Gesundheit

Die Kastration des Hundes: Vor- und Nachteile gut abwägen

Lange Zeit galt es als vollkommen selbstverständlich, seinen Rüden oder seine Hündin zu kastrieren. Bei der Hündin ist es wesentlich praktischer, wenn die Läufigkeit nicht durchgemacht und bei eigenen Planungen berücksichtigt werden muss. Für einige Halter ist es fast unmöglich, während der Arbeitszeit eine Betreuung für eine läufige Hündin zu finden. Auch während der Urlaubszeit kann dies zu Einschränkungen führen.

Bei Rüden wird oft angenommen, dass sich ein aggressives oder rüpelhaftes Verhalten insbesondere anderen Rüden gegenüber durch eine Kastration legen würde. Dies kann dann stimmen, wenn das Verhalten aufgrund von Sexualhormonen ausgelöst wird, was jedoch häufig gar nicht der Fall ist. Hündinnen können durch die Kastration sogar aggressiver werden.  

Bis vor kurzem wurde die Verhinderung von einigen Krankheiten, insbesondere von bestimmten Krebsarten durch die Kastration in den Vordergrund gestellt. Doch aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen leider ein anderes Bild, denn bei kastrierten Hunden steigt sowohl das Risiko von Krebs- und anderen Erkrankung als auch von unerwünschtem Angstverhalten. 

Deshalb ist eine Kastration keine leichte Entscheidung, zumal sie laut Tierschutzgesetz (§6 Abs. 1 Satz 2 TierSchG) nur aufgrund medizinischer Gründe durchgeführt werden darf. 

Studien

Studien zur Kastration

Eine der ausführlichsten Studien zu dem Thema der Kastration und ihrer gesundheitlichen Nebenwirkungen in Form von Krebs und Verhaltensstörungen ist eine im "Journal of American Veterinary Medical Association" veröffentlichte Studie von Christine Zink.

Sie stammt aus dem Jahre 2014 und basiert auf über 2.500 ausgewerteten Fällen von Magyar Vizslal zwischen 1992 und 2008.

Der Titel dieser ausführlichen Studie zur Kastration von Hunden ist: "Evaluation of the risk and age of onset of cancer and behavioral disorders in gonadectomized Vizslas".

Doch auch viele weitere Studien untersuchen die Auswirkungen der Kastration auf unsere Haushunde. Eine ganzheitliche Sicht hat beispielsweise auch dieser ausführliche Artikel im Thieme-Verlag "Kastration von Hund und Katze", erschienen in der Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin, 2018. 

Es wurde herausgefunden, dass die Sexualhormone eine positive Auswirkung auf das Immunsystem des Hundes, auf sein Verhalten und auf kanzerogene (krebsartige) Veränderungen hat.

Gesundheitliche Nachteile

9 gesundheitliche Nachteile der Kastration von Hunden

Eine Kastration ist immer ein sehr starker Eingriff in den Hormonhaushalt des Hundes. Doch der Hormonhaushalt spielt für den Körper, seine Entwicklung und auch für das Immunsystem des Hundes eine große Rolle. 

1. Risiko besonders gefährlicher Krebsarten steigt signifikant an

Die Wahrscheinlichkeit, Mastzellentumore, Lymphome und andere Krebsarten zu entwickeln, steigt durch eine Kastration des Hundes signifikant an. Auch das Risiko von Hämangiosarkomen steigt bei Hündinnen und Rüden (Kastration später als 12 Monate) deutlich an. Hämangiosarkome sind gefährliche Tumore, die oft in der Milz, der Haut, der Leber oder im Herzen zu finden sind. Entwicklung von Knochenkrebs (Osteosarkomen) ist bei kastrierten Hunden deutlich höher und kann bis zu viermal so häufig auftreten als bei Nicht-Kastrierten Hunden.

Bei Hunderassen, die rassespezifisch ein erhöhtes Risiko haben, an einer der oben genannten Krebsarten zu erkranken, steigert die Kastration das bestehende Risiko nochmals. Dies sollte bei einer Kastration berücksichtigt werden. So haben beispielsweise Deutsche Schäferhunde, Labrador Retriever und auch Möpse und Rhodesian Ridgebacks ein erhöhtes Risiko von Mastzellentumoren.  

2. Gelenkprobleme treten häufiger auf

Leider ist auch beobachtet worden, dass Kreuzbandrisse bei kastrierten Hunden häufiger auftreten.

Ebenso scheinen weitere Gelenkerkrankungen und Arthrosen wie Hüftgelenksdysplasie (HD) und Kniescheibenverrenkungen (Patella Luxation) negativ durch eine Kastration beeinflusst zu werden und sie treten früher und vielleicht auch stärker auf als bei nicht kastrierten Hunden.  

3. Immunsystem wird negativ beeinflusst

Das Immunsystem ist bei kastrierten Hunden nicht so gut ausgeprägt wie bei nicht kastrierten Hunden. Deshalb steigt die Infektanfälligkeit, aber auch andere Krankheiten wie eine Atopische Dermatitis (Umweltallergie), chronische Darmerkrankungen oder Anämien können durch ein herabgesetztes Immunsystem leichter entstehen.

4. Erhöhtes Risiko der Harninkontinenz (Harnträufeln)

Harninkontinenz tritt je nach Rasse, Gewicht, Kastrationszeitpunkt und weiteren Kriterien bei ca. 5-20% der kastrierten Hunde auf. Dies erfordert nicht nur mehr Pflege und Reinigung, es ist auch dem Hund sehr unangenehm, da er zur "Stubenreinheit" erzogen wurde und ständig sich fühlt, als würde er etwas Verbotenes tun. Beim Rüden tritt die Harninkontinenz aufgrund einer geschrumpften Prostata auf. Bei Hündinnen nimmt die Kraft des Schließmuskels ab.  

5. Adipositas, Gewichtszunahme

Die Kastration führt zu einem verringerten Kalorienbedarf, doch der Hunger bleibt. Oft wird die Fütterung nicht entsprechend umgestellt und die Hunde werden dick, was wiederum andere Erkrankungen nach sich ziehen kann. Verantwortungsbewusste Halter können hier vorbeugen. Insbesondere bei Hunderassen, die zu Adipositas neigen und sehr verfressen sind wie Labrador Retriever, Beagle und auch Englischen Bulldoggen sollte dieser Punkt unbedingt in Betracht gezogen werden. 

6. Verlust an Vitalität möglich

Sei es aufgrund der Gewichtszunahme oder aufgrund der fehlenden Sexualhormone: Manche Hunde verlieren nach der Kastration an Energie, Elan und Vitalität. 

7. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Die Wahrscheinlichkeit, dass kastrierte Hunde eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln ist erhöht. Insbesondere bei Hunderassen, die ohnehin schon eine rassespezifische Prädisposition für eine Hypothyreose haben, wie Dobermänner, Englischen Bulldoggen, American Pitbull Terriern u.w. sollte dieser Punkt in Betracht gezogen werden. 

8. Dauerhafte Fellveränderungen sind möglich

Fellveränderungen wie "Baby- oder Wollfell" sind insbesondere bei langhaarigen Hunderassen wie Settern, Cocker Spaniels, Cavalier King Spaniels oder Langhaar-Dackeln nach der Kastration möglich. Auch Haarwechselprobleme oder saisonal auftretende kahle Stellen (Saisonale Flankenalopezie) können verstärkt auftreten. 

9. Narkose-Risiko

Sicherlich für wenige Hunde eine Gefahr, aber trotzdem besteht bei einer Vollnarkose immer ein kleines Restrisiko.

Insbesondere solltet ihr vor der Gabe von Medikamenten oder Narkosen sicherstellen, dass euer Hund nicht unter dem MDR1-Gendefekt (Multi-Drug-Resistance) leidet. Dies ist insbesondere bei Collie-Rassen häufig der Fall. 

Psyche

6.Mögliche psychische Veränderungen

Eine Kastration ist immer ein sehr starker Eingriff in den gesamten Hormonhaushalt des Hundes. Die Sexualhormone spielen eine große Rolle in der Psyche und im Verhalten des Hundes. Dies bezieht sich sowohl auf Angst-Verhalten, Aggressionen, Bindungen und Ausgeglichenheit des Hundes.

Es ist leider ein Irrglaube, dass kastrierte Hunde leichter zu erziehen wären bzw. das Verhaltensprobleme, die nicht ausschließlich auf dem Sexual-Verhalten basieren, durch eine Kastration nachlassen. Im Gegenteil: 

1. Verhaltensauffälligkeiten steigen signifikant an

Es ist schon länger bekannt, dass das Verhalten von Hunden durch die Kastration beeinflusst wird und sich Ängste steigern können. So wurde nun wissenschaftlich belegt, dass die Angst vor Stürmen und Unwettern mit der Kastration bei Hunden ansteigt. Auch die Angst vor Geräuschen und Angst-Aggressionen können durch die Kastration gesteigert werden.  

2. Kastrierte Rüden können mit anderen Hunde Probleme bekommen

Der Umgang von kastrierten Rüden mit anderen Hunden kann problematisch werden, weil sie aufgrund der Kastration nicht als Rüden eingestuft werden und beispielsweise von Rüden durch Aufreiten belästigt werden können und verunsichert werden. 

3. Hündinnen können aggressiver werden

Bei Hündinnen steigt nach der Kastration der Testosteron-Spiegel. Ist dieser aber bereits vor der Kastration höher als bei anderen Hündinnen, weil beispielsweise mehr Rüden in dem Wurf der Hündin vorkamen ("Maskulinisierung"), so kann die Hündin nach der Kastration aggressiver auftreten. 

4. Zu jung kastrierte Hunde können soziale Probleme bekommen

Werden Hunde bereits vor ihrer Pubertät kastriert, entwickelt sich nicht nur der Körper nicht zu Ende, sondern das Verhalten bleibt häufig kindlich hinter dem Alter zurück. Dies kann bei anderen Hunden zu Missverständnissen und auch Aggressionen gegenüber dem zu früh kastrierten Hund führen. Denn er verhält sich aus Sicht der anderen - nicht früh kastrierten Hunde - einfach komisch und nicht seinem Alter gerecht.  

5. Gesteigerter Jagdtrieb möglich

Die Kastration kann bei Hunden den Jagdtrieb steigern. Die Annahme, dass Hunde aufgrund der Kastration ruhiger werden und daher auch der Jagdtrieb entfällt hat sich leider nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, scheinen sich manche Hunde mit dem Wegfall der Sexualhormone noch stärker auf die Jagd zu konzentrieren.  

6. Ängstliche Hunde werden ängstlicher

Wie oben beschrieben können durch die Kastration Ängste bei Hunden steigen. Das kann bei ohnehin schon ängstlichen Hunden problematisch werden. Deshalb wird bei ängstlichen Hunden oft von der Kastration abgeraten. Dies gilt insbesondere für Rüden, bei denen das Testosteron wegfällt und damit im Verhältnis der Östrogenspiegel ansteigt. 

Vorteile

6 Vorteile der Kastration bei Hündinnen

Den sehr starken gesundheitlichen Nachteilen und auch einigen Nachteilen in der Entwicklung des Verhaltens stehen die folgenden Vorteile bei der Kastration einer Hündin entgegen: 

1. Läufigkeit der Hündin entfällt

Nach der Kastration entfällt die etwas lästige Zeit der Läufigkeit, die die Haltung manchmal erschwert. Urlaube und Abgaben an Gassi-Services oder Hunde-Pensionen sind besser planbar, Hundesportplätze können besucht werden und eventuelle Turniere können mit der Hündin besser geplant werden. Für Jagd- und Arbeitshunde sicherlich auch ein Argument. Doch die Läufigkeit der Hündin ist eine ganz natürliche Phase, die auch vorbeigeht.  

2. Unfruchtbarkeit

Die Hündin ist mit der Kastration unfruchtbar und kann keine ungewollten Welpen mehr bekommen. Allerdings ist die Unfruchtbarkeit irreversibel - solltet ihr später doch Welpen von eurem Hund wünschen, ist dies nicht mehr möglich.  

3. Vermeidung einiger Krebsarten bei Hündinnen

Durch eine Kastration der Hündin werden Krebserkrankungen an den Geschlechtsorganen wie Eierstock-Tumore und Gebärmutterkrebs verhindert. Für die Entstehung von Mamma-Tumoren (Brust- und Gesäugekrebs) besteht allerdings nur eine kleine Risikominderung, wenn die Kastration vor der 2. Läufigkeit stattgefunden hat. Findet die Kastration später statt, kann das Risiko von Mamma-Tumoren durch eine Kastration kaum noch gesenkt werden. Einige Theorien gehen sogar davon aus, dass sich der Krebs dann an anderen Stellen des Körpers seinen Weg sucht.  

4. Vermeidung von Erkrankungen der Gebärmutter

Entzündungen, Tumore oder Erkrankungen der Gebärmutter wie die Pyometra des Hundes (Gebärmuttervereiterung) oder der Eierstöcke und der Eileiter sind nach einer Kastration der Hündin nicht mehr möglich. 

5. Keine Scheinträchtigkeit und hormonelle Schwankungen

Durch die Kastration entstehen bei der Hündin auch keine Scheinträchtigkeiten mehr. Diese können für einige Hündinnen sehr belastend und auch gesundheitlich gefährdend sein. Die Psyche bleibt stabil, da starke hormonelle Schwankungen vermieden werden. Unser Lese-Tipp zum Thema: Scheinträchtigkeit der Hündin: Tipps und Infos.  

6. Haltung mit intaktem Rüden leichter möglich

Kastrierte Hündinnen können gut mit einem intakten Rüden in einem Haushalt gehalten werden. Doch es gibt auch Arzneimittel aus der Pflanzenwelt, die Rüden in diesem Fall beruhigen können. Alternativ kann auch der Rüde in dieser Zeit zu Freunden ausquartiert werden. 

Allerdings sei hier erwähnt, dass auch kastrierte Rüden auf läufige Hündinnen reagieren und sie das Zusammenleben mit einer läufigen Hündin sehr stressen kann. 

Vorteile bei Rüden

6 Vorteile der Kastration bei Rüden

Den sehr starken gesundheitlichen Nachteilen und auch einigen Nachteilen in der Entwicklung des Verhaltens stehen die folgenden Vorteile bei der Kastration eines Rüden entgegen: 

1. Abnahme der Triebhaftigkeit

Rüden leiden nach der Kastration weniger unter der Nähe von läufigen Hündinnen. All die typischen Symptome wie Appetitlosigkeit, Streunen, Jammern, Gewichtsverlust, Aggressionen gegenüber Rüden nehmen ab.

Das Ziehen an der Leine, wenn läufige Hündinnen in der Nase liegen oder das Nicht-Hören beim Rückruf aufgrund von guten Gerüchen können der Vergangenheit angehören. Auchkann das Markieren nachlassen.

Allerdings sind viele dieser Symptome zu Beginn der Pubertät verstärkt und lassen sich mit der Zeit, mit gutem Training und auch mithilfe von natürlichen Mitteln in den Griff bekommen. 

2. Unfruchtbarkeit

Der Rüde ist mit der Kastration unfruchtbar und kann keine ungewollten Welpen mehr zeugen. Allerdings ist die Unfruchtbarkeit irreversibel - solltet ihr später doch Nachwuchs von eurem Hund wünschen, ist dies nicht mehr möglich.  

3. Verhaltensänderungen und Nachlassen von Aggressionen?

Häufig wünschen sich Halter von Rüden eine Kastration, damit sie ihren Rüden besser in den Griff bekommen. Sie erhoffen sich einen besseren Rückruf, weniger Aggression oder auch Dominanz und mehr Entspannung.

Doch das kann ein absoluter Trugschluss sein und nicht jeder agile und vielleicht auch dominante Rüde wird nach einer Kastration leichter in der Haltung. Um zu testen, ob der Rüde aufgrund seiner Sexualhormone ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legt und mit einer Kastration ablegen würde, könnt ihr sehr gut mit einem Hormon-Chip auf Probe testen, wie sich euer Rüde bei weniger Hormonaktivität verändert. Doch auch leider ist ein Chip nicht immer ohne Risiko. 

4. Vermeidung von Krebsarten bei Rüden

Krebserkrankungen der Hoden, der Prostata oder in der Anal-Region (Perianaltumore) können vermieden werden. 

5. Vermeidung von Prostatavergrößerungen

Bei intakten Rüden kann es aufgrund von läufigen Hündinnen in seinem Umfeld zu einem Samenstau und infolge dessen zu einer Prostatavergrößerung kommen. Diese Gefahr besteht bei kastrierten Rüden nicht mehr, denn die Prostata schrumpft nach der Kastration.

6. Haltung mit einer intakten Hündin möglich

Kastrierte Rüden können problemlos mit einer intakten Hündin in einem Haushalt gehalten werden. 

Zeitpunkt der Kastration

Der richtige Zeitpunkt der Kastration von Hunden

Kastration frühestens mit Ende des Wachstums

Es ist sinnvoll mit der Kastration mindestens bis zum Ende des Wachstums des Hundes zu warten, da die Sexualhormone nachweislich auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Skeletts und der Gelenke des Hundes haben.

Das Einsetzen der Geschlechtsreife wäre dagegen ein verfrühter Zeitpunkt der Kastration. 

Wann ist das Ende der Wachstumsphase?

Kleinere Hunderassen sind mit ca. 10 Monaten bereits ausgewachsen. Größere Hunderassen sind dagegen wesentlich später mit 10-24 Monaten ausgewachsen.

Geschlechtsreife bei Rüden

Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife ist bei Rüden nicht eindeutig medizinisch definiert.  Man kann aber bestimmte Verhaltensweisen des Rüden als Beginn der Geschlechtsreife erkennen. Es beginnt das häufige Beinheben und Markieren mit Urin, er schnüffelt mehr an den Markierungen anderer Hunde und probiert sich mit anderen Rüden im Spiel aus. 

Geschlechtsreife bei Hündinnen

Bei der Hündin setzt die Geschlechtsreife mit der ersten Läufigkeit ein, was bei einigen Hündinnen schon sehr früh sein kann, bei anderen auch 2 Jahre dauern kann. Doch nicht jede Hündin ist mit der ersten Läufigkeit bereits ausgewachsen.

Grundsätzlich sollte bei einer Hündin eine Kastration in der sexuellen Ruhephase (Anöstrus) kastriert werden, die ca. 9-12 Wochen nach der Stehphase der Läufigkeit beginnt und je nach Hündin durchschnittlich 4-5 Monate. 

4 starke Nachteile der Frühkastration

Eine Frühkastration bereits vor der ersten Läufigkeit der Hündin oder vor der Geschlechtsreife des Rüden wurde lange Zeit in den USA empfohlen.

Man empfand es als wünschenswert, das jugendlich-verspielte Verhalten des Hundes zu erhalten.

Doch die neue Wissenschaft zeigt sehr deutlich, dass insbesondere die frühe Kastration zu starken Nachteilen führt:

1. Steigerung Krebsrisiko

Je jünger die Hunde bei der Kastration sind, desto früher entwickeln sie häufig sehr bösartige Krebsarten wie Mastzellentumore, Hämangiosarkome, Lymphome oder weitere Krebsarten.

2. Steigerung von Verhaltensauffälligkeiten

Hunde, die bei der Kastration jünger als 6 Monate sind, haben ein stark erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. So sind verstärkt Ängste, wie beispielsweise vor Unwettern mit Gewitter und Stürmen beobachtet worden.

3. Steigerung von Gelenkproblemen

Eine frühe Kastration kann eine negative Auswirkung auf die Entwicklung des Skeletts und der Gelenke haben und später zu Arthrosen, HD oder Bänderrissen führen.

4. Krankhafter Hochwuchs

Eine Frühkastration kann zu dem sogenannten "Eunuchoiden Hochwuchs" bei Rüden führen, der wiederum weitere gesundheitliche Risiken erhöht. 

Gesetzliche Situation

Das Tierschutzgesetz lässt Kastrationen nur in Einzelfällen zu

Eine Kastration von Hunden stellt im Sinne des Tierschutzgesetzes eine Amputation dar, die nur aus medizinischen Gründen oder bei jagdlich zu führenden Hunden nicht strafbar ist.  Bei der Kastration werden Organe wie Hoden oder Eierstöcke/Gebärmutter entfernt, was laut Gesetz verboten ist.

Nach dem TierSchutzGesetz in seiner Fassung vom 18.05.2006 gilt:

1 TierSchG:„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“.

6 TierSchG (1): „Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn

  1. Der Eingriff im Einzelfall
    a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
  2. b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen“

18 TierSchG: "Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

  1. Einem Wirbeltier, da er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt".

Die unterschiedlichen Arten der Kastration bzw. Sterilisation bei

Es ist nicht so, wie häufig angenommen wird, dass Rüden kastriert und Hündinnen sterilisiert werden. Doch das stimmt so nicht, denn:  

Kastration

Kastration = Komplette Entfernung der Fortpflanzungsorgane (Hoden, Eierstöcke)

Sterilisation

Sterilisation = Durchtrennen der Eileiter, Samenleiter. Hoden und Eierstöcke verbleiben im Körper

Es ist folglich beides sowohl beim Rüden als auch bei der Hündin möglich. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten der Unfruchtbarmachung, die wir euch hier kurz vorstellen möchten. 

Kastration Rüde

Kastration Rüde

Bei Rüden werden bei der Kastration die Hoden entfernt. Der Rüde ist damit nicht mehr zeugungsfähig und es werden keine Hormone mehr produziert. 

Vasektomie (Sterilisation Rüde)

Der Rüde wird unfruchtbar gemacht, ist aber hormonell intakt. Die Samenleiter des Rüden werden durchtrennt oder abgebunden.

Hündin

Kastration & Sterilisation der Hündin

Ovariohysterektomie (Kastration Hündin)

Bei der Ovariohysterektomie werden sowohl die Eierstöcke samt Eileitern und meistens die komplette Gebärmutter entfernt. Diese Operationsmethode wurde früher ausschließlich angewendet. 

Ovariektomie (Kastration Hündin)

Bei der Ovariektomie werden die beiden Eierstöcke entfernt. Sowohl die Eileiter als auch die Gebärmutter bleiben bestehen.

Da es keine krankhaften Veränderungen der Gebärmutter (Uterus) nach einer Ovariektomie gibt, besteht kein Grund für die Entfernung der Gebärmutter. 

Einseitige Ovariektomie (Halb-Kastration)

Ein Eierstock verbleibt der Hündin, der andere Eierstock und die Gebärmutter werden entfernt

  • Hündin ist hormonell intakt
  • Keine Gewichtszunahme
  • Keine Inkontinenz (Harnträufeln)
  • Läufigkeitssymptome der Hündin sind minimal (kaum Bluten, kaum Markieren etc.)
  • Hündin riecht weiterhin für Rüden attraktiv

Oviduktomie (Sterilisation Hündin)

Der der Oviduktomie werden die Eileiter der Hündin durchtrennt oder abgebunden. Die Hündin wird dadurch unfruchtbar gemacht und ist weiterhin läufig und hormonell intakt.

  • Hündin ist hormonell intakt
  • Hündin ist unfruchtbar
  • Keine Gewichtszunahme
  • Kein Verlust der Vitalität
  • Keine Gefahr der Inkontinenz (Harntröpfeln)
  • Läufigkeit weiterhin vorhanden

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine minimalinvasive Kastration bei der Hündin vornehmen zu lassen. Die endoskopische Kastration ist zwar teurer, aber dafür ist der Eingriff wesentlich kleiner und die Wunde verheilt sehr viel schneller. Meine Hündin Lotte konnte bereits am Tag nach der OP wieder normal gehen (natürlich wurde sie geschont) und nach wenigen Tagen waren die kleinen Narben fast verheilt. 

4 Gründe für eine Kastration

Natürlich gibt es trotz der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Nachteile der Kastration individuelle Gründe, die trotzdem für eine Kastration sprechen können. So z.B.:

1. Rüde & Hündin in einem Haushalt

Haltung von Rüde und Hündin in einem Haushalt

2. Tierschutz

Haltung im Tierschutz (Vermeidung von Welpen, Haltung von vielen Hunden)

3. Jagd- und Arbeitshunde

Jagd- und Arbeitshunde, die zu jedem Zeitpunkt eingesetzt werden sollen

4. Medizinische Indikationen

  • Starke Scheinträchtigkeitssymptome und Scheinmutterschaften bei Hündinnen sprechen für eine Kastration. 
  • Beim Rüden können Erkrankungen oder Verletzungen der Geschlechtsorgane für eine Kastration sprechen. So z.B. Hodentumore oder Kryptorchismus (Hoden liegen in der Bauchhöhle oder in der Leiste)
  • Bei der Hündin können Erkrankungen der Gebärmutter für eine Kastration sprechen. So z.B. Tumore der Gebärmutter oder der Eierstöcke, starke Gebärmutterentzündungen oder auch zyklusbedingte Zuckererkrankung.

Gib uns Pfoten:

Schreibe uns:

Hündin: Läufigkeit, Scheinträchtigkeit & Co.

Hündinnen werden durchschnittlich zweimal im Jahr läufig und dies ist eine kleine kurze Ausnahmezeit für die Halter von Hündinnen als auch von Rüden in der Umgebung.

Mit der Läufigkeit können eine ausgeprägte Scheinträchtigkeit und Scheinmutterschaft bei der Hündin einhergehen. Hier gibt es viele natürliche Helfer, um diese Phasen abzumildern und der Hündin zu helfen. Leider gibt es auch geschlechtsspezifische Erkrankungen wie eine Gebärmuttervereiterung bei der Hündin.

Rüden: Triebe, Hormon-Chip, Kastration & Co.

Geschlechtsreife Rüden bringen so ihre Herausforderungen mit sich. Rüden können zu regelrechten Nervensägen und Testosteron-Machos mutieren. Und irgendeine Hündin ist doch in der Nachbarschaft immer läufig. Doch es muss nicht gleich ein Hormon-Chip gesetzt werden oder eine Kastration erfolgen. Wir zeigen euch natürliche Helfer, sowie die Vor- und Nachteile von Hormon-Chip und Kastration.  

Hormon-Chip: Kastration des Rüden auf Probe

Wirkung, Vor- und Nachteile, Zeitpunkt und Kosten des Hormon-Chips.

Kastration: Vor- und Nachteile

Kastration ist aufgrund aktueller Forschung nicht mehr die Norm.

Testosteron-Machos: Tipps für liebestolle Rüden

In der Nähe von läufigen Hündinnen drehen manche Rüden stark auf. So könnt ihr ihnen helfen.

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