Gesundheit

Die Kastration des Hundes: Vor- und Nachteile gut abwägen

Lange Zeit galt es als vollkommen selbstverständlich, seinen Rüden oder seine Hündin zu kastrieren. Bei der Hündin ist es wesentlich praktischer, wenn die Läufigkeit nicht durchgemacht und bei eigenen Planungen berücksichtigt werden muss. Für einige Halter ist es fast unmöglich, während der Arbeitszeit eine Betreuung für eine läufige Hündin zu finden. Auch während der Urlaubszeit kann dies zu Einschränkungen führen.

Bei Rüden wird oft angenommen, dass sich ein aggressives oder rüpelhaftes Verhalten insbesondere anderen Rüden gegenüber durch eine Kastration legen würde. Dies kann dann stimmen, wenn das Verhalten aufgrund von Sexualhormonen ausgelöst wird, was jedoch häufig gar nicht der Fall ist. Hündinnen können durch die Kastration sogar aggressiver werden.  

Bis vor kurzem wurde die Verhinderung von einigen Krankheiten, insbesondere von bestimmten Krebsarten durch die Kastration in den Vordergrund gestellt. Doch aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen leider ein anderes Bild, denn bei kastrierten Hunden steigt sowohl das Risiko von Krebs- und anderen Erkrankung als auch von unerwünschtem Angstverhalten. 

Deshalb ist eine Kastration keine leichte Entscheidung, zumal sie laut Tierschutzgesetz nur aufgrund medizinischer Gründe durchgeführt werden darf. 

Fröhliche Hundefamilie - aber auch wenn ihr keine Welpen möchtet, solltet ihr die Nachteile einer Kastration kennen

Eine der ausführlichsten Studien zu dem Thema der Kastration und ihrer gesundheitlichen Nebenwirkungen in Form von Krebs und Verhaltensstörungen ist eine im "Journal of American Veterinary Medical Association" veröffentlichte Studie von Christine Zink. Sie stammt aus dem Jahre 2014 und basiert auf über 2.500 ausgewerteten Fällen von Magyar Vizslas zwischen 1992 und 2008. Ihr Titel ist: "Evaluation of the risk and age of onset of cancer and behavioral disorders in gonadectomized Vizslas". Doch auch viele weitere neuere Studien untersuchen die Auswirkungen der Kastration auf unsere Haushunde.

Es wurde herausgefunden, dass die Sexualhormone eine positive Auswirkung auf das Immunsystem des Hundes, auf sein Verhalten und auf kanzerogene (krebsartige) Veränderungen hat.

Gesundheitliche Nachteile der Kastration von Hunden

Eine Kastration ist immer ein sehr starker Eingriff in den Hormonhaushalt des Hundes. Doch der Hormonhaushalt spielt für den Körper, seine Entwicklung und auch für das Immunsystem des Hundes eine große Rolle. 

  • Risiko besonders gefährlicher Krebsarten steigt signifikant an

    Die Wahrscheinlichkeit, Mastzellentumore, Lymphome und andere Krebsarten zu entwickeln, steigt durch eine Kastration des Hundes signifikant an. Auch das Risiko von Hämangiosarkomen steigt bei Hündinnen und Rüden (Kastration später als 12 Monate) deutlich an. Hämangiosarkome sind gefährliche Tumore, die oft in der Milz, der Haut, der Leber oder im Herzen zu finden sind. Entwicklung von Knochenkrebs (Osteosarkomen) ist bei kastrierten Hunden deutlich höher und kann bis zu viermal so häufig auftreten als bei Nicht-Kastrierten Hunden.

    Bei Hunderassen, die rassespezifisch ein erhöhtes Risiko haben, an einer der oben genannten Krebsarten zu erkranken, steigert die Kastration das bestehende Risiko nochmals. Dies sollte bei einer Kastration berücksichtigt werden. So haben beispielsweise Deutsche Schäferhunde, Labrador Retriever und auch Möpse und Rhodesian Ridgebacks ein erhöhtes Risiko von Mastzellentumoren. 
  • Gelenkprobleme treten häufiger auf

    Leider ist auch beobachtet worden, dass Kreuzbandrisse bei kastrierten Hunden häufiger auftreten. Ebenso scheinen weitere Gelenkerkrankungen und Arthrosen wie Hüftgelenksdysplasie und Patelleluxationen negativ durch eine Kastration beeinflusst zu werden und sie treten früher und vielleicht auch stärker auf als bei nicht kastrierten Hunden. 
  • Immunsystem wird negativ beeinflusst

    Das Immunsystem ist bei kastrierten Hunden nicht so gut ausgeprägt wie bei nicht kastrierten Hunden. Deshalb steigt die Infektanfälligkeit, aber auch andere Krankheiten wie eine atopische Dermatitis, chronische Darmerkrankungen oder Anämien können durch ein herabgesetztes Immunsystem leichter entstehen.
  • Erhöhtes Risiko der Harninkontinenz (Harnträufeln)

    Harninkontinenz tritt je nach Rasse, Gewicht, Kastrationszeitpunkt und weiteren Kriterien bei ca. 5-20% der kastrierten Hunde auf. Dies erfordert nicht nur mehr Pflege und Reinigung, es ist auch dem Hund sehr unangenehm, da er zur "Stubenreinheit" erzogen wurde und ständig sich fühlt, als würde er etwas Verbotenes tun. Beim Rüden tritt die Harninkontinenz aufgrund einer geschrumpften Prostata auf. Bei Hündinnen nimmt die Kraft des Schließmuskels ab. 
  • Adipositas, Gewichtszunahme

    Die Kastration führt zu einem verringerten Kalorienbedarf, doch der Hunger bleibt. Oft wird die Fütterung nicht entsprechend umgestellt und die Hunde werden dick, was wiederum andere Erkrankungen nach sich ziehen kann. Verantwortungsbewusste Halter können hier vorbeugen. Insbesondere bei Hunderassen, die zu Adipositas neigen und sehr verfressen sind wie Labradore, Beagle und auch Bulldoggen sollte dieser Punkt unbedingt in Betracht gezogen werden. 
  • Verlust an Vitalität möglich

    Sei es aufgrund der Gewichtszunahme oder aufgrund der fehlenden Sexualhormone: Manche Hunde verlieren nach der Kastration an Energie, Elan und Vitalität. 
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

    Die Wahrscheinlichkeit, dass kastrierte Hunde eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln ist erhöht. Insbesondere bei Hunderassen, die ohnehin schon eine rassespezifische Prädisposition für eine Hypothyreose haben, wie Dobermänner, Englischen Bulldoggen, American Pitbull Terriern u.w. sollte dieser Punkt in Betracht gezogen werden. 
  • Dauerhafte Fellveränderungen sind möglich

    Fellveränderungen wie "Baby- oder Wollfell" sind insbesondere bei langhaarigen Hunderassen wie Settern, Cocker Spaniels, Cavalier King Spaniels oder Langhaar-Dackeln nach der Kastration möglich. Auch Haarwechselprobleme oder saisonal auftretende kahle Stellen (Saisonale Flankenalopezie) können verstärkt auftreten.
  • Narkose-Risiko

    Sicherlich für wenige Hunde eine Gefahr, aber trotzdem besteht bei einer Vollnarkose immer ein kleines Restrisiko. Insbesondere solltet ihr vor der Gabe von Medikamenten oder Narkosen sicherstellen, dass euer Hund nicht unter dem MDR1-Gendefekt (Multi-Drug-Resistance) leidet. Dies ist insbesondere bei Collie-Rassen häufig der Fall. 

Veränderungen im Verhalten nach der Kastration

Eine Kastration ist immer ein sehr starker Eingriff in den gesamten Hormonhaushalt des Hundes. Die Sexualhormone spielen eine große Rolle in der Psyche und im Verhalten des Hundes. Dies bezieht sich sowohl auf Angst-Verhalten, Aggressionen, Bindungen und Ausgeglichenheit des Hundes. 

  • Verhaltensauffälligkeiten steigen signifikant an

    Es ist schon länger bekannt, dass das Verhalten von Hunden durch die Kastration beeinflusst wird und sich Ängste steigern können. So wurde nun wissenschaftlich belegt, dass die Angst vor Stürmen und Unwettern mit der Kastration bei Hunden ansteigt. Auch die Angst vor Geräuschen und Angst-Aggressionen können durch die Kastration gesteigert werden. 
  • Kastrierte Rüden können mit anderen Hunde Probleme bekommen

    Der Umgang von kastrierten Rüden mit anderen Hunden kann problematisch werden, weil sie aufgrund der Kastration nicht als Rüden eingestuft werden und beispielsweise von Rüden durch Aufreiten belästigt werden können und verunsichert werden.
  • Hündinnen können aggressiver werden

    Bei Hündinnen steigt nach der Kastration der Testosteron-Spiegel. Ist dieser aber bereits vor der Kastration höher als bei anderen Hündinnen, weil beispielsweise mehr Rüden in dem Wurf der Hündin vorkamen, so kann die Hündin nach der Kastration aggressiver auftreten. 

  • Zu jung kastrierte Hunde können soziale Probleme bekommen

    Werden Hunde bereits vor ihrer Pubertät kastriert, entwickelt sich nicht nur der Körper nicht zu Ende, sondern das Verhalten bleibt häufig kindlich hinter dem Alter zurück. Dies kann bei anderen Hunden zu Missverständnissen und auch Aggressionen gegenüber dem zu früh kastrierten Hund führen. Denn er verhält sich aus Sicht der anderen - nicht früh kastrierten Hunde - einfach komisch und nicht seinem Alter gerecht. 
  • Gesteigerter Jagdtrieb möglich

    Die Kastration kann bei Hunden den Jagdtrieb steigern. Die Annahme, dass Hunde aufgrund der Kastration ruhiger werden und daher auch der Jagdtrieb entfällt hat sich leider nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, scheinen sich manche Hunde mit dem Wegfall der Sexualhormone noch stärker auf die Jagd zu konzentrieren. 
  • Ängstliche Hunde werden ängstlicher

    Wie oben beschrieben können durch die Kastration Ängste bei Hunden steigen. Das kann bei ohnehin schon ängstlichen Hunden problematisch werden. Deshalb wird bei ängstlichen Hunden oft von der Kastration abgeraten. Dies gilt insbesondere für Rüden, bei denen das Testosteron wegfällt und damit im Verhältnis der Östrogenspiegel ansteigt. 

Vorteile der Kastration bei Hündinnen

Den sehr starken gesundheitlichen Nachteilen und auch einigen Nachteilen in der Entwicklung des Verhaltens stehen die folgenden Vorteile bei der Kastration einer Hündin entgegen:

  • Läufigkeit der Hündin entfällt

    Nach der Kastration entfällt die etwas lästige Zeit der Läufigkeit, die die Haltung manchmal erschwert. Urlaube und Abgaben an Gassi-Services oder Hunde-Pensionen sind besser planbar, Hundesportplätze können besucht werden und eventuelle Turniere können mit der Hündin besser geplant werden. Für Jagd- und Arbeitshunde sicherlich auch ein Argument. Doch die Läufigkeit der Hündin ist eine ganz natürliche Phase, die auch vorbeigeht. 
  • Unfruchtbarkeit

    Die Hündin ist mit der Kastration unfruchtbar und kann keine ungewollten Welpen mehr bekommen. Allerdings ist die Unfruchtbarkeit irreversibel - solltet ihr später doch Welpen von eurem Hund wünschen, ist dies nicht mehr möglich. 
  • Vermeidung einiger Krebsarten bei Hündinnen

    Durch eine Kastration der Hündin werden Krebserkrankungen an den Geschlechtsorganen wie Eierstock-Tumore und Gebärmutterkrebs verhindert. Für die Entstehung von Mammatumoren (Brustkrebs) besteht allerdings nur eine kleine Risikominderung, wenn die Kastration vor der 2. Läufigkeit stattgefunden hat. Findet die Kastration später statt, kann das Risiko von Mammatumoren (Brustkrebs) durch eine Kastration stark gesenkt werden.
  • Vermeidung von Erkrankungen der Gebärmutter

    Entzündungen, Tumore oder Erkrankungen der Gebärmutter wie die Pyometra des Hundes (Gebärmuttervereiterung) oder der Eierstöcke und der Eileiter sind nach einer Kastration der Hündin nicht mehr möglich.
  • Keine Scheinträchtigkeit und hormonelle Schwankungen

    Durch die Kastration entstehen bei der Hündin auch keine Scheinträchtigkeiten mehr. Diese können für einige Hündinnen sehr belastend und auch gesundheitlich gefährdend sein. Die Psyche bleibt stabil, da starke hormonelle Schwankungen vermieden werden. Unser Lese-Tipp zum Thema: Scheinträchtigkeit der Hündin: Tipps und Infos
  • Haltung mit intaktem Rüden leichter möglich

    Kastrierte Hündinnen können gut mit einem intakten Rüden in einem Haushalt gehalten werden. Doch es gibt auch Arzneimittel aus der Pflanzenwelt, die Rüden in diesem Fall beruhigen können. Alternativ kann auch der Rüde in dieser Zeit zu Freunden ausquartiert werden. 

Vorteile der Kastration bei Rüden

Den sehr starken gesundheitlichen Nachteilen und auch einigen Nachteilen in der Entwicklung des Verhaltens stehen die folgenden Vorteile bei der Kastration eines Rüden entgegen:

  • Abnahme der Triebhaftigkeit

    Rüden leiden nach der Kastration weniger unter der Nähe von läufigen Hündinnen. All die typischen Symptome wie Appetitlosigkeit, Streunen, Jammern, Gewichtsverlust, Aggressionen gegenüber Rüden nehmen ab. Das Ziehen an der Leine, wenn läufige Hündinnen in der Nase liegen oder das Nicht-Hören beim Rückruf aufgrund von guten Gerüchen können der Vergangenheit angehören. Auch kann das Markieren nachlassen. Lese-Tipp: Tipps für liebestolle Rüden.
  • Unfruchtbarkeit

    Der Rüde ist mit der Kastration unfruchtbar und kann keine ungewollten Welpen mehr zeugen. Allerdings ist die Unfruchtbarkeit irreversibel - solltet ihr später doch Nachwuchs von eurem Hund wünschen, ist dies nicht mehr möglich. 
  • Verhaltensänderungen und Nachlassen von Aggressionen?

    Häufig wünschen sich Halter von Rüden eine Kastration, damit sie ihren Rüden besser in den Griff bekommen. Sie erhoffen sich einen besseren Rückruf, weniger Aggression oder auch Dominanz und mehr Entspannung. Doch das kann ein absoluter Trugschluss sein und nicht jeder agile und vielleicht auch dominante Rüde wird nach einer Kastration leichter in der Haltung. Um zu testen, ob der Rüde aufgrund seiner Sexualhormone ein unerwünschtes Verhalten an den Tag legt und mit einer Kastration ablegen würde, könnt ihr sehr gut mit einem Hormon-Chip auf Probe testen, wie sich euer Rüde bei weniger Hormonaktivität verändert. 
  • Vermeidung von Krebsarten bei Rüden

    Krebserkrankungen der Hoden, der Prostata oder in der Anal-Region (Perianaltumore) können vermieden werden. 
  • Vermeidung von Prostatavergrößerungen

    Bei intakten Rüden kann es aufgrund von läufigen Hündinnen in seinem Umfeld zu einem Samenstau und infolge dessen zu einer Prostatavergrößerung kommen. Diese Gefahr besteht bei kastrierten Rüden nicht mehr, denn die Prostata schrumpft nach der Kastration.
  • Haltung mit einer intakten Hündin möglich

    Kastrierte Rüden können problemlos mit einer intakten Hündin in einem Haushalt gehalten werden. 

Zeitpunkt der Kastration

Frühkastration hat starke Nachteile für die Hunde

Eine Frühkastration bereits vor der ersten Läufigkeit der Hündin oder vor der Geschlechtsreife des Rüden wurde lange Zeit in den USA empfohlen. Doch die neue Wissenschaft zeigt sehr deutlich, dass insbesondere die frühe Kastration zu starken Nachteilen führt:

  • Je jünger die Hunde bei der Kastration sind, desto früher entwickeln sie häufig sehr bösartige Krebsarten wie Mastzellentumore, Hämangiosarkome, Lymphome oder weitere Krebsarten.
  • Hunde, die bei der Kastration jünger als 6 Monate sind, haben ein stark erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. So sind verstärkt Ängste, wie beispielsweise vor Unwettern mit Gewitter und Stürmen beobachtet worden.
  • Eine frühe Kastration kann eine negative Auswirkung auf die Entwicklung des Skeletts und der Gelenke haben und später zu Arthrosen, HD oder Bänderrissen führen.
  • Eine Frühkastration kann zu dem sogenannten "Eunuchoiden Hochwuchs" führen.

Kastration erst mit Ende des Wachstums

Es ist sinnvoll mit der Kastration mindestens bis zum Ende des Wachstums des Hundes zu warten, da die Sexualhormone nachweislich auch einen Einfluss auf die Entwicklung des Skeletts und der Gelenke des Hundes haben.

Kleinere Hunderassen sind mit ca. 10 Monaten bereits ausgewachsen. Größere Hunderassen sind dagegen wesentlich später mit 10-24 Monaten ausgewachsen.

Die Geschlechtsreife setzt dagegen meist vor dem Ende des Wachstums ein und ihr erkennt sie beim Rüden an seinem Verhalten: Es beginnt das häufige Beinheben und Markieren mit Urin, er schnüffelt mehr an den Markierungen anderer Hunde und probiert sich mit anderen Rüden im Spiel aus. Bei der Hündin setzt die Geschlechtsreife mit der ersten Läufigkeit ein, was bei einigen Hündinnen schon sehr früh sein kann, bei anderen auch 2 Jahre dauern kann. Doch nicht jede Hündin ist mit der ersten Läufigkeit bereits ausgewachsen. Grundsätzlich sollte bei einer Hündin eine Kastration in der sexuellen Ruhephase (Anöstrus) kastriert werden, die ca. 9-12 Wochen nach der Stehphase der Läufigkeit beginnt und je nach Hündin durchschnittlich 4-5 Monate. 

Gesetzliche Situation

Das Tierschutzgesetz lässt Kastrationen nur in Einzelfällen zu

Eine Kastration von Hunden stellt im Sinne des Tierschutzgesetzes eine Amputation dar, die nur aus medizinischen Gründen oder bei jagdlich zu führenden Hunden nicht strafbar ist.  Bei der Kastration werden Organe wie Hoden oder Eierstöcke/Gebärmutter entfernt, was laut Gesetz verboten ist.

Nach dem TierSchutzGesetz in seiner Fassung vom 18.05.2006 gilt:

1 TierSchG:„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“.

6 TierSchG (1): „Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres. Das Verbot gilt nicht, wenn

  1. Der Eingriff im Einzelfall
    a) nach tierärztlicher Indikation geboten ist oder
  2. b) bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen“

18 TierSchG: "Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

  1. Einem Wirbeltier, da er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt"

Die unterschiedlichen Arten der Kastration bzw. Sterilisation bei Hunden

Es ist nicht so, wie häufig angenommen wird, dass Rüden kastriert und Hündinnen sterilisiert werden. Doch das stimmt so nicht, denn:  

  • Kastration = Komplette Entfernung der Fortpflanzungsorgane (Hoden, Eierstöcke)
  • Sterilisation = Durchtrennen der Eileiter, Samenleiter. Hoden und Eierstöcke verbleiben im Körper

Es ist folglich beides sowohl beim Rüden als auch bei der Hündin möglich. Dabei gibt es unterschiedliche Varianten der Unfruchtbarmachung, die wir euch hier kurz vorstellen möchten. 

Kastration Rüde

Bei Rüden werden bei der Kastration die Hoden entfernt. Der Rüde ist damit nicht mehr zeugungsfähig und es werden keine Hormone mehr produziert. 

Ovariohysterektomie (Kastration Hündin)

Bei der Ovariohysterektomie werden sowohl die Eierstöcke samt Eileitern und meistens die komplette Gebärmutter entfernt. Diese Operationsmethode wurde früher ausschließlich angewendet. 

Ovariektomie (Kastration Hündin)

Bei der Ovariektomie werden die beiden Eierstöcke entfernt. Sowohl die Eileiter als auch die Gebärmutter bleiben bestehen. Da es keine krankhaften Veränderungen der Gebärmutter (Uterus) nach einer Ovariektomie gibt, besteht kein Grund für die Entfernung der Gebärmutter. 

Einseitige Ovariektomie (Halb-Kastration)

Ein Eierstock verbleibt der Hündin, der andere Eierstock und die Gebärmutter werden entfernt

  • Hündin ist hormonell intakt
  • Keine Gewichtszunahme
  • Keine Inkontinenz (Harnträufeln)
  • Läufigkeitsymptome der Hündin sind minimal (kaum Bluten, kaum Markieren etc.)
  • Hündin riecht weiterhin für Rüden attraktiv

Oviduktomie (Sterilisation Hündin)

Der der Oviduktomie werden die Eileiter der Hündin durchtrennt oder abgebunden. Die Hündin wird dadurch unfruchtbar gemacht und ist weiterhin läufig und hormonell intakt.

  • Hündin ist hormonell intakt
  • Hündin ist unfruchtbar
  • Keine Gewichtszunahme
  • Kein Verlust der Vitalität
  • Keine Gefahr der Inkontinenz (Harntröpfeln)
  • Läufigkeit weiterhin vorhanden

Vasektomie (Sterilisation Rüde)

  • Der Rüde wird unfruchtbar gemacht, ist aber hormonell intakt. Die Samenleiter des Rüden werden durchtrennt oder abgebunden.

Kastration trotz der gesundheitlichen Nachteile und gesetzlicher Lage

Natürlich gibt es trotz der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die gesundheitlichen Nachteile der Kastration individuelle Gründe, die trotzdem für eine Kastration sprechen können. So z.B.:

  • Haltung von Rüde und Hündin in einem Haushalt
  • Haltung im Tierschutz (Vermeidung von Welpen, Haltung von vielen Hunden)
  • Jagd- und Arbeitshunde, die zu jedem Zeitpunkt eingesetzt werden sollen
  • Medizinische Indikationen
    • Starke Scheinträchtigkeitssymptome
    • Beim Rüden können Erkrankungen oder Verletzungen der Geschlechtsorgane für eine Kastration sprechen. So z.B. Hodentumore oder Kryptorchismus (Hoden liegen in der Bauchhöhle oder in der Leiste)
    • Bei der Hündin können Erkrankungen der Gebärmutter für eine Kastration sprechen. So z.B. Tumore der Gebärmutter oder der Eierstöcke, starke Gebärmutterentzündungen. Zyklusbedingte Zuckererkrankung.

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