Cystinurie (Cystinsteine der Blase)
Was ist Cystinurie (Cystinsteine der Blase) beim Hund?
Die Cystinurie ist eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Transportstörung einiger Aminosäuren (Cystein, Ornithin, Lysin, Arginin=COLA) kommt. Den Hunden fehlt ein Transportprotein für die betroffenen Aminosäuren, so dass diese Aminosäuren verstärkt über den Urin ausgeschieden werden.
Bei der Cystinurie bilden sich Cystinsteine in der Blase (Urolithiasis)
Während die Aminosäuren Arginin, Lysin und Ornithin wieder ausgeschieden werden können, ist Cystein nicht gut wasserlöslich und bildet Cysteinkristalle, die sich zu mehr oder weniger großen Blasensteinen entwickeln können. Ab einer Konzentration von über 300mg Cystin pro Liter Urin kommt es zu einer Kristallbildung. Die Steine reichern sich immer mehr an und können letztendlich die Blase ausfüllen. Die Blasensteine können für Hunde nicht nur ausgesprochen schmerzhaft sein, sondern im schlechten Fall zu einem Verschluss der Harnwege führen, was ein lebensgefährlicher Notfall ist. Dies kann zu einem tödlichen Reißen der Blase führen.
Rüden wesentlich häufiger betroffen
Rüden sind häufiger und stärker von der Cystinurie betroffen, da sie eine engere und längere Harnröhre haben. Über 90% der von Cystinurie betroffenen Hunde sind Rüden.
Blasensteine können früh auftreten
Oft treten zu behandelnde Symptome zwar erst in einem Alter zwischen 2-7 Jahren auf, doch es können auch bereits wesentlich jüngere Hunde im zarten Alter von 4 bis 6 Monaten mit Symptomen erkranken.
Die unterschiedlichen Arten der Cystinurie
Es werden drei Typen der Cystinurie unterschieden:
Cystinurie Typ I
- Autosomal-rezessive Vererbung (Genmutation im SLC3A1 Gen)
- Vorkommen bei: Menschen, Neufundländer, Landseer, Labrador Retriever
- sehr frühe Erkrankung bereits als Welpe oder Junghund
- betrifft Rüden und Hündinnen
Cystinurie Typ II-A
- Autosomal-dominante Vererbung (Genmutation im SLC3A1 Gen)
- Vorkommen bei: Australian Cattle Dog
- schwere und früh-manifeste Form (ab Welpenalter oder bei jungen Hunden)
- betrifft Rüden und Hündinnen
Cystinurie Typ II-B
- Autosomal-dominante Vererbung (Genmutation im SLC7A9 Gen)
- Vorkommen bei: Zwergpinscher
- betrifft Rüden und Hündinnen
Cystinurie Typ III
- leichtere und spät-manifeste Form
- Betrifft nur Rüden
- bisher keine Mutation bekannt
- ein modifizierender Androgeneffekt wird vermutet
- mehr als 60 Rassen: Mastiff, Französische Bulldogge,
- Basset, Irish Terrier, Scottish Deerhound, u.a.
Typische Symptome einer Cystinurie beim Hund
Bei einer Cystinurie können die ersten Symptome bereits im Welpenalter zwischen 4-6 Monaten auftreten. Die Nieren- und Blasensteine führen beim Ausscheiden zu starken Schmerzen:
- Hund hat starke Schmerzen beim Urinieren oder Koten
- Verminderter Urinabsatz unter Schmerzen
- Gar kein Absetzen von Urin mehr möglich
- Hund hat starke Bauchschmerzen
- Blut ist häufig im Urin nachweisbar
Doch häufig bleiben beispielsweise Hündinnen lange Zeit symptomfrei.
Wie wird eine Cystinurie bei Hunden festgestellt?
Die Cystinurie kann mit unterschiedlichen Methoden festgestellt werden:
- Abstrich der Maulschleimhaut
- Urintest
- Bluttest festgestellt werden
- Gentests bestehen für einige Hunderassen
8 Therapiemaßnahmen bei Cystinurie
Im Gegensatz zu anderen Steinen können Cystinsteine leider nicht mithilfe von Medikamenten aufgelöst werden. Ohne eine spezielle Diät und eine erhöhte Trinkmenge können die Nieren stark geschädigt werden. Diätfutter wirkt leider nicht in allen Fällen, manchmal müssen zusätzlich Medikamente genommen werden.
1. Kastration bei Rüden
Da schlechte Cysteinwerte oft mit einem hohen Testosteronwert einher gehen, kann eine Kastration des an Cystinurie erkrankten Rüden sinnvoll sein. Aber Vorsicht: Ein Chip wäre dagegen gar nicht sinnvoll und kann die Symptome verschlechtern, da sich zunächst der Testosteronspiegel nach Einsetzen des Chips erhöht.
2. Diätische Therapie bei Cysteinsteinen
Die Diät sollte einen verminderten Proteingehalt haben, um die Ausscheidung von Cystin zu verringern. Gleichzeitig kann das Futter leicht alkalisiert werden.
Über eine spezielle Diät kann versucht werden, die Cystinausscheidung zu senken. Da der Körper aus Methionin wiederum Cystein bilden kann, sollte die Methioninzufuhr vermindert werden. Methionin ist eine essentielle Aminosäure, die beispielsweise in Soja, Erbsen, grünem Blattgemüse und Brokkoli zu finden ist. Aber auch Eier und Milchprodukte sind reich an Methionin. Methionin wird leider auch einigen Futtersorten verstärkt zugesetzt. Auf diese sollte entsprechend verzichtet werden.
Wie sollte das Futter aussehen?
- Viel Gemüse und ballaststoffreiche Ernährung (1/3 Obst und Gemüse)
- Pseudogetreide füttern (1/3)
- Nur ein Drittel Fleisch füttern
- Eier und Milch meiden (Quark und Joghurt sind ok)
3. Alkalisierung des pH-Wertes
Da ein saurer Urin (pH-Wert im sauren Bereich) die Bildung von Cystinsteinen begünstigt, kann eine Alkalisierung des Urins kurzfristig helfen. Der pH-Wert des Urins kann durch die Gabe von Kaliumzitrat vermindert (alkalisiert) werden. Euer Tierarzt wird euch die richtige Menge für euren Hund nennen, es sollten ca. 100-150mg Kaliumzitrat pro Kg Gewicht des Hundes am Tag sein. Neben anderen Maßnahmen wie Kastration des Rüden und einer diätischen Therapie kann eine leichte Alkalisierung durch die Gabe von Kalumzitrat erfolgen.
Doch eine dauerhafte Alkalisierung des Urins kann wiederum zu Blasenentzündungen führen und die Bildung von Struvitsteinen begünstigen.
4. Erhöhung von Wasseraufnahme und der Gassi-Frequenz
Die Hunde sollten zu einer erhöhten Wasseraufnahme gebracht werden. Ihr könnt beispielsweise das Futter mit Wasser anreichern oder das Wasser durch die Zugabe von etwas Leckerem (ungesalzene Brühe, etwas Milch u.ä.) attraktiver machen. Gleichzeitig sollte die Gassi-Frequenz erhöht werden, damit der Hund häufiger urinieren kann. Wassernäpfe in allen Räumen aufstellen.
Es ist auch hilfreich, wenn ihr eurem Hund in jedem Raum eurer Wohnung einen Wassernapf aufstellt, damit er jederzeit trinken kann.
5. Gabe von Vitamin C & Vitamin B
Da Vitamin C die Löslichkeit von Cystin zu Cystein verbessert, sollte Vitamin C bei der Erkrankung dem Hund zusätzlich gegeben werden. Ebenso ist die Gabe von Vitamin B hilfreich, um einem Carnitinmangel vorzubeugen.
6. Medikamente
In schweren Fällen können Medikamente notwendig werden, die die Cystinausscheidung über den Urin reduzieren. Doch viele davon können starke Nebenwirkungen auf den Stoffwechsel haben, weshalb es sinnvoll ist, in weniger schweren Fällen auf diese Medikamente zu verzichten.
7. Gesundes Körpergewicht & Bewegung
Bei einer Cystinurie ist es sinnvoll, auf ein gesundes Körpergewicht deines Hundes zu achten, damit sein Körper nicht unnötig belastet wird. Deshalb solltest Du deinen Hund am besten regelmäßig wiegen und bei Bedarf schnell gegensteuern. Hier ein paar Tipps, wie dein Hund abnehmen kann Abnehmen: Mit diesen 8 Tipps klappt es. Ausreichend Bewegung sorgt nicht nur für eine schlanke Linie, sondern hält den Stoffwechsel deines Hundes auf Trab.
8. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
Da sich die Cystinsteine immer wieder neu bilden können und wachsen, solltet ihr regelmäßig den Urin eures Hundes beim Tierarzt überprüfen lassen.
Wie ist die Prognose bei Cystinurie beim Hund?
Ein an Cystinurie erkrankter Hund kann nicht wieder vollständig gesunden, da es sich um eine erblich bedingte Stoffwechselerkrankung handelt.
Je nach Schwere der Erkrankung, kann sie jedoch durch entsprechende Therapie-Maßnahmen verlangsamt werden, so dass keine Blasensteine entstehen und die Niere nicht geschädigt wird.
Was sind die Ursachen der Cystinurie beim Hund?
Die Ursache ist bei den meisten Hunderassen genetisch bedingt, aber nicht bei allen bereits nachgewiesen. Ein hoher Testosteronspiegel geht häufig mit der Bildung von Cysteinsteinen einher. Insofern kann auch Stress die Bildung noch begünstigen.
Vorbeugung ist nur über eine verantwortungsbewusste Zucht möglich.
Bei diesen Hunderassen tritt die Cystinurie verstärkt auf
Cystinurie wurde laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover bereits bei mehr als 65 Hunderassen beobachtet. Bei den folgenden Hunderassen tritt die Erkrankung beispielsweise gehäuft auf:
- Australian Cattle Dog
- Basset
- Continental Bulldog
- Englische Bulldogge
- Französische Bulldogge
- Irish Terrier
- Kromfohrländer
- Labrador Retriever
- Landseer
- Mastiff
- Neufundländer
- Scottish Deerhound
- Zwergpinscher
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