Scheinträchtigkeit kennen und gut überstehen
Einige Zeit nach der Läufigkeit können sich Hündinnen im Wesen und auch körperlich für eine Zeit stark verändern. Die ehemals fröhliche und aufmerksame Hündin wird depressiv und zieht sich in ihr Körbchen zurück.
Sie frisst vielleicht auch schlechter und sieht insgesamt dicker aus. Dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine Zeit der "Pseudo-Schwangerschaft", in der die Hündin eine "gefühlte" Trächtigkeit durchläuft, obwohl sie nie gedeckt wurde.
Bei einigen Hündinnen verläuft diese Phase fast unbemerkt, bei anderen führt sie zu starken körperlichen und psychischen Veränderungen.
Je besser ihr die Scheinträchtigkeit versteht, desto gezielter könnt ihr eure Hündin unterstützen. Manchmal helfen bei der Scheinträchtigkeit schon kleine Tricks und Hausmittel, doch manchmal ist ein Gang zum Tierarzt unausweichlich.
Wir beantworten euch die wichtigsten Fragen zur Scheinträchtigkeit, wie Dauer, Komplikationen, und bei welchen Symptomen ein Gang zum Tierarzt notwendig ist. Mit unseren Tipps könnt ihr eine Scheinträchtigkeit vielleicht verhindern oder eurer Hündin helfen, sie besser zu überstehen.
Inhaltsübersicht
- Schlaues wölfisches Erbe
- Ursache der Scheinträchtigkeit
- Symptome
- Hündinnen, die häufiger betroffen sind
- Zeitpunkt & Dauer
- Scheinmutterschaft
- Therapie und Behandlung bei Scheinträchtigkeit
- Unsere natürlichen Top-Helfer bei Scheinträchtigkeit & Co.
- Prolaktin-Hemmer vom Tierarzt
- Bei diesen Symptomen sofort zum Tierarzt
- Letzter Ausweg Kastration?
Scheinträchtigkeit: Schlaues wölfisches Erbe
Die Scheinträchtigkeit ist tatsächlich ein von der Natur für das Wolfsrudel sehr schlau eingerichteter Vorgang. Bei unseren heutigen Haushündinnen handelt es sich dagegen eher um ein lästiges Relikt aus wölfischer Vorzeit.
Die Natur hat die Scheinträchtigkeit im Wolfsrudel eingerichtet, damit die Leitwölfin von den anderen Wölfinnen bei der Aufzucht ihrer Welpen unterstützt wird. Denn meist ist es die Leitwölfin, die Welpen wirft, während die anderen Wölfinnen sie "nur" unterstützen. So wird gewährleistet, dass Welpen von der stärksten Wölfin geworfen werden und diese auch dann versorgt werden, wenn die Leitwölfin auf der Jagd ist oder wenn ihr etwas in ihrem gefährlichen Job passiert ist.
Wölfinnen werden nur einmal im Jahr läufig und ihr Zyklus verläuft sehr parallel – denn so können sie zeitgleich mit den geworfenen Welpen auch scheinträchtig werden. Häufig spricht man auch bei Hündinnen davon, dass Läufigkeit „ansteckend“ ist: Ist eine Hündin aus einem Rudel oder aus der näheren Umgebung läufig, kann es schnell auch bei der nächsten Hündin losgehen.
Überproduktion der Hormone
Eine Scheinträchtigkeit oder Scheinschwangerschaft besteht dann, wenn die Hündin sich nach der Läufigkeit so verhält, als wäre sie gedeckt worden und hätte Welpen bekommen, obwohl dies nicht der Fall ist. Woran liegt das?
Bei jeder Hündin wird in den Gelbkörpern nach dem Eisprung das Schwangerschaftshormon Progesteron gebildet, selbst wenn sie nicht trächtig geworden ist.
Der Progesteron-Spiegel sinkt gegen Ende der Läufigkeit ab und parallel steigt der Prolaktin-Spiegel im Körper. Prolaktin ist für die Bildung von Milchdrüsen und für die aufkommenden Muttergefühle verantwortlich. Das Gesäuge wächst und die Milchbildung angeregt wird.
Kommt es jedoch zu einer Überproduktion und zu einer längeren Fehlsteuerung des Hormons Prolaktin, dann beginnt die Hündin während einer Scheinträchtigkeit zu leiden.
Symptome der Scheinträchtigkeit
Während der Scheinträchtigkeit können mehr oder minder starke Verhaltensänderungen auftreten. Bei manchen Hündinnen bleibt die Scheinträchtigkeit fast unbemerkt, andere leiden sowohl körperlich als auch psychisch sehr stark.
Es gibt also sowohl psychische als auch körperliche Veränderungen der Hündin während der Scheinträchtigkeit.
Psychische Veränderungen während der Scheinträchtigkeit
Die folgenden psychischen Veränderungen und Verhaltensänderungen können bei einer Hündin während der Scheinträchtigkeit auftreten:
- Die Hündin ist anhänglicher und verschmuster.
- Die Hündin ist träger und weniger aktiv als sonst. Sie schläft mehr.
- In manchen Phasen kann die Hündin aber auch zu Unruhe, Stress und ungewohnten Überreaktionen neigen.
- Manche Hündinnen haben Angst etwas falsch zu machen und zeigen sich besonders unterwürfig.
- Nestbau setzt ein: Die Hündin baut sich für ihre erwarteten Welpen eine Art Nest. Dies kann das Körbchen sein, in das Handtücher und Kissen getragen werden oder ein höhlenartiges Versteck im Schrank oder unter Tischen. Fällt die Wahl des Nestes auf den Garten, können beispielsweise Höhlen im Garten ausgebuddelt werden oder ein Versteck in der Hecke oder im Schuppen gesucht werden.
- Ersatzwelpen werden gesammelt: Die Hündin beginnt mit dem Sammeln, Herumtragen und Bemuttern von "Ersatzwelpen". Sie trägt dafür Spielzeug, Socken, Kleidungsstücke oder ähnliche Gegenstände in den Hundekorb oder in ein von ihr für die Welpen vorgesehenes "Nest".
- Bei den "Welpen" bleiben: Die Hündin mag in dieser Phase nicht gern spazieren gehen, denn sie möchte bei ihren "Ersatzwelpen" bleiben und diese beschützen.
- Manche Hündinnen werden in dieser Zeit geradezu depressiv und haben zu gar nichts mehr Lust.
- Aggression und Verteidigung der Ersatzwelpen gegenüber Menschen und anderen Hunden bzw. Tieren bis zur Hysterie sind möglich.
Körperliche Veränderungen der Hündin
Die folgenden körperlichen Veränderungen und Symptome können bei einer Hündin während der Scheinträchtigkeit auftreten:
- Vergrößerte Zitzen, Anschwellen des Gesäuges der Hündin. Die Hündin beleckt das drückende Gesäuge und regt damit den Milchfluss an.
- Milchfluss ist möglich (Milchsekretion, Lactatio falsa). Normalerweise ist die Milchproduktion der Hündin gering und versieht nach wenigen Tagen. Bei der scheinträchtigen Hündin bleibt sie aber erhalten.
- Der Bauchumfang wächst und das Gesäuge wird größer und hängt mehr
- Die Hündin leidet und hat häufig einen reduzierten Appetit. Manche Hündinnen fressen in dieser Phase sogar gar nicht.
- Häufiges Fiepen
- Zittern der Hündin
Hündinnen, die häufiger betroffen sind
Was vielen Hundehaltern nicht bekannt ist: Auch wenn Haushündinnen nicht gedeckt wurden, läuft hormonell bei ihnen immer eine Scheinträchtigkeit ab.
Bei vielen Hündinnen bemerkt man diese nur wenig, doch andere Hündinnen können unter einer starken Scheinträchtigkeit psychisch und auch körperlich sehr stark leiden.
Rangniedrige Hündinnen
Es wurde beobachtet, dass oft rangniedrigere Hündinnen von der leidvollen Scheinträchtigkeit stärker betroffen sind. Dies könnte damit erklärt werden, dass diese im Wolfsrudel die Ammentätigkeit übernommen haben.
Hündinnen von kleinen Hunderassen
Es wurde auch beobachtet, dass Hündinnen von kleinen Hunderassen wie beispielsweise Dackel häufiger von einer symptomreichen Scheinträchtigkeit betroffen sind als Hündinnen von großen Hunderassen oder von sehr großen Hunderassen.
Werden Hündinnen, die bereits geworfen haben, nicht scheinträchtig?
Hündinnen, die bereits einmal geworfen haben, können genauso häufig oder selten scheinträchtig werden wie andere nicht kastrierte Hündinnen.
Es ist ein Ammenmärchen (man beachte den Wortwitz), dass diese Hündinnen nicht mehr scheinträchtig werden könnten.
Zeitpunkt der Scheinträchtigkeit
Wann wird eine Hündin scheinträchtig? Eine Scheinträchtigkeit tritt in etwa 4-9 Wochen nach der Läufigkeit auf.
Denn eine Hündin würde nach der Deckung durchschnittlich 63 Tage (9 Wochen) ihre Welpen bis zur Geburt austragen.
Eine Scheinträchtigkeit dauert bei Hündinnen durchschnittlich ca. 2-3 Wochen. In einigen Fällen kann dieser Zustand jedoch auch bis zu 8 Wochen anhalten.
Scheinmutterschaft nach der Scheinträchtigkeit
Die Scheinmutterschaft setzt ca. 8-9 Wochen nach den Stehtagen der Hündin ein. Denn die Hündin hätte während der fruchtbaren Tage (Stehtage) gedeckt werden können und würde dann nach rund 9 Wochen (63 Tagen) Welpen zur Welt bringen.
Biologisch betrachtet nimmt jetzt das Elternhormon Prolaktin im Körper der Hündin zu, während der Progesteron-Spiegel (Schwangerschaftshormon) abnimmt.
Therapie und Behandlung bei Scheinträchtigkeit
Es gibt unter
Unsere natürlichen Top-Helfer bei Scheinträchtigkeit & Co.
5 Kräuter bei Scheinträchtigkeit
Homöopathie bei Scheinträchtigkeit
Prolaktin-Hemmer vom Tierarzt
Bei starker Scheinträchtigkeit und wenn sich der Hormonhaushalt nicht mehr von selbst reguliert, wenden Tierärzte oft für einige Tage Prolaktin-Hemmer (keine Hormone) an, damit die Ausschüttung des Schwangerschaftshormons Prolaktin verhindert wird.
Gala-Stop
"Gala-Stop" ist beispielsweise so ein Medikament. Es ist ein oraler Prolactin-Inhibitor für Hündinnen mit dem Wirkstoff Cabergolin. Dieser verhindert die Ausschüttung von Prolactin.
Prolaktin-Hemmer dürfen nicht bei trächtigen Hündinnen angewendet werden, da sie zu Fehlgeburten führen können. Da das Medikament belastend für Leber und Nieren ist, sollte es bei Leber- und Nierenschäden der Hündin nicht gegeben werden. Es darf auch nicht bei Hunden verwendet werden, die bereits blutdrucksenkende Medikamente nehmen.
Nebenwirkungen können Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit sein. Die Symptome der Scheinschwangerschaft lassen häufig 3-7 Tage nach Beginn der Therapie nach.
Bei diesen Symptomen sofort zum Tierarzt
Scheinträchtigkeit hält lange an, eure Hündin leidet
Scheinträchtigkeit ist an sich keine Krankheit, sondern ein normaler, aber oft sehr belastender Zustand bei Hündinnen. Zum Glück sind die Symptome in vielen Fällen gering und nehmen bereits nach 2-3 Wochen wieder ab.
Sollte die Hündin jedoch länger leiden und die körperliche und psychische Belastung hoch sein, dann solltet ihr zum Tierarzt gehen.
Denn die Hündin scheint aus der Hormonschleife nicht mehr von selbst herauszukommen.
Der Tierarzt kann Medikamente zur Linderung verschreiben und diagnostizieren, ob noch weitere mögliche Erkrankungen dahinter stecken.
Hündin wird aggressiv
Sobald Aggressionen gegenüber anderen Hunden oder Menschen aufgrund der durcheinander geratenen Hormone stark zunehmen, ist es empfehlenswert, zum Tierarzt zu gehen.
Anschwellen, Verhärtung der Milchdrüsen
Wenn die Milchdrüsen der Hündin anschwellen, können sie sich schmerzhaft entzünden. Deshalb solltet ihr rechtzeitig zum Tierarzt gehen. Ist das Milchdrüsengewebe geschwollen, hart und gestaut, ist es gut, einen Tierarzt draufschauen zu lassen. Ggf. kann er homöopathische Medikamente zum Abschwellen verschreiben.
Verdacht auf eine Gebärmutterentzündung
Eine Pyometra des Hundes (Gebärmuttervereiterung) kann ein akuter Notfall eurer Hündin sein. Deshalb solltet ihr bei dem kleinsten Verdacht unbedingt einen Tierarzt aufsuchen. Mögliche Symptome sind:
- Schmerzen im Unterbauch
- Fieber (Vitalwerte des Hundes), erhöhte Temperatur
- verstärkter Durst
- Scheidenausfluss, der blutig-eitrig sein kann (aber nicht muss)
- Lustlosigkeit, Depression, Fressunlust
Kastration bei ständig wiederkehrenden Scheinträchtigkeiten?
Es hängt sicherlich sehr individuell davon ab, wie stark ausgeprägt die Scheinträchtigkeit nach der Läufigkeit bei eurer Hündin ist.
Kommt jedoch immer wieder eine sehr starke Scheinträchtigkeit mit körperlichen und psychischen Problemen der Hündin vor, so kann eine Kastration das kleinere Übel für Hündin und Halter auf Dauer sein.
Allerdings gibt es im Gegensatz zum Rüden bei der Hündin keine Kastration auf Probe durch einen Hormon-Chip.
Denn eine Kastration ist bei einer Hündin ein großer Eingriff, der auch langfristige körperliche als auch psychische Veränderungen mit sich bringen kann und schwerwiegende Erkrankungen wie bösartige Tumore begünstigen kann.
Lese-Tipp: Kastration des Hundes: Vor- und Nachteile
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