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Was Jagdleidenschaft beim Hund im Alltag bedeuten kann

Ihr interessiert euch für eine Hunderasse, die zu den Jagdhunden gehört oder für einen Mischling, der Jagdhunde in seinem Genpool hat? Dann solltet ihr wissen, was es bedeuten kann und worauf ihr euch einlasst.

Kleiner Münsterländer in bester Vorstehpose

Sofern ihr nicht mit eurem Hund zur Jagd gehen wollt oder ihn jagdlich ausbilden möchtet, kann der Jagdtrieb im Hunde-Mensch-Alltag ganz schön anstrengend werden. Deshalb überlegt gut, bevor ihr euch eine Hunderasse mit Jagd-Genen zulegt. Mit Pech tut ihr damit weder dem Hund noch euch selbst einen Gefallen.

Mir blutet immer das Herz, wenn ich z.B. Weimaraner mit schicken Halsbändern in der City an der kurzen Leine spazieren geführt sehe. Zumindest dann, wenn dies der einzige Auslauf der armen und schönen Tiere ist und sie als Luxus-Accessoire ihr Leben fristen müssen.

Es kommt natürlich immer darauf an, ob die Elterntiere zur Jagd eingesetzt wurden und ob in der Zucht die jagdlichen Eigenschaften immer wieder gefördert wurden. Jeder Hund ist individuell und hat eine individuelle Prägung. Musste sich dein Hund z.B. durch die Jagd selbst ernähren, erklärt sich sehr schnell, dass er diesem Trieb auch weiter folgen möchte.

Der Jagdtrieb lässt sich bei vielen Hunden mit ein wenig Training und artgerechter Beschäftigung in gut handelbare Bahnen lenken. Doch ihr solltet dazu auch die Zeit und Lust haben, damit ihr nicht mit dem Hund unglücklich werdet. Das wäre doch schade.

Was bedeutet eine Jagdleidenschaft deines Hundes im schlechtesten Fall für dich im Alltag? 

  • "Ich bin dann mal weg" bekommt eine völlig neue Bedeutung für dich! Der Geruch von Freiheit, der deinem Hund in der Nase hängt, bringt für dich als verantwortungsbewussten Hundebesitzer und Tierliebhaber leider viele Einschränkungen mit sich. Wo immer sich Tiere einer anderen Art befinden - und das kann fast überall sein - ist dein Hund von dir abgelenkt und macht sich auf und davon! Du rennst hinterher? Juhuuu, Frauchen oder Herrchen kommt mit auf die Jagd, da lege ich doch einen Zahn zu!
  • Schnell reift in dir die Erkenntnis, dass Wildtiere auch in der Stadt viel öfter vorkommen, als dir bisher aufgefallen ist. Z.B. Eichhörnchen in jeder Straße, die einen Baum hat oder Kaninchen auf fast jeder Wiese oder in jedem noch so kleinen Park mitten in der Stadt! Vögel gibt es ohnehin überall und die Stadttauben scheinen Hunde mit Jagdtrieb besonders gern herauszufordern. Katzen gehören übrigens meist auch in das Beuteschema.
  • Den Hund ohne Leine laufen zu lassen wird von ständiger Anspannung begleitet: War da was? Schaut Friedo wieder aufmerksam nach Wild? Ist die Pfote oben oder die Nase in der Luft? Dann schnell an die Leine!
  • Spaziergänge ohne Leine können länger und aufregender als gewünscht ausfallen: Bitte Buch mitnehmen bis er wieder da ist und Meditieren, dass er nichts erwischt oder überfahren oder vom Jäger erschossen wird. Und: dass er überhaupt den Weg wieder zu Dir findet.
  • Abgesehen davon ist es nicht schön, halbtote Tiere vor die Füße gelegt zu bekommen oder aber im Jagdrevier anrufen zu müssen, dass ein Reh halb angerissen und verletzt geflüchtet ist. In eurem Garten werdet ihr wohl eher weniger Vögel und andere Tiere zu Besuch haben.
  • Und wer sagt eigentlich, dass kleine Kinder keinen Beutetrieb bei einem Hund auslösen können? Aber sobald kleine Kinder in der Nähe sind, habe ich ohnehin immer ein ganz besonderes Auge auf meinen Hund.
  • Last not least: Jagdtriebige Hunde sind oft mit dem Kopf und ihren Gedanken bei der Jagd und weniger bei dir. Das kann in der Erziehung anstrengend und manchmal auch ernüchternd sein.

Was bedeutet es im besten Fall, einen Hund mit Jagdgenen zu halten?

  • Die Ausnahme bestätigt die Regel: Euer Hund ist trotz jagdlich ambitionierter Rasse einfach gar nicht so sehr an Wild interessiert. Dann könnt ihr ihn frei laufen lassen und habt dabei ein wachsames Auge auf ihn.
  • Ihr habt euren Hund von Welpen auf an und trainiert Rückruf, Bindung und Ablassen von spannenden Lebewesen so gut, dass alles im Griff ist.
  • Euer Hund rennt mit Pech zwar hinter Wild hinterher, kommt aber nach einer Ehrenrunde zurück, da er zu langsam ist oder eh nicht weiß, was er mit dem Wild anfangen soll. Das ist zwar nicht immer gut, lässt sich jedoch häufig mit Aufmerksamkeit in den Griff bekommen.
  • Euer Hund ist von Jägern aussortiert worden, weil er einfach nicht einen so starken Jagdtrieb hat. Dann kennt er leider die Jagd, ist aber nicht so interessiert. Mit etwas Training könnte ein Freilauf vielleicht funktionieren.
  • Ihr möchtet mit eurem Hund auf die Jagd gehen und bildet ihn entsprechend aus. Dann seid ihr beide perfekt füreinander gemacht!
  • Euer Hund gehört zwar zu den Jagdhunderassen, ist aber kein sogenannter Sichtjäger und erfreut sich an anderen Aufgaben wie Apportieren, Suchen, Buddelspiele ;0)

Je nach Hunderasse ist der Jagdtrieb auch mit einem anderen charakteristischen Verhaltensarten verknüpft:

  • Meutehunde wie Beagle haben das typische Meutejaulen und die Nase immer am Boden. Sie sind meist auch sehr verfressen und eigenwillig und stöbern für ihr Leben gern nach Wild.
  • Vorstehhunde zeigen meist an, dass Wild gerochen wird - da habt ihr ggf. noch die Chance auf einen Rückruf.
  • Sichtjäger wie Podencos sind sehr schnell auf und davon. Leider erwischen sie auch schnelles Wild...
  • Terrier buddeln sich durch die Erde bis in den Fuchsbau...
  • Pudel und Labradore apportieren dir vielleicht die Ente und springen häufig gern in jede Pfütze…
  • Hütehunde kreisen um Familienmitglieder und mit Pech können auch sie einen Jagdtrieb haben…
  • Stöberhunde entfernen sich weit von euch und schrecken das Wild meist zum Glück nur auf…

Was tun bei jagdlich ambitionierten Hunden?

Jagdhunde benötigen Auslauf, eine Aufgabe und eine gute Ausbildung. Der Jagdtrieb lässt sich zwar bei einem Jagdhund nicht aberziehen, doch er lässt sich kontrollieren und in gewünschte Bahnen lenken. Mit Geduld und Know-How, wird es bei den meisten Hunden auch möglich werden, sie in der Natur ohne Leine laufen zu lassen. Aber in jedem Fall solltest Du Zeit und Mühe in Training und Bindung zu deinem Hund investieren.

Jagdliche Führung

Jagdhunde wie der Deutsch Kurzhaar und weitere typische Jagdhunderassen sind Vollblut-Jäger. Wenn sie aus eine jagdlichen Zucht stammen, fühlen sie sich meist am wohlsten, wenn sie auch zur Jagd ausgebildet und am besten auch zur Jagd verwendet werden. Alles andere ist gegenüber reinen Jagdhunden, die aus einer Jagdlinie stammen, einfach unfair.

Gute Grunderziehung

Eine gute Grunderziehung mit Gehorsamskursen zur Impulskontrolle des starken Jagdtriebes und Erlernen von Ablegen auf Befehl (Pfiff, Handzeichen). Wenn du deinen Hund als Welpen bekommst, hast du mit konsequentem Aufmerksamkeits- und Bindungstraining sicherlich eine gute Chance, den von Natur aus in der Rasse verankerten Jagdtrieb umzulenken. Aber das erfordert Zeit, Geduld und Training. Gehorsamskurse in Hundevereinen oder auch in Jagdgebrauchshundevereinen, Jagdbezirke wie Hegeringe oder bei Kreis-Jägerschaften.

Jagdähnliche Beschäftigungen

Je nach Talent und Bestimmung der Jagdhunderasse gibt es viele Beschäftigungen und Sportarten, die ihr mit eurem Hund unternehmen könnt und die ihn geistig und artgerecht fordern können. Gleichzeitig wird eure Bindung gestärkt. So z.B. durch: 

  • Dummytraining, Futter-Dummytraining
  • Fährtenarbeit
  • Mantrailing
  • Longieren
  • Intensive Suchspiele
  • professionelles Reizangeltraining
  • Agility
  • Obedience
  • Turnierhundsport
  • Jagdliche Ausbildung oder Teile einer jagdlichen Ausbildung ohne selbst an der Jagd teilzunehmen

Anti-Jagdtraining

Ein Anti-Jagdtraining bei guten Trainern kann helfen, den Jagdtrieb deines Hundes gemeinsam in den Griff zu bekommen. Aber auch dieses teils harte Training hilft nicht immer bei allen Hunden. Ich bin gerade gestern einer netten Hündin an der Schleppleine begegnet, deren Herrchen es mit Humor genommen hat: Sie war als "Stufe 3" beim Anti-Jagdtraining eingeordnet worden und alles Training half leider nicht. Als Notfell musste sie sich im Ausland ihr Futter selbst erjagen und dies ist einfach nicht mehr abzutrainieren. Nun also mit Schleppleine und manchmal mit langem Warten….

Schleppleinen-Training

Mit Pech kannst Du deinen Hund niemals frei laufen lassen und wenn nur in eingezäuntem Gelände oder mit Schleppleine. Das kann anstrengend für beide werden und wenig Spaß bringen. Auf dem Weg zum Freilauf kann eine Schleppleine dem Hund mehr Freiheit geben und gleichzeitig kannst du deinen Hund auf Abstand noch kontrollieren. 

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