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6 Gründe gegen Bällchenwerfen für Hunde

Die abrupten Stoppbewegungen können gerade bei großen Hunden HD und ED begünstigen

Bällchenwerfen ist bei vielen Hundehaltern als tolle Beschäftigung auf Spaziergängen sehr beliebt, doch leider tun sie ihrem Hund damit in vielerlei Hinsicht auf Dauer keinen Gefallen.

Gerade neulich habe ich ein junges Paar mit ihrem Hund im Park gesehen und sie warfen alle 3 Minuten wieder und wieder den Ball für ihren Hund mit einer Ballschleuder.

Wunderbar könnet man meinen, denn mit der Ballschleuder kann man ohne viel Anstrengung den Ball weit werfen und der Hund ist super beschäftigt, körperlich ausgelastet und hat obendrein noch Spaß am gemeinsamen Spiel. Doch die Realität sieht leider anders aus, nur das sich viele Hundehalter dessen nicht bewusst sind.

6 Gründe gegen Bällchenwerfen für Hunde

Insbesondere Terrier können ein unerwünschtes gesteigertes Jagdverhalten durch Ballspiele zeigen
Insbesondere Terrier können ein unerwünschtes gesteigertes Jagdverhalten durch Ballspiele zeigen

In Wahrheit kann häufiges Bällchenwerfen für deinen Hund sowohl körperlich als auch geistig belastend und krankmachend sein und nebenbei zu völlig unerwünschten Verhaltensweisen führen. Aus den folgenden Gründen ist Bällchenwerfen für Hunde keine gute Idee:

 

 

 

1. Bällchenwerfen lastet den Hund geistig nicht aus

Hinter einem Ball hinterher zu rennen lastet einen Hund vom Intellekt leider überhaupt nicht aus. Hunde müssen nicht lange denken, sondern sie folgen dem Bewegungsreiz des Balles ganz automatisch, denn das ist bei den meisten Hunderassen mehr oder weniger stark genetisch verankert.

Stereotypes Verhalten

Hinter etwas sich Bewegendem herzulaufen kann jeder Hund und dafür benötigt er keine Hirnzellen. Im Gegenteil, es wird ein sehr stereotypes Verhalten durch das Triggern von Jagdinstinkten gefördert.

2. Steigerung des Jagdverhaltens

Denn ein Bewegungsreiz vom Hund weg, dem der Hund ganz automatisch folgt, ist nichts anderes als ein Auslöser für Jagdverhalten.

Der Hund kann durch das Hinterherjagen des Bällchens zukünftig ein erhöhtes Jagdverhalten zeigen und beginnen, auch anderen sich von ihm wegbewegenden Gegenständen oder Lebewesen hinterherzujagen.

Das können Wildtiere, Katzen, Vögel oder aber auch Jogger, Radfahrer und kleine Kinder sein. Dein Hund wird mit Pech dadurch immer weniger in Alltagssituationen kontrollierbar.

3. Steigerung der Beuteaggression möglich

Bei manchen triebigen Hunden oder Hunderassen kann durch das unkontrollierte und häufige Ballwerfen auch eine Beuteaggression ausgelöst werden.

Dies kann beispielsweise bei Terriern, Belgischen und Deutschen Schäferhunden der Fall sein.

4. Nervöse & süchtige Balljunkies

Der irre und fixierte Blick lässt den Balljunkie vermuten
Der irre und fixierte Blick lässt den Balljunkie vermuten

Je nach Veranlagung werden manche Hunde geradezu süchtig nach ihrem Ball und fixieren sich immer stärker auf dieses "Objekt ihrer Begierde" (Mein Schatz).

Aus Spaß wird ernstes Generve

Bei meiner ersten Hündin Esta war ich mir dieses Risikos gar nicht bewusst und hatte häufig einen Ball auf Spaziergängen dabei, da ich es noch nicht besser wusste. Nach einiger Zeit klebte sie nur noch an meiner Jackentasche, in der sich der Ball befand und jiperte nach dem Ball.

Langsam aber sicher begann sich ihr Leben auf Spaziergängen nur noch um den Ball zu drehen und alles andere wurde immer uninteressanter. Sie wurde dabei immer unruhiger und nerviger, so dass ich begann, den Ball nicht mehr auf Spaziergänge mitzunehmen.

Suchtverhalten durch Glücks- und Stresshormone

Auch dann dauerte es noch eine Weile, bis sie mir "glaubte", dass der Ball nicht dabei war. Was ich damals nicht wusste: durch das Ballwerfen hatte ich bei Esta zunächst Glückshormone ausgelöst, nach denen sie süchtig wurde. Wenn der Ball nicht rechtzeitig da war, wandelten sich diese nun benötigten Glückshormone in Stresshormone nach mehr um. Ich hatte sie also fast zu einem Ball- Junkie gemacht. Wenn dieses Suchtverhalten nicht rechtzeitig unterbunden wird, habt ihr ein Nervenbündel von Hund an eurer Seite. Je nach Rasse kann dies sehr problematisch werden. 

5. Gelenke leiden nachweislich

Studien belegen die negativen Auswirkungen auf die Gelenke
Studien belegen die negativen Auswirkungen auf die Gelenke

Ihr steigert zwar durch die schnellen Sprints die Kondition eures Hundes, wenn er hinter dem Bällchen hinterherjagt, aber die häufigen abrupten Stopps sind ausgesprochen unnatürlich und schlecht für die Gelenke eures Hundes.

Studien belegen Förderung von Gelenkserkrankungen

Wurfspiele mit abrupten Stopps wie Bällchen- oder Stöckchenwerfen sind nachweislich ein erhöhter Risikofaktor für das Ausbrechen von Gelenkerkrankungen wie Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED). Dies hat eine schwedische Studie zu HD an 325 Labradoren ergeben.

Während reichliche und gleichmäßige Bewegung auf weicheren und natürlichen Böden ohne abrupte Stoppbewegungen sich positiv auf die Gelenke auswirkt, da sich Muskeln zur Stützung der Gelenke aufbauen, förderten die abrupten Stoppbewegungen die Entwicklung von Gelenkserkrankungen. (Studie: "Diet, exercise, and weight as risk factors in hip dysplasia and elbow arthrosis in Labrador Retrievers", Marie H. Sallander, Ake Hedhammar, Mari E. H. Trogen, Juli 2006).

Bänderrisse möglich

Dies gilt natürlich um so mehr, wenn dein Hund noch jung und im Wachstum ist, schadet aber auch nachweislich erwachsenen Hunden. Bei erwachsenen Hunden können beispielsweise auch die Bänder unter diesen Stopp-Bewegungen leiden und es kann mit Pech zu einem Kreuzbandriss kommen.

HD ist eine gefürchtete und leider immer noch häufig vorkommende Lahmheitsursache von Hunden. Sie ist genetisch bedingt und häufig ein Zuchtproblem. Je nach Schweregrad gibt es unterschiedliche Therapien und Möglichkeiten, euren Hund zu unterstützen.

6. Falsche Bälle können krankmachen

Fußbälle sind ungeeignet für Hunde, da sie aus schädlichen Materialien bestehen können. Hier im Bild: Der Fußball ist bereits abgenagt, die Stücke können im Darm hängen bleiben.
Fußbälle sind ungeeignet für Hunde, da sie aus schädlichen Materialien bestehen können. Hier im Bild: Der Fußball ist bereits abgenagt, die Stücke können im Darm hängen bleiben.

Es ist absolut nicht sinnvoll, den Hund mit jedem beliebigen Ball wie Tennis- oder Fußbällen spielen zu lassen. Denn viele Bälle sind für Hunde einfach ungeeignet, da sie Giftstoffe enthalten, den Zähnen schaden, schnell kaputt gehen und zu Darmblockaden führen können oder zu klein sich dein Hund daran verschlucken kann.

Hunde lieben Bälle, aber ihr solltet darauf achten, dass die Bälle keine Giftstoffe enthalten und nicht zur Gefahr eures Hundes werden. Tennis- und Fußbälle sind ungeeignet und auch Hundebälle können problematisch sein. Wir zeigen euch, worauf ihr achten solltet und empfehlen euch gesunde Hundebälle.

Alternativen zu Ballspielen auf Spaziergängen

Es ist sinnvoll, euren Hund auf Spaziergängen dauerhaft anders auszulasten, als mit dem Bällchenwerfen. Mögliche andere Beschäftigungen kann beispielsweise Futter-Dummytraining sein, kleine Suchspiele, deinen Hund um einen Baum schicken ("Revier") oder auch kleine Übungen, die auf Impulskontrolle basieren wie deinen Hund für eine kurze Zeit an einem Ort abzulegen.

Eine gute Alternative zu Ballspielen können kontrollierte Zergelspiele mit Beisswürsten oder natürlichen Seilen sein.

Und natürlich ist gegen ein gelegentliches Bällchenwerfen nichts einzuwenden, wenn euer Hund gut damit klarkommt. 

Sinnvolle Beschäftigung: Wie bringe ich meinem Hund das Futter-Dummytraining bei? Was brauche ich dafür?

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