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Weniger ist mehr: Zu viel Bewegung schadet Welpen und Junghunden

Die meisten Welpen und Junghunde werden aus Unwissenheit in ihrem ersten Lebensjahr stark überanstrengt. Und das kann zeitlebens auf Kosten der Gesundheit gehen. So findet ihr das richtige Maß an Bewegung.

Welpen haben unendlich viel Energie beim Spielen - doch ein Zuviel an Bewegung tut noch nicht gut

Welpen und auch Junghunde sind neugierig auf ihre Umwelt und besitzen scheinbar unendlich viel Energie. Aber selbst Hundekenner muten ihnen schnell viel zu viel Bewegung zu und das kann zu lebenslangen gesundheitlichen Problemen führen. Viele meinen es einfach gut oder erkennen nicht, dass der junge Hund müde wird. 

Zu viel Bewegung in jungen Monaten kann Gelenken lebenslang schaden

Bei noch nicht ausgewachsenen Hunden wie Welpen und Junghunden sind die Knochen und Gelenke noch sehr weich und nicht ausgehärtet. Deshalb dürfen sie nicht zu stark belastet werden. Insbesondere große und schwere Hunderassen wachsen in den ersten Monaten sehr schnell, doch ihre Knochen und Gelenke müssen erst auswachsen und aushärten. Bis diese ausgewachsen sind, vergehen jedoch mindestens 12 Monate, bei manchen Hunderassen dauert es sogar noch länger. 

Haben Hunde bereits eine genetische Veranlagung für Gelenkerkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogendysplasie (ED) oder Kniescheibenverrenkung (Patella Luxation), so können falsche Bewegung, Übergewicht und Fütterung den Ausbruch der Gelenk-Erkrankung begünstigen. Starke und falsche Belastung des Junghundes, schlechte oder falsche Ernährung mit zu schnellem Wachstum und Übergewicht können dauerhafte Gelenkerkrankungen fördern.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Hunde mit einer genetischen Disposition zu Gelenkserkrankungen durch gemäßigte Bewegung und durch eine Fütterung ohne Energieüberschüsse und mit dem richtigen Calcium-Phosphor-Verhältnis die Gelenksprobleme weniger stark oder mit Glück auch gar nicht entwickeln. 

Muskelaufbau ist natürlich wichtig, um die Gelenke später optimal zu unterstützen. Aber dieser Aufbau erfolgt langsam und am besten mit gleichmäßigen Bewegungen. Dagegen sind bestimmte Aktivitäten und Bewegungen für junge Hunde einfach schädlich.

Diese Bewegungen sind tabu für Welpen und Junghunde

  • Treppensteigen (hoch- und runter)
  • Aus dem Auto springen/In das Auto springen
  • Joggen
  • Am Rad oder am Pferd laufen
  • Hunde-Leistungssport mit Sprüngen und Stopp-Bewegungen wie Agility
  • Stöckchen- oder Ballspiele (Stopp-Bewegungen)
  • Lange Tobespiele mit Welpen (mal für 5 Minuten spielen ist ok)
  • Spaziergänge oder Wanderungen, die nicht der 5-Minuten-Regel entsprechen

Ein Blick zu den Wolfswelpen und Jungwölfen

Wolfswelpen verbleiben in ihrer Wurfhöhle und verlassen diese in den ersten 8 Wochen gar nicht. Mit 3 Monaten zieht das Wolfsrudel an sogenannte "Rendezvous"-Plätze. Diese bieten Fläche für Spiele untereinander und Schutz vor Gefahren. Hier heißt es Fressen, Schlafen, etwas Spielen, spielerisch die Jagd imitieren und wieder fressen, Schlafen, etwas Spielen….Aber in dieser Zeit unternimmt kein Wolf Märsche von 1 Stunde, wie so mancher Junghund von unwissenden Haltern.

Mit 6-8 Monaten beginnen die Jungwölfe langsam, das Rudel auf ersten Wanderungen und kurze Jagden zu begleiten. Auf die großen Jagdstreifzüge werden Jungwölfe aber erst mit ca. 9-12 Monaten mitgenommen. Ihr Skelett ist mit 12 Monaten vollständig ausgewachsen, bis zum 2.Lebensjahr legen sie dann noch an Masse zu.

Für gesunde Gelenke: Das Futter und das optimale Gewicht

Überfütterung von Welpen und Junghunden scheint gut gemeint, ein zu schnelles Wachstum ist jedoch gerade bei großen und schweren Hunderassen problematisch, da die Knochen nicht mitkommen. Es kommt zu schmerzenden Knochenhautentzündungen (Panostitis) und zu Fehlbildungen wie bei der Osteohondrosis dissecans (OCD).  Deshalb ist es wichtig, auf eine gesunde Wachstumskurve beim Hund zu achten und das Futter entsprechend immer wieder in Menge und Zusammensetzung anzupassen. Insbesondere in Kombination mit Übergewicht ist ein Zuviel an Bewegung bei jungen Hunden sehr problematisch.

Ein Tierarzt sagte einmal zu mir "Welpen müssen großgehungert werden". Das klingt jetzt herzlos, aber er meinte, dass sie nicht zu viel Futter bekommen sollen und bei Wachstumsschüben immer mal wieder dürr und "verhungert" aussehen. Das Futter von jungen Wölfen ist lange nicht so energiereich wie heutiges Welpenfutter. Gleichzeitig gibt es im Rudel auch mal Hungerstrecken, die es zu überwinden gilt.

Hochkalorisches Futter lädt die Welpen und Junghunde obendrein mit Energie auf, so dass ihr Bewegungsdrang noch größer wird. Die Halter wissen bald schon nicht mehr, wie sie ihr kleines Energiebündel noch zur Ruhe bringen sollen. Doch je mehr sie mit ihren Hunden unternehmen, desto mehr Kondition bekommen sie auch.

Spielen und Toben mit anderen Hunden ist natürlich wichtig zur Sozialisierung. Aber auch das in Maßen und bis zum 4.Monat ist die wichtigste Phase der Sozialisierung bereits erfolgt. Es ist nicht sinnvoll, deinen Hund mit einer Handvoll anderer Hunde stundenlang jeden Tag wie wild über die Wiese tollen zu lassen. Vielleicht mobben ihn die anderen und er flüchtet nur – und rast dabei über die Wiese mit Kaninchenlöchern. Keine gute Idee. Oder durch die vielen Stopp-Bewegungen und Kurven werden die noch nicht mit Muskeln gestützten Gelenke zu sehr belastet. Deshalb sind Spiele- und Tobe-Einheiten wirklich dosiert zu erlauben und nicht, bis die Hunde totmüde umfallen.

Der weiß schon, wann er müde ist? Welpen hören von allein nie auf

Viele Welpen und Junghunde werden heutzutage eher über- als unterfordert. Das gilt nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Sie drehen geradezu auf, wie überzuckerte Vorschulkinder. Dabei ist es für junge Hunde wichtig, nicht zu viele Eindrücke auf einmal zu haben und diese erst einmal zu verarbeiten. Sie müssen auch Ruhe erst einmal lernen.

Welpen und auch Junghunde sind so begeistert von ihrer Umwelt und allen neuen Reizen, dass sie von allein sehr schwer zur Ruhe finden. Diese Ruhe müssen sie erst lernen und ihr könnt ihnen dabei helfen. Auch wenn es schwer fällt: Der Welpe oder Junghund wird schon bald einschlafen, wenn ihr ihn immer wieder in seinen Schlafplatz bringt und ihn nicht beschäftigt. Bei einigen hilft hier eine abschließbare Hunde-Box, an die die Kleinen aber erst gewöhnt werden müssen.

Die 5 Minuten-Welpen-Gassi-Regel

Sicherlich kann man keine pauschalen Bewegungs-Regeln für alle Junghunde und Hunderassen aufstellen. Und selbstverständlich soll sich ein junger Hund bewegen, Muskeln aufbauen, Spaß haben, Umweltreize kennen lernen und Spielen.

Mithilfe der 5-Minuten-Welpen-Gassi-Regel könnt ihr aber in etwa abschätzen, wie wenig Bewegung so ein Welpe und auch Junghund pro Spaziergang tatsächlich braucht. 

Die 5-Minuten-Gassi-Regel besagt, dass ihr mit eurem Hund pro Spaziergang nicht mehr als 5 Minuten pro Lebensmonat des Hundes spazieren gehen solltet. Das bedeutet für die Länge der Gassi-Gänge im Alter des Hundes pro Monat:

                1 Monat   = 5 Minuten

                2 Monate  = 10 Minuten

                3 Monate  = 15 Minuten

                4 Monate  = 20 Minuten

                5 Monate  = 25 Minuten

                6 Monate  = 30 Minuten

                7 Monate  = 35 Minuten

                8 Monate  = 40 Minuten

                9 Monate  = 45 Minuten

                10 Monate  = 50 Minuten

                11 Monate  = 55 Minuten

                12 Monate  = 60 Minuten

Welpen und Junghunde müssen immer mal wieder Pausen einlegen. Und gleichzeitig bedeutet es auch, dass ihr erst mit eurem ausgewachsenen Hund Leistungssport macht, Joggen geht und Fahrrad fahrt. Wann euer Hund ausgewachsen ist, ist jedoch von der jeweiligen Hunderasse abhängig. Für manche schwere und große Hunderasse, die spät erwachsen wird und schnell wächst, können selbst diese Gassi-Gänge bereits zu lang sein und ihr solltet kürzere Runden drehen. Die Gelenke und euer Hund werden es euch danken.

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