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Covid-Spürhunde: Hunde helfen im Kampf gegen Corona
Neue Jobs für unsere Spürnasen - Hunde sind schon lange treue und sehr fähige Helfer der Menschen. In den letzten Jahrzehnten sind sie vom Jäger, Hüter und Wächter immer mehr auch zum Helfer geworden. Als Assistenz- und Spürhunde zeigen sie, was in ihnen steckt. Auf dem Gebiet der medizinischen Geruchserkennung können sie wahre Wunder bewirken. Ihr Potential als Helfer bei Krankheiten ist noch lange nicht ausreichend erforscht und ausgeschöpft. Der „beste Freund des Menschen“ hilft uns erneut, denn jetzt hilft er uns, Covid-19 aufzuspüren. Wie funktioniert das jedoch genau und wie könnten Hunde uns im Kampf gegen die Ausbreitung von COVID-19 mit ihren Nasen zukünftig unterstützen?
Medizinische Geruchserkennung durch Hunde, wie funktioniert das?
Hunde können am Geruch Krankheit von Gesundheit unterscheiden. Hunde sind in der Lage, infektiöse und nichtinfektiöse Krankheiten wie Malaria, Diabetes, und sowohl bakterielle als auch virale Infektionen über die Nase zu erkennen. Tierische Tests und Diagnosen sind dabei recht sicher: Die Trefferquoten eines gut trainierten Hundes liegen bei über 90%.
Dabei riechen die Hunde nicht das Virus selbst, doch das Virus verändert den Stoffwechsel befallener menschlicher Zellen. Dadurch wird der Geruch verändert, den Menschen in ihren körperlichen Sekreten, wie insbesondere in Atem, Schweiß und Speichel, aber auch Kot- und Urin ausströmen. Die dann abgegebenen veränderten Stoffe können Hunde sehr genau riechen.
Schon länger ist auch bekannt, dass entsprechend ausgebildete Hunde Krebserkrankungen über ihre Nase sehr früh erkennen können: Darm-, Haut- und Prostatakrebs können bereits sehr früh von Hunden erkannt werden und damit Leben retten. Die Tumore stoßen flüchtige organische Verbindungen aus, die Hunde erschnüffeln können.
Der starke Sinn: Hunde können sehr viel besser riechen als wir Menschen
In der Welt von Hunden spielen Gerüche eine wesentlich stärkere Rolle als in der von uns Menschen. Hunde zählen zu den Makrosmatikern (Großriechern), wir Menschen sind dagegen Mikrosmatiker (Kleinriecher). Hunde besitzen je nach Rasse bis zu 300 Millionen Riechzellen im Gegensatz zu uns Menschen mit nur schlappen 5 Millionen Riechzellen. Je länger die Hundenase ist, desto mehr Fläche haben bleibt für die Riechzellen. Durch schnelle Atembewegungen können sie bis zu dreihundert Mal in der Minute die Luft einsaugen und nehmen somit extrem viele Geruchspartikel auf. Obendrein stehen für die Auswertung der Riechinformationen rund 10% des Hundehirns zur Verfügung. Bei uns wird nur 1% des Gehirns für Gerüche beansprucht. Hunde denken also geradezu mit ihrer Nase.
Corona-Test auf vier Beinen - Was genau sind Corona-Hunde?
Corona-Hunde sind Spürhunde, die erkennen können, dass sich eine Person mit Covid-19 infiziert hat, noch bevor die Erkrankung Symptome zeigt. Somit ist eine frühzeitige Quarantäne bei Infizierten möglich, und weitere Ansteckungen werden verringert.
Sie können die Infizierung des Menschen mit dem Virus anhand der menschlichen Ausdünstungen riechen. Die Geruchsproben können auf Speichel, Urin oder auch Schweiß basieren.
So funktioniert das Training
Hunde werden mit sowohl infizierten als auch nicht infizierten Proben konfrontiert und belohnt, sobald sie die richtige Probe gefunden haben. Jede Krankheit hat ihren einzigartigen Geruch. Dafür werden die Proben in bestimmten Behältern mit Membranen aufbewahrt, damit sichergestellt ist, dass sich Hund und Mensch beim Training nicht anstecken können. Über Tage oder auch Wochen werden die Hunde trainiert und ausgebildet. Manche bereits erfahrene Schnüffelnasen haben bereits nach Minuten heraus, worum es geht.
Vielversprechende Pilotstudien der Tierärztlichen Hochschule Hannover
Im Juli 2020 veröffentlichten Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover unter der Leitung von Prof. Holger Volk eine erste Studie, die zeigte, dass Hunde SARS-CoV-2-Infektionen anhand von menschlichen Speichelproben erkennen und von nicht infizierten Speichelproben unterscheiden können. Gemeinsam mit dem Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) und Spürhunden der Bundeswehr wurde eine erste Test-Studie aufgesetzt. Innerhalb von nur einer Trainingswoche konnten die erfahrenen Spürhunde zwischen Proben von SARS-CoV-2 infizierten Menschen und nicht infizierten Proben unterscheiden. Die acht Hunde lagen in 94% der Fälle richtig und konnten den Speichel von infizierten und nicht infizierten Menschen somit sehr gut und zuverlässig unterscheiden.
Stolz sind die Wissenschaftler auf ihre Trainingsmaschine, die automatisiert und randomisiert Negativ- und Positivproben anbietet, ohne dass sich die Hunde selbst infizieren können. Es ist ein sehr positives Belohnungssystem mit Leckerlis und Bällen. Weitere Studien sind derzeit in Arbeit. Auch die Politik interessiert sich bereits für diese Tests: Die Ergebnisse beeindruckten Niedersachsens Ministerpräsidenten Stefan Weil bei der Präsentation im März 2021.
Deutsche Assistenzhunde werden als COVID-Schnüffler ausgebildet
Auch das Deutsche Zentrum für Assistenzhunde arbeitet an einem Test, dessen Ergebnisse Mitte 2021 bekannt gegeben werden sollen. Ziel ist der Einsatz von Covid-19-Spürhunden in realen Umweltsituationen.
Noch wurden die Tests in Deutschland nicht unter realen Bedingungen erprobt. Man schätzt, dass es noch bis 2022 dauern wird, bis Hunde in Deutschland eingesetzt werden.
Während man in Deutschland noch übt und testet und sich gegenüber den Kosten kritisch zeigt, haben andere Länder Hunde bereits testweise im Einsatz.
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten als erste Covid-Spürhunde im Einsatz
In der Praxis haben die Vereinigten Arabischen Emirate Deutschland überholt. Im August 2020 hatte der Flughafen Dubai International Airport Covid-19-Spürhunde als erster im Live-Einsatz. Geruchsproben werden hier aus der Armbeuge der Reisenden genommen und dann den Hunden präsentiert.
Finnland war schnell und hatte einen spanischen Straßenhund als Superschnüffler
Die Tiermedizinerin Anna Hielm-Björkmann ist an der Universität Helsinki für eine viermonatige Pilot-Studie mit Covid-Spürhunden in realem Umfeld verantwortlich. Erfahrene Schnüffel-Hunde des Vereins "Wise Nose" haben im September 2020 begonnen, bei Passagieren am Flughafen Helsinki zu erschnüffeln, ob sie mit dem Corona-Virus infiziert sind.
Einer der ersten Hunde im Einsatz am Flughafen in Helsinki war ein geretteter spanischer Straßenhund namens Kössi. Kössi hat erstaunliche Fähigkeiten und erkannte in nur sieben Minuten die neue Krankheit! Der zweite Einsatzhund ist ein schwarzer Labrador.
Schnelle Schnüffler - Die Hunde erschnüffeln in weniger als eine Minute, ob die Probe positiv oder negativ ist. In Helsinki können die Passagiere mit einem Tuch am Hals und Handgelenk die Proben selbst nehmen. Signalisiert der Hund eine positive Probe, folgt ein PCR-Test. Menschen mit Hunde-Allergie oder Abneigung gegen Hunde müssen sich nicht im selben Raum wie die Schnüffelnasen aufhalten. Bis zu fünf Tage vor dem Auftreten von Symptomen können Hunde feststellen, ob sich eine Person infiziert hat. Somit können weitere Ansteckungen frühzeitig vermieden werden.
Die Stadt Vantaa, nördlich von Helsinki, hat zügig 330.000 EUR investiert, damit Wise Nose den viermonatigen Test durchführen konnte. Für eine größere Testphase hoffen sie auf finanzielle Unterstützung aus Helsinki. Die Kosten von 6 Mio für 100 Hunde und Hundeführer sind im Vergleich zu den Kosten, die am Flughafen Helsinki derzeit zum Testen anfallen, vergleichsweise niedrig.
Weltweite Studien und Test-Phasen für Corona-Hunde
Forscher-Teams in der ganzen Welt arbeiten daran, Hunde als Covid-Spürhunde zu trainieren und zu testen.
In Großbritannien arbeitet die "London School of Hygiene & Tropical Medicine" mit den "Medical Detection Dogs" zusammen. In den USA werden beispielsweise an der University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine, acht Labrador Retriever und ein Malinois ausgebildet. Auch in Österreich gibt es seit Juni 2020 eine Testphase im österreichischen Bundesheer für die Ausbildung von Spürhunden.
Welche Hunderassen können als Corona-Hunde eingesetzt werden?
Im Grunde können sehr viele Hunderassen und natürlich auch Mischlinge als Covid-Spürhunde eingesetzt werden. Kössi, der spanische Straßenhund hat dies in Finnland eindrucksvoll bewiesen.
Die freiwilligen Mitglieder des Assistenzhunde-Zentrums haben die unterschiedlichsten Hunde. Sie verfügen aber alle über eine gute Nase und sind sehr arbeitswillig. Natürlich haben einige Hunderassen einen stärkeren Geruchssinn als andere oder sie lassen sich schneller trainieren und haben einen ausgeprägten Arbeitswillen. Diese Hunderassen sind meist besser geeignet so wie Malinois, Schäferhunde, Labradore, Lagotto Romagnolos oder auch Beagle und Bluthunde.
Schnelle und zuverlässige Tests sind wichtig im Kampf gegen die Pandemie
Ein sauberes und schnelles Erkennen von symptomatischen und asymptomatischen Trägern von COVID-19 ist wichtig, um die Ausbreitung der Pandemie effizient einzudämmen. Hierbei können Hunde sehr nützliche Helfer sein.
Während in Deutschland die Kosten für COVID-19-Hunde als hoch angesehen werden, da Einsatzhunde der Bundeswehr jährlich hohe Kosten verursachen, sieht Finnland das in Zusammenarbeit mit Organisationen wie "Wise Nose" ganz anders.
Auch Einwände, dass es Menschen gibt, die Angst vor Hunden haben, allergisch sind oder Abneigungen gegen Hunde haben, zählen nicht für die Tests. Denn die Hunde müssen mit den zu testenden Personen gar nicht in Kontakt kommen.
Die Spürhunde können am besten wie in Helsinki im Zusammenspiel mit PCR-Tests eingesetzt werden.
Vorteile von Covid-Spürhunden gegenüber Antigen-Schnelltests
- Die Hunde sind genauso verlässlich wie Antigen-Schnelltest, denn ihre Trefferquote liegt bei 94%
- Hunde sind wesentlich schneller als ein Antigen-Schnelltest
- Britische Forscher gehen davon aus, dass ein Hund bis zu 250 Menschen pro Stunde "testen" kann
- Es ist kein unangenehmer Nasen-Rachenabstrich für Menschen notwendig
- Einsatz bei Menschenansammlungen sehr attraktiv
- Spürhunde können am besten im Zusammenspiel mit Antigen-Schnelltests und PCR-Testverfahren einsetzen
- Unschlagbares Argument: Die Hunde erkennen eine COVID-19-Erkrankung bereits bis zu 5 Tage, bevor Symptome ausbrechen
Der Einsatz pro Hund ist aber natürlich zeitlich begrenzt, denn sie sind keine Maschinen und benötigen Pausen. Außerdem gibt es derzeit noch nicht viele trainierte Hunde. Doch talentierte Hunde lernen schnell und neben reinen Diensthunden gibt es auch viele freiwillige Spürnasen.
Wo könnten Corona-Spürhunde zukünftig eingesetzt werden?
- Flughäfen
- Häfen
- Grenzübergänge
- Restaurants
- Schulen, Kindergärten
- Behinderteneinrichtungen
- Supermärkte
- Pflege- und Altenheime
Wir dürfen sehr gespannt bleiben, wie es mit dem Einsatz von Hunden zur Eindämmung der Pandemie weitergehen wird. Es ist in jedem Fall eine hoffnungsvolle Chance, die Fähigkeiten unserer besten Freunde zum Wohle aller im Kampf gegen die Pandemie zu nutzen.
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