Gesundheit
Dürfen Hunde Kirschen fressen?
Die leckeren kleinen Süßkirschen (botanischer Name: Prunus avium) und auch die etwas säuerlichen Sauerkirsche (botanischer Name: Prunus cerasus) werden in Deutschland viel angebaut und sind beliebte Sommerfrüchte. Süßkirschen haben mit 65 kcal/100g etwas mehr Kalorien als Sauerkirschen und einen recht hohen Zuckergehalt. Kirschen sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen, aber dürfen unsere Hunde sie fressen?
Ja oder Nein?
Die Antwort ist Jein, denn Kirschen gehören nicht zu den für Hunde besonders geeigneten Obstsorten. Das reine Fruchtfleisch der Kirschen kann an Hunde in geringen Mengen gefüttert werden. Allerdings liegt es an der Zubereitung, ob Hunde die gesunden Vitamine und Mineralstoffe der Kirsche aufnehmen können. Empfindliche Hunde reagieren bereits auf geringe Mengen an Kirschen mit Magenproblemen. Gefährlich können jedoch die Kirschkerne, Blätter und auch Stiele aus unterschiedlichen Gründen werden.
Nachteile
Drei entscheidende Nachteile von Kirschen für Hunde
1. Vorsicht: Kirschen können giftig sein
Viele Hunde lieben Süßkirschen und sammeln sie begeistert im Garten auf. Dies kann allerdings aus mehreren Gründen problematisch sein: Kirschblätter, Kirschzweige und Kirschkerne enthalten Amygdalin (ein cyanogenes Glykosid), das sich im Hundekörper mit Wasser und Enzymen zur giftigen Blausäure umwandelt. Es ist von der Dosis, der Größe des Hundes und Gesundheit deines Hundes abhängig, ob die Menge der Blausäure Vergiftungssymptome bei deinem Hund auslöst.
Zum Glück ist der Gehalt an Amygdalin in Kirschkernen mit ca. 3-4 mg pro Gramm Kirschen wesentlich geringer als z.B. in Aprikosenkernen, die über 14mg pro Gramm enthalten.
Symptome einer Blausäurevergiftung beim Hund
Ein oder mehrere der folgenden Symptome treten nach relativ kurzer Zeit bei einer Blausäurevergiftung des Hundes auf:
- starkes Speicheln
- Bauchschmerzen
- Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
- Atemprobleme, erhöhte Atemfrequenz und Hecheln
- sinkender Blutdruck, Herzrasen oder sehr niedrige Herzfrequenz
- geweitete Pupillen
- Krämpfe, Zittern, Aufregung
- hellrote Schleimhäute
- Atem kann bitter riechen
Was ihr bei einer Vergiftung eures Hundes tun könnt, erfahrt ihr hier. Es ist immer ratsam, so schnell wie möglich den Tierarzt aufzusuchen.
Ein weiterer Grund, keine ganzen Kirschen zu füttern ist, dass sich Hunde an den Kirschen leicht verschlucken können und dann mit Pech Atemprobleme bekommen.
2. Kirschkerne können zu einem Darmverschluss führen
Es kommt immer auf die Größe des Hundes und die Menge der Kirschkerne an. Eine komplett gefressene Kirsche wird wahrscheinlich nicht zu einem Problem führen. Doch gerade bei kleinen Hunden oder aber bei vielen Kirschkernen kann es zu einem Darmverschluss kommen und dies kann gefährlich werden und muss im schlimmsten Fall operiert werden. Bei einem mir bekannten Labrador reichte ein kleiner Weinflaschenkorken aus, um ihn auf den OP-Tisch zu bringen.
Symptome eines Darmverschlusses können sein:
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- Verstopfung
3. Zu viele Kirschen können zu Magenproblemen führen
Gerade empfindliche Hunde können auf zu viele Kirschen – insbesondere Sauerkirschen - mit Verdauungsbeschwerden, Bauchschmerzen und Durchfall reagieren. Es ist also keine gute Idee, eurem Hund größere Mengen an Kirschen zu füttern.
Vorteile
4 gesunde Gründe für Kirschen
1. Stark für Zellwachstum und Blutbildung
Kirschen enthalten sehr viel Folsäure, mehr als andere beliebte Obstsorten. Sauerkirschen enthalten 75 µg und Süßkirschen 50 µg Folsäure pro 100g. Folsäure ist gesund für das Zellwachstum und für die Vermehrung von Zellen. Sie ist auch an der Blutbildung beteiligt. Die nicht geringen Mengen an Eisen in Kirschen unterstützen zusätzlich den Sauerstofftransport im Blut.
2. Gut für das Immunsystem und die Haut
Kirschen enthalten etwas Vitamin C und Vitamin E. Beide sind starke Antioxidantien, die die Zellen schützen und das Immunsystem stärken können. Vitamin C ist für den Aufbau von Kollagen im Körper und für die Wundheilung wichtig. Auch Zink ist ein starkes Antioxidans, das für ein schönes Fell sorgen kann. Insbesondere die Sauerkirschen enthalten eine gehörige Portion Beta-Carotin, das ebenfalls ein starkes Antioxidans ist und aus dem Vitamin A für gesunde Augen entsteht.
3. Gut für Muskeln und Nerven
Insbesondere Süßkirschen enthalten mit ca. 15mg/100g recht viel Magnesium, das eine große Rolle in der Entspannung der Muskeln spielt und auch für ruhige Nerven notwendig ist. Die in leichter Menge enthaltenen B-Vitamine (B1, B2, B6) unterstützen ebenfalls die Nerven.
4. Leicht entwässernd, gut für Herz und Nerven
Kalium ist in vielen Obstsorten stark enthalten. Süßkirschen haben einen recht hohen Gehalt an Kalium, Sauerkirschen dagegen nur ca. die Hälfte. Kalium muss täglich zugeführt werden, da es der Körper nicht speichern kann. Kalium ist ein Mineralstoff, der wichtig für die Regulierung des Wassergehalts in den Zellen ist und auf natürliche Art entwässert. Gleichzeitig ist Kalium für wichtige Stoffwechselprozesse in Herz und Nerven nötig und hilft, den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren.
Fütterung
So füttert ihr Kirschen am besten an euren Hund
Kirschen gründlich waschen und entkernen
Süßkirschen werden von Hunden etwas besser vertragen, denn sie enthalten weniger Fruchtsäure. Wenn ihr keine Bio-Kirschen verwendet, solltet ihr Kirschen immer gründlich waschen, da sie häufig viele Pestizide enthalten. Für Hunde sollte ihr alle Blätter, Stiele und vor allem die Kerne entfernen.
Fruchtfleisch der Kirsche roh und püriert am besten verwertbar
Hunde können die Vitamine und Spurenelemente in Obst nicht verwerten, da sie die Zellwände (Zellulose) nicht spalten können. Deshalb ist es am besten, Kirschen roh und dann püriert zu geben. Hierzu eignet sich ein kleiner Mixer ganz hervorragend. Das Kirsch-Püree könnt ihr dann zu dem Futter geben, denn das Vitamin E ist fettlöslich und kann vom Hund nur mit Fett aufgenommen werden.
Erfrischende Beschäftigung mit Kirschen im Sommer
Ihr könnt pürierte Kirschen mit etwas Joghurt oder Quark mischen und in ein dafür vorgesehenes Hundespielzeug füllen. Legt ihr das gefüllte Hundespielzeug noch ins Eisfach, ist euer Hund mit dem Herausschlecken eine Weile glücklich beschäftigt und hat gleichzeitig bei hohen Temperaturen eine gesunde und leckere Erfrischung.
Kirschen aus Konserven und Gläsern meiden
Verarbeitete und gesüßte Kirschen aus der Dose oder als Saft sind für Hunde aufgrund des hohen Zuckergehalts und eventueller Konservierungsstoffe tabu. Viel Zucker führt auch bei Hunden zu schlechten Zähnen und Übergewicht und bringt den Darm und damit das Immunsystem durcheinander.
Am besten Bio-Kirschen verwenden
Insbesondere Kirschen weisen leider immer wieder zu große Rückstände an Pestiziden auf. Bio-Kirschen sind nicht gespritzt und enthalten keine Schadstoffe, gleichzeitig unterstützen sie eine gesunde Natur.
Wie viele Kirschen darf mein Hund fressen?
Die tägliche Menge an frischem Obst, die gesund für einen Hund ist, hängt von der Größe und dem Gewicht deines Hundes ab. Kirschen gehören nicht auf den täglichen Futterplan, schaden aber als kleiner Snack oder gelegentliche Ergänzung nicht. Es gibt einfach andere Obstsorten, die besser für Hunde geeignet sind. Aber um euch einen Eindruck zu geben, wie wenig Kirschen ihr als Leckerli füttern dürftet, orientieren wir uns an einer durchschnittlichen BARF-Futterration. Die tägliche BARF-Ration soll ca. 3% des Körpergewichts des Hundes betragen. Obst sollte beim BARFEN nicht mehr als 5-10% der Tages-Futterportion ausmachen. So gesehen sind 15-30g Kirschen an einem Tag absolut genug für einen Hund von 10kg.
Beim ersten Mal Kirschen vorsichtig ausprobieren
Die meisten Hunde mögen Süßkirschen aufgrund des süßen Geschmacks, doch viele vertragen sie nicht so gut oder nur in sehr kleinen Mengen. Bei empfindlichen Hunden solltet ihr am besten vor dem Füttern euren Tierarzt fragen, ob ihr eurem Hund das Fruchtfleisch von Kirschen füttern dürft. Er kennt euren Hund und seine individuellen Bedürfnisse und Schwächen am besten. Wie bei fast allen Nahrungsmitteln besteht auch bei Kirschen die Gefahr, dass dein Hund allergisch auf sie reagieren kann. Es ist daher ratsam, Kirschen zu Beginn in sehr kleiner Menge bei deinem Hund zu testen. Sollte dein Hund allergische Reaktionen wie Schwellungen, Atemprobleme, Ausschläge, Jucken, Husten oder andere Allergie-Symptome zeigen, solltest du ihm natürlich keine weitere Kirschen geben und sofort den Tierarzt kontaktieren.
Wissenswertes zu Kirschen
Kirschen-Saison
Frische Kirschen aus Deutschland gibt es bei uns von Juni bis September, die Hauptsaison ist Juni und Juli. Importiert werden Kirschen meist aus der Türkei, Italien und Spanien. Im Winter gibt es bei uns Kirschen, die aus Übersee oder Südafrika importiert werden.
Frische Kirschen schnell verbrauchen
Da Kirschen nicht nachreifen, werden sie bereits reif gepflückt. Dann halten sie sich im Kühlschrank 1-2 Tage und sollten möglichst schnell verbraucht werden. Waschen solltet ihr sie erst kurz vor dem Essen, da sie nach dem Kontakt mit Wasser schnell beginnen, zu faulen.
Die Namen der Kirsche
In Teilen von Bayern, Österreich und der Schweiz wird die Sauerkirsche auch Weichsel oder Weichselkirsche genannt. Die Süßkirsche hat den Namen Vogel-Kirsche, da sie sehr gern von Vögeln gefressen werden und häufig mit Netzen geschützt werden müssen.
Schöner Kirsch-Brauch zu Weihnachten
Ein sehr schöner Brauch zu Weihnachten hängt mit den Zweigen der Kirsche zusammen. Zweige der Süßkirsche werden zum Barbaratag (4.Dezember) geschnitten und im Zimmer in die Vase gestellt. Bis zum 24. Dezember gehen dann die wunderschönen Kirschblüten auf und geben Weihnachten einen festlichen Anstrich und machen Lust auf den Frühling.
Bekannte Kirschsorten
Es gibt sehr viele Kirschsorten, zu den bekanntesten Sauerkirschen gehören die Schattenmorellen, Glaskirschen und die Süßweichseln. Knorpelkirschen und Herzkirschen sind dagegen beliebte Süßkirschenarten.
Japaner lieben Kirschen, aber Zierkirschen
Die japanischen Kirschen, deren Blüte so bewundert wird, sind Zierkirschen. Der botanische Name dieser Japanischen Blütenkirschen ist Prunis serrulata. Ab April ist in Japan für wenige Tage die Kirschblüte ein Ereignis. "Hanami" nennt sich der japanische Brauch des Blütensehens. Die Kirschblüten symbolisieren schon seit Jahrhunderten die Reinheit und die Einfachheit, die in der japanischen Kultur sehr alte Werte sind.
Fazit zur Fütterung von Kirschen an Hunde
Das reine Fruchtfleisch von rohen Kirschen können Hunde in geringen Mengen am besten püriert fressen. Allerdings vertragen viele Hunde Kirschen nicht gut und bekommen Magenprobleme.
Vorsicht ist bei den Kirschkernen angesagt: Sie enthalten Amygdalin, das im Körper des Hundes zur giftigen Blausäure werden kann. Auch wenn Kirschen keine großen Mengen an Amygdalin enthalten, macht hier die Dosis das Gift. Auch die Stiele und die Blätter der Kirschen enthalten Amygdalin. Gefährlich können die Kirschkerne auch aus einem anderen Grund werden, da sie bei kleinen Hunden – je nach Menge der Kirschkerne – zu einem gefährlichen Darmverschluss beim Hund führen können. Außerdem können sich Hunde an ganzen Kirschen leicht verschlucken. Deshalb sollten Hunde niemals Zugang zu ganzen Kirschen haben, sei es im Garten oder in der Küche.
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