältnis zugeführt werden. 
  • Das richtige Verhältnis: Kalzium und Phosphor-Gehalt der Nahrung

    Ein zu hoher als auch ein zu niedriger Kalzium-Gehalt des Futters ist nachweislich schlecht für die Entwicklung der Gelenke und Knochen.

    Aber Vorsicht, jetzt wird es kompliziert, denn Kalzium soll mit Phosphor im richtigen Verhältnis stehen und ein Hund in der Entwicklung hat individuelle Bedürfnisse an den Kalzium und Phosphor-Gehalt seiner Nahrung. Phosphor und Kalzium werden  unterschiedlich aus frischer Nahrung (BARF) und aus Fertigfutter absorbiert. Im Frischfutter ist ein Verhältnis von 1:1 ausreichend. Dies kann jedoch beim Fertigfutter anders aussehen. 
  • Zu viel Bewegung des Junghundes

    Auch wenn es meist gut gemeint ist, so soll ein Junghund nur in Maßen bewegt werden. Ein Zuviel schadet den Gelenken, die noch in der Entwicklung sind. Muskeln sollen natürlich ausgebildet werden, aber dies erfolgt später und gezielt. Schaut man auf das Leben der Wölfe, so unternehmen Jungwölfe noch keine großen Streifzüge mit ihren Eltern, spielen aber durchaus mit ihren Wurfgeschwistern. Junghunde wirken oft leider unermüdlich und können ihre Kräfte nicht richtig einschätzen. Deshalb sind die Halter gefragt, den Kleinen Ruhe beizubringen und die Bewegung nicht zu übertreiben. 

    Dass zu viel Aktivität HD verursachen kann, wie manche Züchter behaupten, ist jedoch weder bewiesen noch aus meiner Sicht logisch. Ein gesundes Hüftgelenk kann Bewegung und Spielen vertragen, diese natürlich aber in Maßen. 
  • Last, not least: Übergewicht schadet den Gelenken und führt zu Schmerzen bei HD-Hunden

    Übergewicht belastet die ohnehin geschwächten Gelenke bei einer HD zusätzlich. Daher sollte insbesondere bei einem Hund mit HD verstärkt auf eine Gewichtskontrolle geachtet werden.

     

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunderassen

Bei welchen Hunderassen tritt eine Hüftgelenksdysplasie häufig auf? 

Die Hüftgelenksdysplasie kann bei jeder Hunderasse auftreten. Sie kommt insbesondere bei großen und schweren Hunderassen, die schnell wachsen vor, wie z.B.:

Häufig werden Deutsche Schäferhunde mit HD in Verbindung gebracht, da bei ihnen die Erkrankung zuerst gehäuft auftrat. Dies wurde durch die Zuchtziele einer abfallenden Hüfte leider massiv gefördert. Aber mittlerweile sind andere Hunderassen stärker betroffen als der Deutsche Schäferhund.

Auch kleinere Hunderassen wie der sind z.T. sehr stark von HD betroffen:

In den USA hat die OFA (Orthopedic Foundation for Animals) pro Rasse mindestens 50 Fälle von 1974-2019 registriert und gemessen. Hiernach sind die folgenden 10 Rassen am stärksten und am häufigsten von HD befallen:

  1. Mops
  2. Englische Bulldogge
  3. Alte Englische Bulldogge
  4. Bordeaux-Dogge
  5. Neapolitano
  6. Belgischer Griffon
  7. Bernhardiner
  8. Otterhound
  9. Clumber Spaniel
  10. Black Russian Terrier 

Es kann leider fast jede Hunderasse treffen und ist abhängig davon, wie verantwortungsvoll Züchter mit dieser Erkrankung umgehen und testen. Übrigens sind in den USA Sibirische Huskies, Greyhounds, Salukis und Rhodesian Ridgeback eher seltener betroffen.

Für Europa liegen uns leider derzeit keine übergreifenden Studien für die von HD betroffenen Hunderassen vor. 

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