Gesundheit

Merle - trendige Farben mit möglichen gesundheitlichen Folgen

Hunde mit individueller Fellzeichnung, strahlend blauen Augen oder auch unterschiedlich farbigen Augen liegen im Trend und sind sehr gefragt. Dass jedoch die Genmutation auf dem Merle-Gen, die zu diesen farblichen Veränderungen führt, mit teilweise starken gesundheitlichen Problemen einhergehen kann, ist nicht allen bekannt.

Die Merle-Vererbung ist sehr viel komplexer als bisher angenommen. Die neuere Wissenschaft zeigt, dass es viele unterschiedliche Merle-Varianten und Ausprägungen gibt, wobei nicht alle gesundheitliche Risiken mit sich bringen müssen.

Worauf ist aber bei Merle-Hunden zu achten und wann ist die Zucht mit einem Gendefekt, der zu starken gesundheitlichen Problemen führen kann, vertretbar?

Merle-Zucht gehört in erfahrene Hände: Collie-Mutter und Welpe mit typischer Merle-Färbung und zwei blauen Augen

Beschreibung, Definition

Das bedeutet der Merle-Faktor beim Hund

Merlefarbene Hunde gibt es schon seit langer Zeit und in vielen Ländern der Erde. Insbesondere Hütehunde wie Collies besitzen häufig die interessante Fell-Färbung, die mit hellen Augen einhergehen kann. Bei typischen Merle-Hunden ist die dunkle Grundfarbe des Fells zum Teil aufgehellt, so dass es zu grauen Sprenkelungen und zerrissen wirkenden, unregelmäßigen Farbflecken auf dem Fell kommt. Bei immer mehr Hunderassen werden die begehrten Farben wie "blue merle", "red merle" oder auch "silver" angeboten.

Genetisch-medizinische Sicht auf Merle

Medizinisch gesehen entstehen die Farbveränderungen durch einen Defekt im Silver-Locus-Gen, auch bekannt als SILV-Gen oder genauer als PMEL 17. Hier lagert sich eine zusätzliche Gen-Sequenz ein (eine sogenannte SINE-Insertion), die nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen unterschiedliche Längen haben kann. Die Gen-Längen werden in Basenpaaren (bp) festgelegt. Die heutige Wissenschaft geht derzeit davon aus, dass sowohl die Merle-Zeichnung und Farben als auch die möglichen gesundheitlichen Probleme stärker werden, je länger die zusätzliche Gen-Sequenz ist.

Grundsätzliches zur Vererbungslehre von Merle

Genetische Informationen des Gens befinden sich in den Allelen, die für jedes Gen grundsätzlich doppelt vorkommen. Es gibt immer einen doppelten Satz an Informationen für dasselbe Gen, wobei ein Allel vom Vater und eines von der Mutter vererbt wird. Allele können stark (dominant) oder schwach (rezessiv) sein. Ein dominantes Allel setzt sich immer gegenüber dem schwachen Allel durch, während schwache Allele nur zum Zug kommen, wenn kein dominantes Allel vorhanden ist. Die Schreibweise der Allele spiegelt auch wider, ob sie dominant (Großschreibung) oder rezessiv (Kleinschreibung) sind. Merle (M) ist im Gegensatz zu Nicht-Merle (m) dominant und setzt sich immer durch. Ein Hund ist mischerbig (heterozygot) auf Merle, wenn die beiden Allele unterschiedlich sind, so z.B. wenn er Merle von einem Elternteil erbt und vom anderen nicht (M/m). Ein Hund ist reinerbig, wenn beide Allele gleich sind. Dann hat er von Vater und Mutter das Gen geerbt. Reinerbig Merle wäre also (M/M).

Nun gibt es jedoch nach neuester Forschung sechs Gen-Varianten von Merle: Mc, Mc+, Ma, Ma+, M und Mh. Diese unterscheiden sich in ihrer Länge, die in Basenpaaren (bp) gemessen wird. Es entstehen damit sehr viel mehr Gen-Variationen als nur (m/m) = homozygot kein Merle, (M/M) = homozygot Merle und (M/m) = heterozygot Merle. In Abhängigkeit zu diesen Variationen der Gene gibt es unterschiedliche äußerliche Ausprägungen (Phänotypen) und auch der gesundheitlichen Auswirkungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Merle-Träger äußerlich nicht immer erkennbar sein müssen.

Kleines Genetik-Lexikon für Merle

  • Phänotyp = äußeres Erscheinungsbild
  • Genotyp = Abschnitt genetischer Information, der für eine Merkmalsausprägung verantwortlich ist.
  • Allel = Genetische Information im Gen. Allele kommen für ein Gen grundsätzlich doppelt vor. Eines wird vom Vater, eines von der Mutter vererbt. Es gibt dominante und rezessive Allele. Dominante Allele setzen sich gegenüber dem rezessiven (schwachen) Allel durch. Schwache Allele können sich nur dann durchsetzen, wenn kein dominantes Allel vorhanden ist. Allele werden mit einem Buchstaben benannt. Die Schreibweise für dominante Allele ist immer ein Großbuchstabe, für rezessive Allele immer ein Kleinbuchstabe.
  • Homozygot = Reinerbig, die beiden Allele sind gleich.
  • Heterozygot = Mischerbig, die beiden Allele sind unterschiedlich.
  • Eumelanin = Farbpigment, das für schwarz-braune Färbung zuständig ist. Dieses Pigment wird vom Merle-Gen aufgehellt.
  • Phäomelanin = Farbpigment, das für braun-gelbe Färbung zuständig ist. Dieses Pigment wird in der Regel nicht vom Merle-Gen aufgehellt.

In den meisten Fällen ist ein Hund, der nur von einem Elternteil Merle geerbt hat (heterozygot), auch nicht von gesundheitlichen Folgen des Merle-Gens betroffen.

Doch Hunde, die von ihren Elterntieren beide Merle-Gene vererbt bekommen (homozygot), können leider zu häufig gesundheitlich sehr schwer geschädigt zur Welt kommen. Ihnen fehlen Pigmentzellen, was zu teilweise schweren Missbildungen insbesondere an den Ohren und Augen führen kann. Deshalb ist es aus Sicht des Tierschutzes wichtig, keine Merle-Träger miteinander zu verpaaren.

Doch aufgrund der in der neuen Wissenschaft herausgefundenen vielen Variationen des Merle-Gens mit unterschiedlichen Längen und unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen, ist der Fall wesentlich komplizierter geworden. 

Die Merle-Farbe ist abhängig von der Grundfarbe und muss nicht bei jedem Hund sichtbar sein

Das Merle-Gen hellt das Farbpigment Eumelanin, das für eine schwarz-braune Färbung des Fells sorgt, auf. Fellbereiche, die das dunkle Farb-Pigment Eumelanin enthalten, werden durch das Merle-Gen aufgehellt. Die dunklen Fellbereiche, die Eumelanin enthalten, werden durch das Merle-Gen braun oder grau (silbergrau) und es können weiße Abzeichen, Flecken, Sprenkelungen und Marmorierungen im Fell entstehen. Auch die Farbe der Augen kann sich verändern. Sie kann einfarbig braun bleiben oder einfarbig blau werden. Auch ein blaues und ein braunes Auge oder aber blau und braun marmoriert in einem oder in beiden Augen sind mögliche Farbvarianten.

So entsteht die sehr beliebte graue Sprenkelung mit einer zerrissenen Aufhellung in ursprünglich dunklen Fellbereichen, die als merle bekannt und beliebt ist. Der Merle-Faktor ist vielen mehr als Merle-Fellfarbe bekannt, doch die seltenen Augenfarben von Merle-Hunden sind für viele Menschen ein Hingucker und Kriterium für den Kauf.

Fellbereiche, die das Farb-Pigment Phäomelanin enthalten, werden durch das Merle-Gen äußerlich in der Regel nicht verändert. Phäomelanin ist für eine beige, goldene, braune Färbung des Fells zuständig. Dies wird insbesondere dann relevant, wenn Hunde Träger des Merle-Gens sein können, dieses äußerlich aber gar nicht erkennbar ist. Es gibt Träger des Merle-Gens, die sich in der Fellfarbe unauffällig verhalten. Häufig ist dies bei gelben oder rotbraunen Hunden der Fall, so z.B. bei den sogenannten Zobel-Merles.

Merle kann zu starken gesundheitlichen Problemen führen

Doch unter bestimmten Bedingungen bringt der Merle-Faktor gesundheitliche Probleme für den Hund, die je nach Kombination der Gene und Art der Gen-Mutation sehr stark ausfallen können. Sie können sowohl das Gehör als auch die Augen betreffen und im schlimmsten Fall zu tauben und blinden Welpen führen. Am häufigsten ist dies der Fall, wenn der Welpe von beiden Elternteilen das Merle-Gen vererbt bekommt.  Deshalb sind Merle-Verpaarungen häufig verboten und widersprechen dem Tierschutzgesetz, das Qualzuchten untersagt.

Neueste Forschung: Merle tritt in vielen Varianten auf

Doch so einfach ist es leider nicht, denn es gibt bisher sechs erforschte unterschiedliche Varianten des Gens. Diese können in seltenen Fällen bereits bei der Vererbung durch ein Elterntier zu gesundheitlichen Problemen führen. Je nach Variation der Merle-Gene kann eine Vererbung von zwei Elterntieren aber auch zu geringen gesundheitlichen Risiken führen.

Das Merle-Gen kann sich je nach Gen-Variante und Hund sehr unterschiedlich zeigen. Bei schwarzen Hunden können sich unregelmäßige, zerrissen wirkende graue Flecken bilden. Es kann aber auch ein silbergrauer Farbton entstehen. Bei braunen Hunden zeigen sich wiederum hellbraune oder beige Flecken.

Die jüngere Wissenschaft hat herausgefunden, dass je länger die Gen-Varianten sind, desto höher wird das gesundheitliche Risiko. Deshalb ist bei der Zucht mit Merle-Hunden Fachwissen notwendig, dass durch Gen-Tests gestützt werden sollte.

Im Folgenden findet ihr eine Übersicht der Merle-Gen-Varianten geordnet nach ihrer Länge. Die längsten Basenpaare haben das klassische Merle und das Harlekin-Merle.

MERLE-GENLÄNGEN

Mc
Cryptisches Merle

Mc+
Cryptisches Merle

Ma
Atypisches Merle

Ma+
Atypisches Merle

M
Klassisches Merle

Mh
Harlekin-Merle

Basenpaarlänge

bp 200-246

bp 200-246

bp 247-264

bp 247-264

bp 265-269

bp 270-280

 

Die Merle-Gen Varianten in der Übersicht:

  1. Klassische Merle-Hunde (M), bp 265-269

    • Aussehen: Klassische Merle-Hunde haben große vollständig gefärbte Fellbereiche, zwischen denen Fellbereiche mit aufgehellter Farbe liegen. Die Grundfarbe des Fells wird durch unregelmäßige und zerrissen erscheinende Farbflecken aufgehellt. Die Farbflecken sind dabei zufällig auf dem Körper verteilt. Es kann auch nur in wenigen Bereichen eine Aufhellung der ursprünglichen Fellfarbe stattfinden.
    • Genomik: Klassische Merle-Hunde tragen das Merle-Gen M mit einer Basenpaarlänge von 265-269.
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Bei heterozygoten Genotypen (nur ein Merle-Gen ist vorhanden von einem Elternteil), können bisher keine gesundheitlichen Einschränkungen festgestellt werden.
    • Verpaarung/Zucht: Doch dürfen Hunde mit dem heterozygoten Genotyp M nicht mit anderen Merle-Genträgern verpaart werden, da ihre Welpen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Einschränkungen aufweisen werden. Deshalb dürfen Merle-Hunde M nur mit Nicht-Merle-Trägern verpaart werden. Lediglich bei einer Verpaarung mit Mc und Mc+ ist das Risiko geringer, aber leider noch vorhanden. Eine Verpaarung mit einem klassischem Merle-Genträger (M) oder mit einem Harlekin Merle-Hund (Mh) – also mit Trägern des Merle-Gens mit langen Basenpaaren führt zu den sogenannten Weißtigern, die unter starken gesundheitlichen Einschränkungen zur Welt kommen. 
  1. Harlekin Merle-Hunde (Mh), bp 270-280

    • Aussehen: Bei Harlekin-Hunden sieht man sehr häufig große und vollständig pigmentierten Farbplatten auf weißem Fell.Doch es gibt Varianten bei Harlekin Merle, wie z.B. „Minimal Merle“, wo das Merle-Muster nur in einem kleinen Haarbereich vorkommt oder sogar überlagert wird. Auch ein Mosaik-Merle ist bei Harlekin Merle-Hunden möglich: es kommt zu dem „Patchwork“- oder auch „Tweed“-Muster, bei dem Merle-Flecken in unterschiedlichen Farben vorkommen können.
    • Genomik: Harlekin Merle-Hunde tragen das dominante Merle-Gen Mh mit einer Basenpaarlänge von 270-280. Dies ist die längste und daher leider auch die am häufigsten mit gesundheitlichen Einschränkungen verbundene Merle-Form.
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Sowohl bei heterozygoten Genotypen (nur ein Merle-Gen ist vorhanden von einem Elternteil) als auch bei homozygoten (beide Elternteile haben das Merle-Gen), können gesundheitliche Einschränkungen auftreten.
    • Verpaarung/Zucht: Hunde mit dem heterozygoten Genotyp Mh sollten nicht mit anderen Merle-Genträgern verpaart werden, da ihre Welpen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Einschränkungen aufweisen werden. Lediglich bei den kurzen Basenpaaren der Merle-Hunde Mc und Mc+ ist das Risiko einer gesundheitlichen Einschränkung geringer. Eine Verpaarung mit einem klassischem Merle-Genträger (M) oder mit einem Harlekin Merle-Hund (Mh) – also mit Trägern des Merle-Gens mit langen Basenpaaren, führt zu den sogenannten Weißtigern, die unter sehr starken gesundheitlichen Einschränkungen zur Welt kommen können. 
  1. Atypische Merle-Hunde (Ma) bp 247-254 und (Ma+) bp 255-264

    • Aussehen: Bei Atypischen heterozygoten Merle-Hunden (nur ein Elternteil war Merle) zeigt sich häufig gar keine optische Veränderung. Es unterscheiden sich jedoch Ma (keine Veränderung) und Ma+, das eine Aufhellung des Fells und eine leichte Merle-Zeichnung verursachen kann.
    • Genomik: Atypische Merle-Hunde tragen das Merle-Gen Ma mit einer Basenpaarlänge von 247-254 oder Ma+ mit einer Basenpaarlänge von 255-264.
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Bei heterozygoten Genotypen (nur ein Merle-Gen ist vorhanden von einem Elternteil) sind bisher keine gesundheitlichen Einschränkungen bekannt.
    • Verpaarung/Zucht: Hunde mit dem heterozygoten Genotyp Ma oder Ma+ sollten nicht mit anderen Merle-Genträgern verpaart werden, da ihre Welpen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Einschränkungen aufweisen werden. Lediglich bei einer Verpaarung mit Merle-Hunden des Typs Mc und Mc+ ist das Risiko ein wenig geringer. 
  1. Cryptische Merle-Hunde (Mc) bp 200-230 und (Mc+) bp 231-246

    Die cryptische Merle-Genvariante wird häufig auch „maskiert“, „ghost“, „phantom“ oder einfach versteckt genannt.

    • Aussehen: Bei Cryptischen, heterozygoten Merle-Hunden (nur ein Elternteil ist Merle) zeigt sich häufig gar keine optische Veränderung. Es unterscheiden sich dabei Mc (keine Veränderung) und Mc+, das eine Aufhellung des Fells und eine leichte Merle-Zeichnung haben kann, aber nicht muss.
    • Genomik: Cryptische Merle-Hunde tragen das Merle-Gen Mc mit einer Basenpaarlänge von 200-230 oder das Merle-Gen Mc+ mit einer Basenpaarlänge von 231-246. Diese sind die kürzesten Basenpaarlängen des Merle-Gens.
    • Gesundheitliche Einschränkungen: Bei heterozygoten Genotypen (nur ein Merle-Gen ist vorhanden von einem Elternteil) sind bisher keine gesundheitlichen Einschränkungen bekannt.
    • Verpaarung/Zucht: Bei Hunden mit dem heterozygoten Genotyp Mc oder Mc+ liegt eine sehr kurze Merle-Gen-Sequenz vor. Deshalb können sie mit anderen Merle-Varianten, die ebenfalls kurz sind nach neuesten Erkenntnissen verpaart werden. Ein Mc-Träger sollte daher nicht mit einem Mh-Träger (längste Basenkette) verpaart werden. Mc+ gilt in der Verpaarung mit Mc, Mc+ und Ma als gesundheitlich unbedenklich, während Verpaarungen mit längeren Gen-Varianten wie Ma+, M oder Mh als gesundheitlich riskant gelten.

Kein Merle-Hund: Wildtyp-Allel m

  • Aussehen: Es kommt zu keiner Veränderung am SILV-Gen und die Pigmentbildung ist normal. Die Hunde haben ihre normale, ursprüngliche Fellfärbung und keinerlei Aufhellung.
  • Genomik: Die Normalform des Gens ist m, was non-merle, also ein Nichtvorhandensein des Merle-Gens bedeutet. „m“ ist dabei rezessiv und wird von dominanten Allelen verdrängt. Der Genotyp ist m/m und enthält zwei rezessive Allele im SILV-Gen.
  • Gesundheitliche Einschränkungen: Keine auf Basis von Merle, da kein Merle-Gen vorhanden ist
  • Verpaarung/Zucht: Nicht Merle-Träger können mit allen Merle-Gen-Varianten verpaart werden und es ist so gut wie gar nicht mit gesundheitlichen Einschränkungen auf Basis des Merle-Gens zu rechnen. Allerdings ist bei einer Verpaarung mit Mh (Harlekin) in seltenen Fällen mit gesundheitlichen Einschränkungen zu rechnen.  

Symptome

Gesundheitliche Folgen des Merle-Faktors

Die folgenden Symptome können bei Welpen von Geburt an auftreten, wenn sie aus einer Merle-Merle-Verpaarung stammen. Dies bedeutet, dass beide Elterntiere das Merle-Gen auf den Welpen vererben (homozygot). Dabei ist es von den Varianten des Merle-Gens und der Länge der Basenpaare abhängig, wie stark und wie wahrscheinlich die gesundheitlichen Schäden beim Welpen sind.

Nur bei der Variante Harlekin-Merle (Mh) sind bisher auch heterozygot (nur ein Elternteil vererbt Merle) gesundheitliche Schäden beobachtet worden. Ob dies auch für andere Merle-Varianten gelten kann, ist nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht der Fall. Doch die Forschung steht hier noch fast am Anfang.

Dabei gilt: Je länger die Gene (bzw. die Basenpaare des Gens) ausgeprägt sind, desto stärker sind die gesundheitlichen Gefahren. Die folgenden gesundheitlichen Schäden treten bei ihnen von Geburt an auf:

  1. Fehlbildungen der Ohren, Taubheit & Gleichgewichtsstörungen

    • Schwere Fehlbildungen des Innenohrs, die zu Schwerhörigkeit und zu Taubheit führen können. Die Taubheit kann ein- oder auch beidseitig sein.
    • Gleichgewichtsstörungen aufgrund der Fehlbildungen im Innenohr

  2. Fehlbildungen der Augen

    • Fehlbildungen des Auges, die zu Fehlsichtigkeit und sogar zu Blindheit führen können.
    • Verkleinerte Augen (Mikophtalmie)
    • Spaltbildung der Iris (Kolobome)
    • Fehlformen der Pupillen

  3. Sonnenunverträglichkeit, Hautkrebs

    • Unpigmentierter Nasenspiegel
    • Sonnenunverträglichkeit
    • Hautkrebs

  4. Fehlbildungen des Skeletts

  5. Fehlbildungen der Geschlechtsorgane

  6. Fehlbildungen der Organe

    Deformationen insbesonderedes Herzens und anderer Organe sind möglich

  7. Geringere Lebenserwartung

Gesundheit in Gefahr: Double-Merle und Weißtiger

Welpen, die von beiden Elterntieren das Merle-Gen (homozygot) erben, können je nach Länge der Gene sehr starke Gesundheitsschäden von Geburt an erhalten. Insbesondere bei den langen Varianten M und Mh besitzen sie häufig ein eher weißes, marmoriertes Fell, weshalb sie auch Weißtiger genannt werden.

Verantwortungslose Züchter züchten leider bewusst mit Weißtigern, da deren Welpen immer die trendigen Merle-Farben bekommen werden. Bei Welpen, deren eines Elternteil das Merle-Gen besitzt, werden dagegen meist weniger als die Hälfte der Welpen die begehrten Farben erhalten.

Welpen können auch erkranken, wenn nur ein Elternteil das Merle-Gen besitzt

Doch ganz so einfach ist es mit dem Merle-Gen nicht. Leider kann es auch zu gesundheitlichen Einschränkungen bei heterozygoten Genotypen in bestimmten Fällen kommen. Obgleich nur ein Elternteil des Welpen das Merle-Gen besitzt, kann es zu gesundheitlichen Problemen aufgrund des Gens kommen. Dies gilt beispielsweise verstärkt für Harlekin-Merle (Mh). 

Diagnose

So wird der Merle-Faktor beim Hund genau diagnostiziert

Bei einigen Hunderassen lässt sich bereits aufgrund der Fell- und Augenfarbe ein Merle-Faktor äußerlich erkennen. Typisch sind z.B. Collie-Arten, die marmorierte Fellbereiche aufweisen und ggf. noch ein oder zwei blaue Augen besitzen. Damit ist jedoch häufig nicht die Variante des Merle-Gens ersichtlich.

Es gibt leider auch Hunde, die Träger des Merle-Gens sind, ohne dass dies äußerlich erkennbar wäre.

Deshalb ist es in der Zucht wichtig, einen detaillierten und modernen Gen-Test, der auch die Länge der Allele testet, vor Beginn der Zucht zu machen.

Labore, die Merle-Gentests anbieten

Leider ist die Qualität der Merle Gen-Tests sehr unterschiedlich und es kommt auf Genauigkeit an. Hier findet ihr Labore, die umfängliche Merle-Gen-Tests anbieten.

Therapie & Behandlung

Gesundheitliche Schäden aufgrund des Merle-Faktors können nicht therapiert werden

Die von Geburt an entstandenen Schäden am Innenohr und Auge können leider weder mit Medikamenten noch operativ therapiert werden. Es hängt jeweils individuell von dem Ausmaß der Beeinträchtigungen ab, wie stark der Hund in seinem Alltag beeinträchtigt ist und ob seine Lebenszeit verkürzt ist. Einige Auswirkungen können durch eine Behandlung jedoch gemindert werden. So können die Augen der Hunde mit einer Sonnenbrille vor Sonneneinstrahlung geschützt werden oder der Nasenspiegel kann, sofern er unpigmentiert ist, mit Sonnencreme geschützt werden.


Prognose

Das ist die Prognose beim Merle-Faktor beim Hund

Die von Geburt an entstandenen Schäden am Innenohr und Auge können leider weder mit Medikamenten noch operativ therapiert werden. Es hängt jeweils individuell von dem Ausmaß der Beeinträchtigungen ab, wie stark der Hund in seinem Alltag beeinträchtigt ist und ob seine Lebenszeit verkürzt ist.

Ursachen/Vorbeugung

Gesundheitliche Risiken des Merle-Faktors können nur durch eine verantwortungsvolle Zucht verhindert werden

Nach neusten Forschungen raten Tierärzte und Kynologen zu modernen Gentests, um eine Paarung zu vermeiden, die zu Krankheiten aufgrund des Merle-Gens bei den Welpen führt.

Homozygote Merles (beide Eltern tragen das Merle-Gen) mit hohen Basenpaarlängen ( haben ein hohes Risiko für Gesundheitsschäden und müssen in der Zucht vermieden werden. Dies gilt insbesondere für Harlekin und klassische Merles.

Gutachten zum Tierschutz-Paragraph 11b regelt Qualzucht

Gesundheitliche Einschränkungen durch das Merle-Gen können zukünftig bei Welpen nur durch eine verantwortungsvolle Zucht mit modernen genetischen Tests verhindert werden.

Der Tierschutz regelt im Grunde auch die gezielte Zucht mit Gendefekten und daraus folgenden möglichen Gesundheitsrisiken von Tieren in einem Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes in 1.2.1: "Ferner ist es verboten Wirbeltiere zu züchten (….), wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich sind ... und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten". Doch müsste dieser Paragraph auch entsprechend vollzogen werden.

Merle und Nicht-Merle lassen sich nicht leicht unterscheiden

Problematisch ist vor allem, dass ein Merle-Genträger nicht immer äußerlich erkennbar sein muss.

Leid ist vorprogrammiert bei verantwortungsloser Zucht

Unprofessionelle Züchter oder auch Hunde-Vermehrer können bewusst oder unbewusst gesundheitliche Einschränkungen der Welpen in Kauf nehmen. In den USA ist eine Merle-Merle-Verpaarung erlaubt. Welpen, die mit gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund der Merle-Verpaarung zur Welt kommen, werden dort getötet. Auch in anderen Ländern, wie z.B. Frankreich, kann eine Merle-Merle-Verpaarung beantragt werden. Gewissenlose Züchter weltweit, produzieren ohne Rücksicht auf die Folgen gefragte und möglichst ausgefallene Farben. Welpen, die bei Geburt erkranken werden dann schnell entsorgt.

Nur wenn Käufer bei verantwortungsvollen Züchtern merlefarbene Hunde kaufen, ist ein Leid der Welpen zukünftig zu verhindern. Und dafür müssen soviel wie möglich Menschen aufgeklärt werden.

Erforschung von Merle ist erst am Anfang

Erst 2006 wurde die Merle-Mutation von Dr. Leigh Anne Clark überhaupt entdeckt. Im Jahr 2010 wurde eine fortgeschrittene DNA-Analyse möglich, mit der die Anzahl der Basenpaare in den Gen-Sequenzen gezählt werden konnte. 2018 wurden die Längen der Basenpaare den Merle-Mustern in einer Publikation von Mary Langevin und weiteren veröffentlicht.

Die Forschung von Merle ist also im Grunde noch am Anfang, insbesondere was die gesundheitlichen Folgen anbelangt. Es wird vermutet, dass Merle noch von weiteren, bislang unerforschten genetischen Faktoren abhängig sein könnte. Es bleibt also spannend. 

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunderassen

Bei den folgenden Hunderassen tritt das Merle-Gen häufiger als bei anderen Hunderassen auf

Bei den folgenden Hunderassen findet man das Merle-Gen häufiger als bei anderen Hunderassen.

Dabei gibt es offiziell von der Zuchtverordnung der FCI zugelassene Merlefarben bei Hunderassen und Hunderassen, bei denen Merle nicht im offiziellen Zuchtstandard zugelassen ist. Leider kommt das Gen aufgrund der Beliebtheit der Fell- und Augenfärbung bei immer mehr Hunderassen vor. Dies kann bei verantwortungsloser Zucht zweier Merle-Hunde, zu starken gesundheitlichen Belastungen der Welpen führen.

Hunderassen, die laut Rassestandard Merle-Farben sein können: 

  • Australian Shepherd
  • Beauceron
  • Bergamasker Hirtenhund
  • Berger des Pyrénées (Pyrenäenschäferhund)
  • Bobtail (Old English Sheepdog)
  • Border Collie
  • Catahoula Leopard Dog
  • Dackel (Dachshund)
  • Deutsche Dogge)
  • Koolie
  • Kurzhaar-Collie (kurzhaariger schottischer Schäferhund)
  • Langhaar-Collie (langhaariger schottischer Schäferhund)
  • Mudi
  • Norwegischer Dunker
  • Sheltie (Shetland Sheepdog)
  • Welsh Corgi Cardigan 

Hunderassen, bei denen Merle immer häufiger vorkommt

Es werden immer mehr Hunderassen mit Merle-Farben gezüchtet. Bei den meisten davon ist dies aber aktuell keine offizielle Farbe im Rassestandard. 

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