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Wie finde ich einen Hund, der zu mir passt?

Nun ist es soweit: ihr möchtet einen Hund als Freund und Familienmitglied aufnehmen und habt euch zuvor gewissenhaft gefragt, ob ein Hund in euer Leben passt. 

Jetzt stellt sich die Frage, welcher Hund mit seinen Bedürfnissen zu dir und deinem Leben passt. Denn jeder Hund hat in Abhängigkeit zu Erfahrungen, Alter, Rasse und Größe individuelle Bedürfnisse und Eigenarten, die sehr unterschiedlich ausfallen können. 

Mit unseren 12 Tipps und Fragen könnt ihr euch der Antwort nähern.

Es ist schön, wenn Hund und Halter ähnliche Interessen haben

Es ist nur allzu verständlich, dass wir bei der Auswahl eines Hundes schnell unsere Gefühle entscheiden lassen. Aber ist das bei der Auswahl eines zukünftigem Familienmitglieds wirklich schlau? Zum einen ist jeder Welpe so herzergreifend niedlich, dass unser Herz sofort "Ja, ich will!" ruft. Und auch aus dem Tierheim möchte ich am liebsten jeden Hund erlösen und nach Hause nehmen, der mich mit großen lieben Augen ansieht und mit dem Schwanz wedelnd um nach ein paar Streicheleinheiten bittet.

Doch wir sollten unseren Verstand einschalten und uns ein paar Fragen vorab stellen, um uns dann nach Vorauswahl bestimmter Kriterien ganz unseren Gefühlen hingeben zu können.

Dafür haben wir ein paar Tipps und Fragen aus unseren Erfahrungen für euch zusammen gestellt. 

Tipp 1: Geht nicht nach einem Trend

Wenn ihr euch einen Lebenspartner aussucht, geht ihr doch auch nicht nach einem Trend, sondern schaut, mit wem ihr euch gut versteht, mit wem ihr viele Gemeinsamkeiten habt und bei wem natürlich auch das Herz höherschlägt.

Gerade bei beliebten Trend-Hunden steigt die Nachfrage schneller als die seriösen Züchter nachzüchten können. Dies zeigt sich leider nicht nur im Preis (ich habe gerade eine Anzeige mit 5.500 EUR für einen Labradoodle-Welpen gesehen!) und in der sinkenden Gesundheit der sogenannten Trendhunde, sondern ruft auch skrupellose Welpenhändler und Hundevermehrer aus dem In- und Ausland auf den Plan. Ihr möchtet doch aber sicherlich einen gesunden und gut sozialisierten Hund mit dessen Kauf ihr verantwortungsvolle Züchter unterstützt?

Tipp 2: Geht nicht nach dem Aussehen

Viele Menschen entscheiden rein nach dem Aussehen des Hundes, ob sie ihn kaufen möchten. Doch dies kann sich böse rächen. Hier kann das Wissen um die Bedürfnisse und um die Eigenschaften einer Hunderasse, vor unerwünschten Überraschungen schützen: "Wenn ich nur vorher gewusst hätte, wie anstrengend dieser Hütehund ist…"  oder "Oh, wie bekomme ich meine kranke Dogge jetzt in die vierte Altbau-Etage meiner Wohnung?" oder "Wie, mit meinem Podenco kann ich nicht lange Strecken joggen?“ oder "mein Weimaraner jagt ja andere Tiere..." oder "mein Husky mag den Sommer gar nicht und chillt nicht gern den ganzen Tag mit mir auf dem Sofa...". So mancher wurde auch schon vom Selbstbewusstsein und der Lautstärke eines Chihuahuas überrascht. Und zwar nicht im positiven Sinne.

Setzt euch mit den Bedürfnissen der Hunderassen auseinander und schaut, welche zu eurem Lebensstil passen. Auch bei Mischlingen könnt ihr abschätzen lassen, welche Rassen in ihm stecken, um eine Vorstellung seiner Bedürfnisse zu bekommen.

Tipp 3: Wie alt soll euer Hund sein?

Auch diese Frage hilft ungemein, wenn ihr sie euch ehrlich stellt. Welpen sind supersüß und ihr könnt sie ganz früh an euch gewöhnen und selbst erziehen. Mit etwas Glück macht er auch keine schlechten Erfahrungen und wächst zu einem selbstbewussten Hund mit guten Manieren heran. Doch Welpen sind wie ein Baby und benötigen in den ersten Wochen sehr viel Zeit. Und zwar Fulltime. Sie sind nicht stubenrein, sie können nicht alleine bleiben, sie müssen zu Beginn ständig raus, auch nachts, sie knabbern alles an. Und ihr seid für ihre Erziehung verantwortlich.

Dies klingt nicht gerade sinnvoll, wenn ihr gerade selbst Babies oder noch sehr kleine Kinder habt oder einen stressigen Job, der euch sehr fordert. Als Hundeanfänger benötigt ihr noch mehr Zeit, um zu verstehen, wie ihr mit der neuen Art (dem Hund ;0)) kommunizieren könnt. Es ist sinnvoll, wenn ihr euch in den ersten Wochen Urlaub nehmt und auch jemanden habt, der bei Gelegenheit wie z.B. Einkäufen o.ä. auf den Welpen aufpassen kann.

Erwachsene Hunde bringen dagegen bereits Erfahrungen und - hoffentlich - eine gewisse Erziehung mit sich. Wenn der Hund sorgsam aufgezogen wurde, dürfte die Eingewöhnung relativ leicht fallen. Doch bei Hunden, die aus dem Ausland kommen oder schlechte Erfahrungen gemacht haben, kann eine Eingewöhnung viel Zeit und Liebe kosten. 

Tipp 4: Mädel oder Junge?

Vielleicht ist dies nicht die wichtigste Frage, sie erleichtert euch aber später die Auswahl. Es gibt viele Meinungen und Vorurteile über geschlechtsspezifische Verhaltensweisen und Vor-und Nachteile von Hündinnen und Rüden. Doch an den meisten ist so gar nichts dran. Es gibt sowohl dominante und freche Hündinnen als auch Rüden. Rüden müssen absolut nicht aggressiver auftreten als Hündinnen und Hündinnen müssen nicht sanftmütiger als Rüden sein. 

Eine intakte Hündin wird durchschnittlich zweimal im Jahr für ca. 3 Wochen läufig. In dieser Phase ist es unfair, sie auf die Hundewiese, in den Freilauf oder auf den Hundetrainingsplatz zu nehmen. Sie kann auch bei Gassi-Services nicht mitgehen. Während der Stehtage ist Aufpassen angesagt, dass sie nicht ungewollt geschwängert wird. Und die Blutflecken muss man entweder selbst aufwischen oder mit einem Läufigkeitshöschen vorsorgen. Während der Stehtage kann es sein, dass deine Hündin schlechter auf dich hört und sich auf die Suche nach einem Rüden macht. Nach der Läufigkeit kann es zu Komplikationen wie einer Scheinträchtigkeit kommen.

Lese-Tipps

Rüden können dagegen insbesondere ab der Pubertät sehr triebig und umtriebig werden. Der Geruch von läufigen Hundedamen liegt ihnen in der Nase und alle Gedanken und Befehle werden bei manchen Rüden in dieser Zeit lahmgelegt. Dies kann je nach Rüden stärker oder weniger stark ausgeprägt sein. Manche Jungrüden probieren sich aus und erproben den Deckakt an ungewünschten Gegenständen wie Möbeln oder Kissen.

Lese-Tipps:

Hierzu sei erwähnt, dass In Deutschland die "generelle Unfruchtbarmachung von Hunden" verboten ist. Außerdem hat die Kastration nicht nur Veränderungen im Wesen, sondern leider auch viele Nachteile für die Gesundheit deines Hundes. 

Lese-Tipp:

Kastration des Hundes: Vor- und Nachteile

Tipp 5: Rassehund oder Mischling

Auch hier scheiden sich die Geister und es gibt viele Mythen. Meine vier Hunde waren bisher alle Mischlinge oder eben nicht anerkannte Hybrid-Hunde. Bei den Überraschungspaketen ist nicht immer klar, welche Rasse in ihnen die Oberhand gewinnen wird. Rassehunde sind dagegen sicherlich etwas bestimmbarer in ihren Eigenschaften, aber auch bei ihnen gibt es unterschiedliche Zuchtlinien und Charaktere. 

Viele Mischlinge kommen aus dem Tierschutz und ihr könnt eine gute Tat vollbringen. Aber auch hier könnt ihr so manchen Rassehund finden. Manche sind auch absichtlich als Hybridhunde verpaart worden, um bestimmte Eigenschaften zu erhalten. Nicht jeder Rassehund ist gesund und ihr solltet bei ihnen unbedingt extreme Qualzuchten vermeiden. 

Wenn ihr einen Hund zur Zucht oder auch für eine bestimmte Aufgabe wie die Jagd oder das Hüten haben möchtet, ist dies natürlich ein Grund für einen Rassehund.

Tipp 6: Größe des Hundes

Es gibt Hunde in (fast) allen Größen. Kleine Hunde können ausgesprochen praktisch sein und werden auch in Fluglinien meist noch im Passagierraum transportiert. Im Auto, auf dem Fahrrad könnt ihr sie sehr leicht transportieren und mitnehmen. Das fällt bei einer Dogge oder einem Hirschhund schon anders aus. Wenn ihr im 5.Obergeschoss eines Altbaus ohne Fahrstuhl lebt, empfehle ich euch einen kleinen Hund. Denn Welpen, Junghunde oder auch kranke Hunde und Senioren dürfen oder können die Treppen nicht steigen. Was dann? 

Tipp 7: Aktivität des Hundes

Es gibt Hunderassen wie Siberian Husky oder Hütehunde, die sehr aktiv sind und täglich mehrere Stunden Auslauf benötigen. Auch Jagdhunde sind es gewohnt viel zu laufen und gleichzeitig eine sie fordernden Aufgabe zu haben. Auch wenn ihr nicht jagen gehen möchtet, könnt ihr diese Hunde halten, doch ihr benötigt dafür Zeit und Lust, den Hund anders auszulasten und den Jagdtrieb unter Kontrolle zu behalten. Diese eignen sich nicht für einen Tag im Büro und Gassi-Gänge um den Block. Da wäre eher ein Mops oder ein Frenchie angesagt. 

Tipp 8: Darf er pflegeintensiv sein?

Je nach Felltyp kann es sehr pflegeintensive Hunderassen geben. Dazu muss man Zeit und Lust haben. Insbesondere Hunderassen, deren Fell unendlich weiterwächst, haaren zwar wenig bis gar nicht, doch muss das Fell gekürzt und gepflegt werden. Eine Dame mit einem reizenden weißen Malteser klagte mir ihr Leid auf der Hundewiese: "Ich liebe meinen Hund, aber wenn ich gewusst hätte, wie viel Pflege so ein langes weißes Fell benötigt, hätte ich mich anders entschieden." Denn ihre kleine Malteserdame musste nur bei Regen über die Hundewiese laufen und sah aus wie Zotti das Urviech nach einem Schlammbad. Das bedeutet dann Baden und Trocknen...immer wieder. Sicherlich bekommt ihr in der Pflege des Hundefells eine gewisse Routine und kennt bald die richtigen Gerätschaften für Kämmen, Bürsten, Kürzen, Trocknen...und man muss Lust und Zeit dafür haben.

Tipp 9: Hunderassen und ihre Aufgaben

Schaut euch die ursprünglichen Aufgaben der Gruppen von Hunderassen genau an. Denn dann kennt bekommt ihr eine Vorstellung ihrer Bedürfnisse und Eigenschaften. Wenn ihr keine Schafherde zum Treiben oder Bewachen habt, warum solltet ihr dann einen Hüte- oder Treibhund oder gar einen Herdenschutzhund wählen, der genau dafür gemacht wurde, wie der Australian Shepherd oder den Kuvacz? Wenn ihr mit eurem Hund nicht auf die Jagd gehen möchtet, solltet ihr sehr wahrscheinlich einfach keine typische Jagdhunderasse wie Weimaraner oder Deutsch Kurzhaar wählen. Und wenn ihr in südlichen Gefilden wohnt und Couch-Potatos seid, solltet ihr gleich mehrfach überlegen, warum es unbedingt eine nordische Hunderasse sein sollte, die sich erst bei Märschen von 3 Stunden und Temperaturen unter Null so richtig wohl fühlt.

Tipp 10: Familienhunde

Viele Hunde werden in den Rasseporträts als Familienhunde gepriesen. Ganz gleich, ob es sich um Jagdhunde wie Dackel oder um Bullterrier oder Doggen handelt. Und sicherlich sind beispielsweise viele Jagdhunde gute Familienhunde, aber nur dann, wenn sie auch artgerecht ausgelastet sind. Reine Familienhunde sind sie dagegen eben leider nicht. Oder eine Hunderasse, die spät erwachsen wird und sehr groß wird: Keine gute Idee mit kleinen Kindern, die ungestüm in der langen Pubertät des Hundes umgeworfen werden. 

Tipp 11: Land oder Stadthund

Viele kleine Hunderassen sind wunderbar auch für ein Leben in der Stadt geeignet. Sie sind anhänglich und handlich und benötigen nicht zu viel Auslauf. Doch manch kleiner Hund kann ebenso viel Auslauf wie ein großer Hund benötigen. Ein Siberian Husky benötigt beispielsweise sehr viel Auslauf und da sollte eher eine ländliche Umgebung in Betracht gezogen werden. Der nicht immer mit anderen Hunden gut verträgliche American Bulldog oder auch mancher Hüte- oder Wachhund passt besser aufs Land oder eben in ein Haus. 

Tipp 12: So vermeidet ihr Qualzuchten

Leider sind Qualzuchten sowohl bei anerkannten Rassezüchtern als auch bei unseriösen Hunde-Vermehrern und Welpenhändlern möglich. Qualzucht bei Hunden - wie ist das möglich?. Einige Hunderassen sind besonders häufig von Qualzucht betroffen und die solltet ihr nicht unterstützen. Auf der einen Seite werdet ihr ständig mit gesundheitlichen Problemen eures Hundes konfrontiert werden, was nicht nur teuer, sondern auch extrem traurig und belastend sein kann. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir keine Bulldogge, keinen winzigen Teacup-Hund, keinen Mops....angeschafft!". Auf der anderen Seite unterstützt ihr damit eine sehr kranke Zucht. 

Informiert euch also gut über die Hunderassen: ihre Eigenschaften, Bedürfnisse und Besonderheiten auf guten Seiten im Internet oder in guten Hundebüchern. Es kommt am Ende zwar immer alles anders als geplant, aber vielleicht könnt ihr hiermit eure Suche sehr sinnvoll eingrenzen. Und wenn es dann soweit ist, noch ein letzter Rat: Unsere Tipps für den Hundekauf ohne böses Erwachen.

Wir wünschen euch und eurem zukünftigen Familienmitglied eine tolle gemeinsame Zeit mit sehr viel Freude und Spaß an gemeinsamen Aktivitäten. 

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