Gesundheit

Darmverschluss beim Hund - Fremdkörper verschluckt

Ein Darmverschluss ist immer ein lebensgefährlicher Notfall. Deshalb solltet ihr bei dem Verdacht auf einen Darmverschluss oder wenn ihr wisst, dass euer Hund einen nicht verdaubaren Fremdkörper verschluckt hat, immer sofort euren Tierarzt oder die nächste Tierklinik kontaktieren. 

Typische Symptome für einen Darmverschluss sind Erbrechen, Bauchschmerzen oder auch Verstopfung und Fieber. Es gibt unterschiedliche Therapien bei einem Darmverschluss und ihr glaubt gar nicht, was Hunde schon so alles verschluckt haben. 

Wenn Hunde erfolglos versuchen zu koten, kann ein Darmverschluss die Ursache sein

Beschreibung, Definition

Das ist ein Darmverschluss (Ileus) beim Hund

Bei einem Darmverschluss ist der Weitertransport des Darminhalts aufgrund eines Verschlusses, einer Lähmung oder einer Einengung gestört. Dadurch kommt es zu einem Rückstau des Magen- und Darminhalts. Der gestaute Darminhalt beginnt nun zu vergären und es kommt zu inneren Vergiftungen und starken Schmerzen, die zu folgenschweren weiteren Problemen führen können.

Ein Darmverschluss kann vollständig oder teilweise bestehen: 

  • Kompletter Darmverschluss (Ileus)
  • Inkompletter Darmverschluss (Subileus)

Grundsätzlich werden zwei Formen des Darmverschlusses nach ihren Ursachen unterschieden:

  1. Mechanischer Darmverschluss (Obstruktiver Ileus)
    Leider fressen Hunde immer wieder Gegenstände, die sie besser nicht gefressen hätten, die ihren Körper nicht mehr auf natürlichem Wege mehr verlassen können. Diese landen zwar noch im Magen, doch spätestens in den engen Darmwindungen kommt es dann zu einer Blockade. Es kommt folglich zu Einengungen oder auch zu einem kompletten Verschluss des Darms.

    Größere Fremdkörper, die nicht durch den Magenausgang passen, bleiben im großvolumigen Magen liegen. Hier können sie lange unbemerkt bleiben, oft lösen sie auch Erbrechen aus.

    Passt der Fremdkörper durch den Magenausgang, so landet er im wesentlich engeren Dünndarm. Hier kann er die Darmwand verletzen oder zu einem Darmverschluss führen. Dies passiert meist spätestens beim Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm, der noch enger ist.

  2. Funktionieller Darmverschluss (Paralytischer Ileus)
    Hierbei handelt es sich um eine Darmlähmung, die meist durch eine organische Erkrankung ausgelöst wird. Diese Form ist wesentlich seltener und kann durch Vergiftungen, Durchblutungsstörungen, Nervenstörungen oder auch durch Tumore ausgelöst werden.

Schnelles Handeln ist gefordert – Bauchfellentzündung droht

Verbleibt ein Fremdkörper längere Zeit im Darm oder ist der Darm blockiert, kann es zu einer Schädigung der Darmwand kommen. Teile des Darmes können absterben und es kann zum Durchbruch der dünnen Darmwand kommen. Wenn der Darm aufreißt, fließen Teile des Darminhaltes in die Bauchhöhle, was wiederum zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung führen wird.

Selbst wenn die Darmwand nicht durchbricht, ist schnelles Handeln sinnvoll. Denn je früher der Hund zum Tierarzt kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fremdkörper ohne eine riskante OP aus dem Körper entfernt werden kann.

Symptome

So äußert sich ein Darmverschluss beim Hund

Bei einem teilweise oder kompletten Darmverschluss treten ein oder mehrere der folgenden Symptome beim Hund auf:

  • Übelkeit
    Brechreiz, Würgen und Erbrechen - das Erbrochene kann kotartig riechen. Besonders auffällig ist, dass es selbst bei der Wasseraufnahme zum Erbrechen kommt. Vermehrtes Speicheln aufgrund der Übelkeit 
  • Starke Bauchschmerzen
    • Druckempfindlicher Bauch
    • Gekrümmter Rücken, ggf. Gebetsstellung (Schmerzstellung, bei der die Hinterbeine stehen, während der Hund sich vorn nach unten beugt)
    • Der Bauch fühlt sich hart an und ist aufgebläht
  • Verstopfung, Probleme beim Kot absetzen
    Durchfall ist möglich, denn es kann bei einem nicht kompletten Darmverschluss etwas Kot abgesetzt werden oder zu Beginn noch Kot vorhanden sein.
  • Fieber, erhöhte Temperatur
    Die normale Körpertemperatur eines gesunden Hundes liegt höher als die normale Temperatur des Menschen. Sie liegt bei Hunden zwischen 37,5-39 °C. Bei Welpen kann die Normaltemperatur mit bis zu 39,5°Cnoch normal sein.
  • Abgeschlagenheit und Apathie, der Allgemeinzustand verschlechtert sich
  • Kreislaufprobleme (kalte Pfoten, blasse Schleimhäute)
  • Appetitlosigkeit, Hund frisst nicht oder kaum
  • Hund trinkt nicht
  • Mundgeruch
  • Gewichtsverlust ist bei einem teilweisen Darmverschluss möglich, der über einen längeren Zeitraum andauert.

Diagnose

So wird ein Darmverschluss des Hundes durch den Tierarzt diagnostiziert

Die Diagnose ist leider nicht immer sehr eindeutig und leicht zu stellen. Deshalb ist es wichtig, dass ihr die Veränderungen genau beobachtet und die Symptome eurem Tierarzt beschreibt. Habt ihr beobachtet, dass euer Hund einen Fremdkörper verschluckt hat, ist es natürlich sehr eindeutig.

Zunächst wird der Tierarzt euren Hund genau untersuchen.  Der Tierarzt wird aufgrund der Symptome den Bauch und den Enddarm des Hundes abtasten, Fieber messen und auch die Maulhöhle begutachten.

Um einen Fremdkörper im Bauch des Hundes erkennen zu können, können sowohl Ultraschall (zeigt Veränderungen im Darm) und Röntgen (kann Fremdkörper im Darm zeigen) eingesetzt. Ist der Fremdkörper nicht gut zu erkennen, kann der Tierarzt ein Kontrastmittel geben. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über eine Entzündung im Körper geben. 

In seltenen Fällen kann es auch sinnvoll werden, den Bauchraum operativ zu öffnen (Probelaparotomie), um eine Diagnose zu stellen.

Therapie & Behandlung

Therapie und Behandlung des Darmverschlusses beim Hund

Die Therapie ist häufig von mehreren Faktoren abhängig: wie geht es dem Hund aktuell? Um welchen Gegenstand handelt es sich und wie groß ist er? Wo genau hat sich der Gegenstand festgesetzt? Wieviel Zeit ist seit der Aufnahme vergangen? Ist es bereits zu einem Durchbruch der Darmwand gekommen?  

Ein schnelles Handeln ist immer hilfreich, wenn ihr euch sicher seid, dass euer Hund einen nicht verdaulichen Fremdkörper gefressen hat. Je schneller ihr zum Tierarzt fahrt, desto eher ist es vielleicht noch möglich, den Gegenstand durch Erbrechen oder endoskopisch wieder herauszubekommen.

Der Tierarzt kann deinen Hund bei starkem Wasserverlust durch Erbrechen und mangelnder Wasseraufnahme mit Infusionen stärken. Ebenso kann er Medikamente gegen die Übelkeit und die Bauchschmerzen verabreichen. Handelt es sich um einen Fremdkörper, so kann dieser auf folgende Arten entfernt werden: 

  • Gabe von Sauerkraut nur in Abstimmung mit Tierarzt sinnvoll
    Es ist richtig, dass Sauerkraut den Gegenstand umwickeln kann, damit er besser abtransportiert wird und mit Glück noch auf natürlichem Weg deinen Hund verlassen kann. Doch dies funktioniert meist nur bei kleinen Objekten oder Plastikfolien und sollte nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen, da die Gabe von Sauerkraut nicht in jedem Fall sinnvoll ist. Sollte eine Operation oder eine Endoskopie notwendig werden, kann die Gabe von Sauerkraut sogar kontraproduktiv sein. Nähere Infos zum Verfüttern von Sauerkraut findet ihr hier: DSauerkraut für Hunde.
  • Tierarzt löst Erbrechen mit Medikamenten aus
    Achtung: Diese Maßnahme solltet ihr niemals selbst versuchen, sondern ausschließlich vom Tierarzt ausführen lassen. Er nutzt Medikamente wie beispielsweise Apomorphin. Die Entscheidung, ob ein Brechmittel sinnvoll ist oder ob sich der Hund beim Hochwürgen des Gegenstandes gefährlich verletzen kann, liegt am besten beim Tierarzt.
  • Gabe von Öl
    Die Gabe von Öl kann bei einer Verstopfung aufgrund von zu vielen Knochen sinnvoll sein. Der sogenannte Knochenkot, der den Darm blockieren kann, kann in leichten Fällen durch die Gabe von Öl gelöst werden. Doch dies sollte gemeinsam mit dem Tierarzt entschieden werden und hilft ausschließlich bei einer Verstopfung aufgrund von Knochen. 
  • Endoskopie: Endoskopische Bergung des Fremdkörpers
    Mithilfe eines Endoskops kann versucht werden, den Fremdkörper in der Speiseröhre oder im Magen zu bergen oder ihn in den Magen zu schieben. Dafür muss der Hund zwar in Narkose gelegt werden, aber eine chirurgische Operation ist nicht notwendig.
    Einige Fremdkörper können es auch bis zum Dickdarm schaffen. Sollte der Fremdkörper aus dem After herausschauen, so solltet ihr ihn niemals selbst entfernen, da dies zu Verletzungen führen kann. 
  • Operation - Enterotomie (Chirurgische Öffnung des Magen-Darm-Trakts)
    Eine Darm-OP ist meist das letzte Mittel, um den Fremdkörper aus dem Hund zu entfernen. Hierzu erfolgt eine chirurgische Öffnung eines Magen- oder Darmabschnitts, um den Fremdkörper zu entfernen. Hat der Fremdkörper einen Schaden im Darm angerichtet, so kann es sein, dass ein Teil des Darms entfernt werden muss. Nach der OP müssen die Hunde meist stationär weiter betreut werden, damit zeitnah kontrolliert werden kann, ob die Operation erfolgreich war und der Darmverschluss gut verheilt. Nach so einer OP muss der Hund sich langsam erholen und zu Beginn leicht verdauliche Kost erhalten.

Ursachen/Vorbeugung

Ursachen und Vorbeugung eines Darmverschlusses beim Hund

Die häufigste Ursache eines Darmverschlusses bei Hunden ist das Verschlucken eines unverdaulichen Fremdkörpers. Insbesondere Welpen und Junghunde nehmen alles neugierig ins Maul und können dabei schnell das Falsche verschlucken. So ein Fremdkörper schafft es dann jedoch nicht mehr aus dem Darm und blockiert.

Ihr glaubt gar nicht, welche Fremdkörper Hunde so verschlucken. Damit ihr in Zukunft achtsamer sein könnt, findet ihr hier eine Liste von Gegenständen, die Hunde verschluckt haben und die zu einem Darmverschluss geführt haben. Diese Liste hat bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit: 

  • Strunk eines Maiskolbens - leider sehr unverdaulich
  • Kastanien - es kann bereits eine Kastanie reichen!
  • Walnüsse - es kann schon eine Walnuss reichen!
  • Sektkorken - leider schon beim Labrador von Bekannten vorgekommen: Darmverschluss aufgrund eines Sektkorkens, mit dem der Labbi gespielt hatte. Seitdem achte ich genau darauf, wo ich eine Sektkorken nach dem Öffnen der Flasche platziere.
  • Kronkorken - Kronkorken können noch nach Bier oder Zucker schmecken und werden dann verschluckt.
  • Grillspieß, Schaschlik-Spieß - ja, es gibt Hunde, die sogar mehrere davon komplett mit Metall- oder Holzspieß verschluckt haben. Daher Vorsicht beim Grillen!
  • Weihnachts- oder Osterschmuck - kein Wunder: die Glitzi-Kugeln und Ostereier ziehen manchen Hund magisch an!
  • Geschenkbänder - damit spielen sie gern!
  • Ungeeignetes Hundespielzeug, das zerbissen wird. So auch Seile.
  • Teppich-Teile - so mancher Welpe oder Junghund nagt gern mal am Teppich herum. Das solltet ihr sofort untersagen. 
  • Meisenknödel - das Fett in den Knödeln schmeckt Hunde gut, daher Vorsicht!
  • Plastikverpackungen aller Art - die beispielsweise noch nach Fleisch oder Zucker riechen sind besonders attraktiv und werden von Hunden komplett verschlungen.
  • Kinderspielzeug - kleine Plastikspielzeuge wie Legosteine
  • Socken, Nylonstrümpfe
  • Wurstzipfel mit Metallklammer
  • Nadeln und Nadelkissen
  • Angelhaken mit Köder - Tipp von Betroffenen: Schnur abschneiden und am Halsband festbinden, damit der Angelhaken endoskopisch entfernt werden kann.
  • Rouladen - mit und ohne Spieß, gern auch mehrere Rouladen auf einmal
  • Netze vom Rollbraten
  • Holzstöckchen
  • Steine
  • Muscheln
  • Müll aus dem Mülleimer
  • Zu viele Knochen auf einmal füttern

So könnt ihr vorbeugen, dass euer Hund keinen Darmverschluss bekommt:

  1. Füttert nicht mehr Knochen auf einmal, als pro Tag für einen Hund nach Gewicht des Hundes angemessen ist.
  2. Stöcker und Holz: natürlich ist ein Benagen des Holzes nicht gleich gefährlich, aber ihr solltet eurem Hund verbieten, Holz zu fressen.
  3. Spielzeug von Kindern aber auch vom Hund immer wegräumen
  4. Küche ist gefährlich: Hund sollte nicht an den Mülleimer kommen
  5. Grillsaison: Vorsicht, niemals den Hund unbeaufsichtigt mit dem Grillgut lassen. Es sind leider nicht wenige Hunde, die ganze Grill- oder Schaschlik-Spieße verschlingen.
  6. Wenn Hunde ihr Spielzeug zerkauen, sollten sie nur unter Aufsicht mit ihnen spielen dürfen und danach wird das Spielzeug wieder weggeräumt.
  7. Ostern, Weihnachten: Darauf achten, dass euer Hund nicht an den Schmuck wie Ostereier oder Weihnachtskugeln kommt. 
  8. Maulkörbe können verhindern, dass Hunde im Freilauf Fremdkörper aufnehmen. Dies kann im Sommer in Parks sinnvoll sein, in denen Reste von Grill und Sommerparties lauern. 

Es können auch organische Ursachen zum Darmverschluss führen, was jedoch sehr viel seltener in der Praxis der Fall ist:

  • Einstülpungen des Darms
  • Drehungen oder Verschlingungen des Darms
  • Darmtumore

Hier könnt ihr nur durch eine artgerechte und gesunde Ernährung mit einer angemessenen Menge an Ballaststoffen, Nährstoffen und Knochen für eine gesunde Verdauung sorgen. Darmtumore können beispielsweise durch Verstopfung und zu langes Verbleiben von Nahrung im Darm begünstigt werden.

Prognose

Wie ist die Prognose bei einem Darmverschluss des Hundes? 

Die Prognose eines Darmverschlusses ist von mehreren Faktoren, wie von der Ursache und auch von der Schwere und Dauer des Darmverschlusses abhängig. Bei einem verschluckten Fremdkörper kommt es auf die Größe, Lage und Beschaffenheit des Fremdkörpers an und auch wie lange er sich bereits im Körper befindet. Ist es schon zu einem Darmdurchbruch gekommen?

Kann der Fremdkörper durch Erbrechen oder auf natürliche Art und Weise wieder aus dem Körper gebracht werden und hat keine inneren Schäden angerichtet, so ist die Prognose natürlich sehr gut.

Wird der Fremdkörper gefunden und kann endoskopisch entfernt werden, so ist die Prognose ebenfalls sehr gut, wenn keine innere Verletzung stattgefunden hat.

Wird eine Operation notwendig, um den Fremdkörper zu entfernen, so ist die Prognose von Folgeverletzungen und Vergiftungen abhängig, die durch die Blockade oder durch den Fremdkörper entstanden sein können. Ist die Darmwand noch intakt, so ist die OP zwar immer ein Eingriff, aber meist muss kein Stück des Darms entfernt werden.

Notfall/Komplikation: Bauchfellentzündung

Spitze Gegenstände können die dünne Darmwand ernsthaft verletzen, so dass Teile des Darminhalts in die Bauchhöhle gelangen können. Dies führt zu einer gefährlichen Bauchfellentzündung und Vergiftung, die immer einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt. Der Hund muss so schnell wie möglich operiert werden. Je stärker die Vergiftung, je schlechter der Allgemeinzustand des Hundes und je größer die Darmverletzung ist, desto schlechter ist die Prognose. Nach einer OP werden Hunde mit einem Darmdurchbruch stationär als Intensivpatienten weiter betreut.

Ist kein Fremdkörper schuld an dem Darmverschluss, sondern organische Probleme, so ist die Prognose immer von der jeweiligen Ursache und Ausprägung der Erkrankung abhängig. 

Verstärktes Auftreten bei folgenden Hunden

Diese Hunde sind stärker durch einen Darmverschluss gefährdet

Ein Darmverschluss kann leider bei jedem Hund vorkommen, der unvorsichtig fremde Gegenstände verschluckt hat. Doch besonders gefährdet sind Welpen und junge Hunde, da sie neugierig alles in ihr Maul nehmen und leicht verschlucken. Doch nicht nur unerfahrene Hunde sind gefährdet, sondern auch besonders verfressene Hunde. Die gierigen "Staubsauger" unter den Hunden können bei allen Rassen vorkommen, aber insbesondere bei den folgenden:

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