Gesundheit

Hyperurikosurie (HUU) und Uratsteinbildung (Blasensteine)

Einige Hunderassen sind von einer genetisch bedingten krankhaften Veränderung des Purinstoffwechsels betroffen. Sie können nicht die notwendigen Enzyme produzieren, um purinreiche Nahrung abzubauen. Purine befinden sich jedoch insbesondere in Eiweißen, einem der wichtigsten Futtermittel für Hunde. Betroffene Hunde laufen Gefahr, Blasensteine zu bilden, sofern ihre Nahrung nicht angepasst wird. Welche Hunderassen verstärkt betroffen sind, wie die Symptome aussehen und welche Therapie bei einer Hyperurikosurie die beste ist, erfahrt ihr in diesem Artikel. 

Hyperurikosurie kommt bei fast allen Dalmatinern vor, aber auch bei weiteren Hunderassen

Beschreibung, Definition

Das ist Hyperurikosurie (HUU) beim Hund

Die Hyperurikosurie (HUU) ist eine genetisch bedingte und von Geburt an auftretende Veränderung im Purinstoffwechsel betroffener Hunde. Purine stecken insbesondere in eiweißreichen Futtermitteln. Betroffene Hunde können nicht die notwendigen Enzyme (Urikase) zum Abbau purinreicher Nahrung produzieren.

Normalerweise können Hunde, die im Eiweiß- und Purinstoffwechsel anfallende Harnsäure in der Leber in Allantoin und Harnstoff umwandeln und diese mit der Niere ausscheiden. Ist der Purinstoffwechsel jedoch gestört, findet diese Umwandlung nicht statt und der Hund scheidet verstärkt Harnsäure über die Niere und den Urin aus.

Der Harnsäuregehalt im Blut als auch im Urin ist bei betroffenen Hunden um ein Vielfaches höher als bei gesunden Hunden. Es kann zu einer Erhöhung der Harnsäure im Urin um das 2-20 fache kommen.

Da Harnsäure weniger gut in Wasser löslich ist als Allantoin, können erhöhte Harnsäuremengen im Harn zu Salz- und Kristallbildung führen. Hyperurikosurie begünstigt damit die Bildung von Ablagerungen in dem Harnsystem von Hunden. Es kommt zu sogenannten Harn- oder Blasensteinen (Urolithiasis). Die bei einer Hyperurikosurie aufgrund der vermehrten Harnsäure entstehenden Steine nennt man Uratsteine. 

Hyperurikosurie (HUU) wird bei Hunden autosomal-rezessiv vererbt. Dies bedeutet, dass sie nur dann auftritt, wenn auf beiden Chromosomen die Gene betroffen sind. Träger der Erkrankung können sie weitergeben, müssen aber selbst nicht betroffen sein. Ein Hund erkrankt nur, wenn beide Elterntiere das Gen tragen. Die Erkrankung kann mithilfe eines Gentests (HUU) festgestellt werden.

Symptome

Symptome für Hyperurikosurie und Uratsteine

Wenn Hunde unter Hyperurikosurie leiden, müssen zu Beginn keine für den Halter bemerkenswerten Symptome auftreten. Trotzdem ist der Harnsäurewert bereits im Blut erhöht (Hyperurikämie) und ebenso führt der erhöhte Harnsäure-Wert im Urin zu einer Erhöhung des pH-Werts im Urin. Es besteht damit eine erhöhte Wahrscheinlichkeit der Bildung von Harnsteinen.

Doch erst wenn sich Kristalle bilden und zu Steinen formen, treten die ersten symptomatischen Probleme auf. Dies kann einige Jahre dauern, bei den meisten Hunden treten erste Symptome häufig erst mit ca. 3-6 Jahren auf. Die jeweiligen Symptome sind davon abhängig, wo genau sich die Steine bilden und festsetzen. Dies ist sehr häufig in der Blase der Fall.

Dann sind die folgenden Symptome am Hund zu beobachten:

  • Vermehrtes Lecken im Genitalbereich
  • Häufiges Urinieren mit wenig Urin
  • Blasenentzündungen
  • Schwierigkeiten beim Urinieren und Schmerzen beim Urinieren
  • Blut im Urin, Verfärbung des Urins 

Kommt es jedoch dazu, dass die Uratsteine beispielsweise die Harnröhre (Urethra) blockieren und damit auch den Urinfluss behindern, kann der Uratstein zu einem ernstzunehmenden Notfall werden. Aufgrund der Blockade kann es zu einer gefährlichen inneren Vergiftung kommen. Die Blockierung der Harnröhre kann bei Rüden leichter vorkommen als bei Hündinnen, da die Harnröhre bei Rüden schmaler ist.

Mögliche Symptome einer Blockade sind:

  • Vergebliches Versuchen zu Urinieren
  • Schmerzen beim Versuch zu Urinieren
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Schwäche, Lethargie
  • Blasenentzündungen

Diagnose

So wird Hyperurikose diagnostiziert

Der Tierarzt kann nach Beschreibung der oben genannte Symptome insbesondere bei Hunderassen mit einer genetisch bedingten Prädisposition bereits einen Verdacht auf  Hyperurikosurie und die Bildung von Uratsteinen haben.

Der Harnsäuregehalt kann sowohl im Blut als auch im Urin vom Tierarzt festgestellt werden. Er kann mithilfe eines Urintests die Menge der Harnsäure im Urin feststellen. Dies erfolgt meist im 24h-Harn.

Ebenso kann er anhand eines Bluttests den Harnsäurewert im Blut feststellen. Eine Erhöhung des Harnsäuregehalts im Blutplasma wird Hyperurikämie genannt.

Uratsteine können vom Tierarzt durch Röntgen oder durch Ultraschall festgestellt werden. 

Therapie & Behandlung

Behandlung der Hyperurikosurie und der Uratsteine

Häufig erfolgt je nach Symptomatik eine Kombination aus mehreren Behandlungen. 

OP und die Gabe von Medikamenten

Große Uratsteine, die die Harnröhre blockieren oder zu anderen Blockaden führen, müssen in akuten Notfällen und bei starken Schmerzen meist sehr kurzfristig unter Narkose operiert werden.

Bei weniger akuten Fällen kann immer versucht werden, durch eine Alkalisierung des Harns mithilfe von Medikamenten (Kaliumzitrat) die Uratsteine ohne eine Operation aufzulösen.

Purinarme Ernährung, hohe Wasseraufnahme

Grundsätzlich sollten Hunde, die Probleme mit dem Purinstoffwechsel haben, auf eine purin- und eiweißarme Diät dauerhaft umgestellt werden. Das Ziel der Diät ist es, die Menge der Harnsäure im Urin erheblich zu verringern, damit sich keine Uratsteine bilden. Trotzdem sollen dem Hund alle notwendigen Vitamine, Mineralstoffe, Fette, Kohlenhydrate und Eiweiße zugeführt. 

Gesunde Hunde scheiden mit dem Urin (24-Stunden-Harn) ca. 2-10 mg Harnsäure/Kg Körpergewicht aus. Bei an Hyperurikose erkrankten Hunden sind es dagegen ca. 20-65 mg Harnsäure/Kg Körpergewicht. 

Wirft man einen Blick auf eine Purintabelle, wird schnell klar, dass ein an Hyperurikosurie erkrankter Hund keine Innereien und auch keinen Fisch erhalten sollte, da diese einen sehr hohen Puringehalt haben. Die Tierische Komponente sollte unbedingt niedriger als bei gesunden Hunden sein, dafür können mehr Kartoffeln, Nudeln oder auch Reis gefüttert werden. Wichtig ist es aufgrund der fehlenden Innereien Vitamine, Mineral- und Spurenelemente zum Futter zu geben und vor allem Omega-3-Öle, damit der Hund ausreichend mit essentiellen Omega-3-Fettsäuren versorgt wird.  

Am besten lasst ihr euch von einem guten Ernährungsberater einen individuell auf euren Hund zugeschnittenen Diät-Plan erstellen. Einmal ausprobiert bekommt ihr dann schnell Routine und es ist gar nicht mehr aufwändig. Alternativ gibt es auch spezielle purinarme Futtersorten, die jedoch aus Sicht einer gesunden Ernährung nicht immer empfehlenswert sind.

In sehr starken Fällen kann eine Medikamentengabe von beispielweise Allopurinol notwendig werden. Allerdings ist es immer besser, die Harnsäure im Urin mithilfe einer purin- und eiweißarmen Diät zu senken, da die Medikamente zu Nebenwirkungen führen können. Beispielsweise kann Allopurinol zu Problemen im Magen-Darm-Trakt führen, die Leber schädigen oder auch zu Hautproblemen führen.  

Erhöhte Wasseraufnahme und häufiges Urinieren

Häufig treten parallel zu den Uratsteinen bakterielle Blasenentzündungen auf. Diese sollten vom Tierarzt oder vom Tierheilpraktiker entsprechend behandelt werden. Bei einer Blasenentzündung ist es wichtig, dass euer Hund über einen Zeitraum von ca. 14 Tagen besonders viel trinkt, um die Bakterien aus der Blase zu spülen.  

Auch ohne eine Blasenentzündung sollten Hunde, die unter Hyperurikose leiden, viel Flüssigkeit zu sich nehmen, damit die Harnsäure möglichst gut aus dem Körper gespült wird. Deshalb ist es gut, dem Hund immer frisches Wasser zur Verfügung zu stellen. Dieses könnt ihr dem Hund besonders schmackhaft machen, indem ihr beispielsweise etwas Milch oder Sahne dazugebt. Auch über das Futter könnt ihr die Flüssigkeitsaufnahme erhöhen, indem ihr am besten ein Futter mit viel Feuchtigkeit gebt. Dafür sind frisch zubereitete Mahlzeiten oder ein Nassfutter sehr gut geeignet. Trockenfutter sollte dagegen absolut tabu sein. 

Pflanzliche Heilmittel bei einer Blasenentzündung

Bei einer Blasenentzündung müssen nicht gleich Antibiotika verwendet werden. Ihr könnt euren Tierarzt oder Tierheilpraktiker nach pflanzlichen Heilmitteln fragen.

Beispielsweise könnt ihr euren Hund bei einer Blasenentzündung mit einem Blasentee beispielsweise aus Birke und Brennessel, Goldrute und Löwenzahn sehr gut unterstützen.

Goldrute kann in Tablettenform noch konzentrierter gegeben werden. Ebenso könnt ihr ein pflanzliches Antibiotikum, das gegen Blasenentzündungen wirksam ist, verwenden, wie beispielsweise Angocin. Ist die Blasenentzündung abgeklungen, könnt ihr das Immunsystem eures Hundes beispielsweise mit Echinacea wieder aufbauen.

Ursachen/Vorbeugung

Was sind die Ursachen für Hyperurikosurie und Uratsteine beim Hund?

Die Hyperurikosurie ist genetisch bedingt und wird von betroffenen Elterntieren vererbt. Ein Hund erkrankt nur, wenn beide Elterntiere das Gen tragen. Vorbeugen lässt sich am besten, indem betroffene Hunde von der Zucht ausgenommen werden. Beim Dalmatiner hat man dagegen durch Rückkreuzung mit Pointern die Krankheit bei den sogenannten LUA-Dalmatinern herauszüchten können.

Weitere Faktoren können die Bildung von Uratsteinen begünstigen:

  • Zu geringe Wasseraufnahme, beispielsweise durch die Fütterung von Trockenfutter
  • Der pH-Wert des Urins ist zu sauer, da das Futter ist zu purin- und proteinhaltig ist. Beispielsweise sollte Trockenfutter mit einem Rohproteingehalt von über 20% vermieden werden. 
  • Rüden sind aufgrund engerer Harngänge häufiger von Uratsteinen betroffen als Hündinnen. Kastrierte Rüden sind wiederum häufiger von Uratsteinen betroffen, als unkastrierte Rüden.

Verstärktes Auftreten

Bei diesen Hunderassen tritt die Hyperurikosurie verstärkt auf

Die genetisch bedingte Hyperurikosurie kommt insbesondere beim Dalmatiner vor. Fast alle Dalmatiner sind von der Erkrankung betroffen, mit Ausnahme von den sogenannten LUA-Dalmatinern, die durch Einkreuzungen frei von der genetischen Disposition sind. Doch auch weitere Hunderassen können von der Erkrankung häufiger als andere Hunderassen betroffen sein:

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