Gesundheit

Schwerhörigkeit und Taubheit beim Hund (Hörverlust)

Hunde können wesentlich besser als Menschen hören. Doch auch ihr Gehör kann schlechter werden oder sie können bereits seit der Geburt an Taubheit leiden. Was genau bedeutet das für einen Hund, wie bemerkt man Symptome und kann Taubheit geheilt werden?

Hunderassen wie der Dalmatiner, die viel weißes Fell am Kopf besitzen, sind häufiger von Taubheit befallen

Beschreibung, Definition

Welche Arten von Taubheit oder Schwerhörigkeit gibt es beim Hund?

Hunde können im Gegensatz zum Menschen wesentlich besser, also auch in viel höheren Frequenzbereichen hören. Der Gehörsinn ist bei fast allen Hunden sehr stark ausgeprägt.

Es werden zwei grundsätzlich unterschiedliche Ursachen einer Reduktion des Hörvermögens beim Hund unterschieden:

  1. Entstandene Taubheit (Konduktiver Hörverlust)

    Es entsteht eine Störung der Schallleitung durch das Außen- und Mittelohr. Diese entsteht häufig z.B. durch Ohren-Entzündungen. Der Gehörgang kann mit Ohrenschmalz, Entzündungssekreten, Haaren o.ä. verstopft werden. Theoretisch können auch Tumore ursächlich sein, was jedoch selten vorkommt. Es treten symptomatisch zunächst Schmerzen und Juckreiz auf, eine Taubheit kann aber je nach Grad der Erkrankung folgen. Diese kann dann sowohl einseitig als auch beidseitig entstehen.
  2. Genetisch vererbte Taubheit

    Eine Degeneration der sensorischen Innenohr-Strukturen führt zu einer Störung der Aufnahme oder auch der Weiterleitung der Schallwellen im Innenohr (sensorineuraler Hörverlust). Hierzu gehört insbesondere die genetisch vererbte Taubheit, die meist innerhalb weniger Wochen nach der Geburt bemerkt wird und bei vielen Hunderassen vorkommen kann. Die meisten Welpen können ca. ab der zweiten Lebenswoche hören und ab diesem Zeitpunkt kann auch eine Taubheit festgestellt werden. Diese kann dann sowohl einseitig als auch beidseitig vorkommen.

Bei den meisten Hunderassen ist die genetisch bedingte Taubheit auch an andere genetische Merkmale wie beispielsweise die Fellfarbe gekoppelt. Diese liegen auf dem Merle- oder auch Piebald-Genen des Hundes. Der Merle-Faktor bestimmt trendige Farben, die gesundheitliche Folgen haben. Es gibt ein erhöhtes Risiko bei Hunden mit weißen, gepunkteten, merlefarbenen oder geschecktem Fell.

Symptome

Wie bemerke ich Taubheit beim Hund?

Erst später entstandene Taubheit fällt dem Hundebesitzer relativ leicht auf, da der Hund auf Lautsignale wie Kommandos, Rufe, in die Hände klatschen nicht mehr reagiert. Auch fällt vielen auf, dass der Hund z.B. nicht mehr auf die Türklingel mit Bellen reagiert oder einen bei der Ankunft nicht mehr freudig an der Tür begrüßt.

Bei einseitiger Taubheit dagegen ist es schwieriger, dies tatsächlich an Symptomen zu bemerken. Einseitig taube Hunde können aber z.B. verwirrt oder auch orientierungslos wirken, wenn sie aus einiger Distanz abgerufen werden ohne dass der Hund den Rufer sehen kann. Einige Hunde, die taub geworden sind, können auch durch grundloses lautes Bellen auffallen. Manche Hunde werden durch ihre Taubheit verunsichert und erschrecken naturgemäß leichter, insbesondere wenn sie jemand berührt. Diese Verunsicherung kann auch in seltenen Fällen in Aggression umschlagen.

Auch können taube Hunde durch eine Störung des Gleichgewichtssinns häufig nicht Schwimmen und manche haben einfach kein gutes Gleichgewicht.

In der Kommunikation mit Artgenossen sind taube Hunde eingeschränkt und können dadurch Missverständnisse oder Konflikte mit anderen Hunden eher haben.

Bei angeborener Taubheit unterscheiden sich die Welpen in den ersten Lebenswochen von ihren Geschwistern, die hören können. Bei beidseitiger Taubheit spielen diese Welpen häufig aggressiver, da sie die Stop-Signale ihrer Geschwister in Form von Aufjaulen nicht hören können. Auch reagieren sie nicht auf akustische Signale, auf die Welpen in der Regel sehr gut reagieren. Bei einseitiger Taubheit ist dies natürlich schwieriger zu bemerken.

Diagnose

Wie wird eine Taubheit beim Hund diagnostiziert?

Vermutet der Züchter beim Welpen oder vermutest Du bei deinem Hund Probleme mit dem Gehör, so wird es Zeit, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.

Der Tierarzt wird einen audiometrischem Test, den sogenannten BAER-Test (Brainstem Auditory-Evoked Response), durchführen. Dieser BAER-Test ist schmerzlos und sehr zuverlässig. Er kann bereits bei Welpen ab der 5. Lebenswoche durchgeführt werden.

Sollte der Test keine eindeutigen Resultate ergeben, was sehr selten ist, kann er zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt werden. Bei jungen Welpen ist häufig keine Narkose für den Test nötig, bei älteren Hunden dagegen häufig schon. Dieser Test sollte bei Züchtern von Hunderassen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit der vererbten Taubheit für die Zucht und später auch bei Welpen vor dem Verkauf durchgeführt werden.  Beidseitig (bilateral) taube Welpen werden häufig von Züchtern eingeschläfert, da sich kaum Abnehmer für diese Hunde finden lassen. Das ist sehr traurig, denn auch mit tauben Hunden kann man ganz hervorragend zusammen leben - nur etwas anders als gewohnt.

Therapie & Behandlung

Wie wird Taubheit beim Hund therapiert und behandelt?

Für die angeborene Taubheit gibt es leider keine Behandlung oder Therapie, denn die degenerierten Sinneszellen im Ohr können nicht mehr regenerieren.

Bei einer Taubheit, die aufgrund einer Entzündung oder einer anderen Erkrankung erfolgt, kann versucht werden, die ursächliche Erkrankung entsprechend behandelt werden.

Hunde sind zwar ausgesprochene Sinnestiere, deren Sinne für Gehör, Sehen und Riechen sehr stark ausgeprägt sind, aber genau deshalb können sie bei Ausfall eines Sinnes mithilfe der verbleibenden Sinne ein durchaus lebenswertes Leben führen und genug von der Außenwelt mitbekommen. Natürlich ist dies wesentlich leichter, wenn nur ein Ohr von der Taubheit betroffen ist.

Wie kann ich einen tauben Hund erziehen bzw. mit ihm kommunizieren?

Auf beiden Ohren taube Hunde sind schwieriger bzw. anders zu erziehen als Hunde mit gesundem Gehör. Mit tauben Hunden kann aber sehr gut visuell kommuniziert werden.

Fast alle Hunde reagieren im Training verstärkt auf Sicht- als auf Rufzeichen. So kann der taube Hund mittels Handzeichen oder z.B. mit Lichtstrahlen der Taschenlampe oder mithilfe eines Zeigers trainiert werden.

Eine Schleppleine am Geschirr hilft, Gefahrensituationen zu vermeiden und den Hund dennoch nicht ständig an der Leine laufen lassen zu müssen. Auch gibt es Vibrationshalsbänder, um mit dem tauben Hund insbesondere für den Rückruf zu kommunizieren.  Aufmerksam solltet ihr aber bleiben, denn es besteht verstärkt die Gefahr, dass taube Hunde sich schneller erschrecken und dann aus Angst zuschnappen.

Gibt es nicht auch Hörgeräte für Hunde?

Es gibt tatsächlich Hörgeräte, die bei Tieren eingesetzt wurden. Allerdings sind diese Techniken nicht ausgereift, sehr teuer und werden von Tieren als Fremdkörper wahrgenommen. Bei Hunden, die bereits von Geburt an taub sind, werden auch diese leider nicht zum Hören führen, da die dafür nötigen Bereiche im Gehirn sich nicht ausprägen konnten. Auch konnten mithilfe von elektrischen Stimulationen im Innenohr erste Erfolge erzielt werden, sofern damit früh begonnen wurde.

Prognose

Wie ist die Prognose bei Taubheit beim Hund? Wird mein Hund wieder hören können?

Dies hängt von der Art der Taubheit ab, die der Hund hat. Bei einer ererbten Taubheit gibt es zu diesem Zeitpunkt keine gängige Therapie und keine Medikamente oder Geräte, die dem Hund zu einem Gehör verhelfen können.

Bei der Alterstaubheit ist davon auszugehen, dass der Hund diese mit der Zeit erwirbt und sich auch sehr gut daran gewöhnen kann.

Bei einer aufgrund von einer Krankheit (Ohrenentzündung, Tumor) oder von äußeren Einwirkungen (Knalltrauma, Verletzung o.ä.) erworbenen Taubheit besteht die Möglichkeit einer Therapie und damit auch einer Heilung je nachdem, wie stark die Erkrankung ist. Bei einem Knalltrauma sind die Heilungschancen relativ hoch, es können aber Schäden in Form von Tönen (Tinitus) auch beim Hund verbleiben.

Ursachen und Vorbeugung

Was sind die Ursachen einer Taubheit beim Hund? Kann ich einer Taubheit beim Hund vorbeugen?

Die Ursachen und auch eine mögliche Vorbeugung sind abhängig von der Art der Taubheit.

Vorbeugen der genetisch vererbten Taubheit bei Hunden durch Zuchtauswahl

Bei der vererbten Taubheit (sensorineuraler Hörverlust) gibt es sehr unterschiedliche Vererbungsformen und es sollte Ziel der Züchtungen sein, Hunde, die Taubheit vererben, von der Zucht auszuschließen. Dies ist aber leider gar nicht so einfach vorherzusagen und noch nicht final erforscht.

Was aber als erforscht gilt ist, dass Hunde mit weißem Fell vermehrt von Taubheit betroffen sind. Allerdings gibt es verschiedene Gene, die eine weiße Fellfarbe bewirken, doch nicht alle davon können auch die Taubheit tragen. Bekannt ist eine enge Kopplung an das Merle- (Collies, Doggen) und an das Piebald-Gen, die mit einer Weißfärbung des Fells und der Haut einhergehen. Im Innenohr befinden sich Pigmentzellen, die für die Schallweiterleitung wichtig sind. Durch den Piebald-Faktor können diese Pigmentzellen einseitig oder beidseitig fehlen und zur Taubheit führen. Gerade auch die blauen Augen bei z.B. Australian Shepherds und Dalmatinern sind zwar bei Käufern beliebt, führen aber häufiger zu tauben Hunden.

Bei manchen Hunderassen ist der Prozentsatz der tauben Hunde sehr hoch, wie z.B. beim Norwegischen Dunker oder auch bei Dalmatinern, wo bis zu 30% einer Population taub sein können. Die Vererbungsprozesse der Taubheit sind sehr komplex, so können z.B. normal hörende Hunde komplett taube Hunde zur Welt bringen und anders herum. Hunde, die auf einem Ohr taub sind, können gesunde Welpen oder Welpen mit Taubheit auf beiden Ohren zur Welt bringen. Rein statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass taube Elterntiere auch Welpen mit Hörschäden bekommen, höher. Ebenso, dass Hunde mit einem höheren Weißanteil im Fell und mit blauen Augen (oder einem blauen Auge) taube Welpen zur Welt bringen werden. Wiederum wird die Taubheit beim Dobermann ohne jegliche Verbindung zur Fellfarbe autosomal rezessiv vererbt.

Kann ich einer erworbenen Taubheit vorbeugen?

Im Grunde kann auch einer erworbenen Taubheit kaum vorgebeugt werden. Eine gute Ohrenpflege ist sicherlich hilfreich, damit keine gefährlichen Ohrenentzündungen entstehen.

Den Hund keinen lauten Knallgeräuschen auszusetzen, sollte ohnehin selbstverständlich sein. Denn es gibt auch bei Hunden Hörverluste nach einem Knalltrauma. Diese sind in der Regel heilbar, wenn sie nicht zu stark und zu lang anhaltend waren. Hier kann ein Pfeifgeräusch (Tinnitus) verbleiben.

Einer Alterstaubheit bei Hunden ab ca. dem 9.Lebensjahr kann im Grunde nicht vorgebeugt werden. Diese entsteht langsam und der Hund gewöhnt sich meist gut daran. Es gibt im Gegensatz zur langsam entstehenden Taubheit aber auch die plötzlich eintretende (akute) Taubheit, z.B. nach einem Hörsturz. Dieser kann bei einer bestehenden leichten Hörschwäche auch durch eine Narkose ausgelöst werden.

Auch gibt es Medikamente, die sich negativ auf das Gehör auswirken können wie z.B. Antibiotika,

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunderassen

Bei welchen Hunderassen tritt eine Taubheit häufig auf? Welche Hunderassen sind besonders von einer Taubheit gefährdet?

Die angeborene und damit genetisch bedingte Taubheit tritt sehr häufig bei Dalmatinern aber auch sehr häufig bei vielen Terrier-Arten auf.

Bei den meisten Hunderassen ist die genetisch bedingte Taubheit auch an andere genetische Merkmale wie Fellfarbe (besonders bei Merle- oder Piebald-Genen) gekoppelt. Es gibt ein erhöhtes Risiko bei Hunden mit weißen, gepunkteten, merlefarbenen oder geschecktem Fell. Bei blauäugigen Dalmatinern (ein- oder beidseitig blaue Augen) wurde auch dreimal häufiger eine Taubheit festgestellt.

Bei den folgenden Hunderassen wurde eine angeborene Taubheit überdurchschnittlich häufig festgestellt und kann wahrscheinlich nur durch entsprechende Zuchtuntersuchungen zukünftig eingedämmt werden:

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